Wandern im Burgund ist wie wandern auf einer einsamen Insel: Immer viel Landschaft und wenig Begegnungen, und vor allem - keine Biber!
Warum Burgund?
Eigentlich wollten wir ans Meer, in die Bretagne. Aber die Corona-Situation war noch bis Juni unklar und als wir uns Ende Juni endlich entschieden, waren die meisten Ferienwohnungen schon belegt und die Preise für die noch freien kaum bezahlbar. Also sind wir ins Burgund gefahren, das war leicht erreichbar und wir hatten vor zwei Jahren dort zwei mal Station gemacht, als wir in den Pyrenäen waren.
Wir hatten Glück. Wir fanden nicht nur die schöne Unterkunft in Rains (links auf die Seite im Blog), sondern auch das Wetter spielte mit. Während es in Deutschland zwei Wochen lang regnete, hatten wir in Burgund zwei Wochen lang Sonnenschein bei 25 Grad. Ideal zum Wandern.
Wanderlust
Wir wandern viel in unserer Freizeit. Alle Urlaube sind Wanderurlaube. Mal in Frankreich, mal in Norditalien, sehr oft im Südschwarzwald und natürlich im Odenwald, unserer Heimat.
Manchmal ist der Schilderwald kaum kleiner als in den Städten.
Wandern in Frankreich
Französische Wanderkarten führen fast ausschließlich die großen, überregionalen Strecken auf, allenfalls noch überregionale Radwege. Lokale Wege: Fehlanzeige!
Eingezeichnet ist keine einzige Strecke rund um Rains/Joncy, obwohl Wege erkennbar sind. Die markierten Wege habe ich selbst eingezeichnet nach Angaben aus dem Internet. Entsprechend bescheiden ist die Kartenlegende bestückt:
Vor Ort gibt es natürlich lokale Wanderwege. Man findet sie in der Regel auf Infotafeln an sehenswerten Orten. Eingezeichnet sind auch regionale Wege, Rundwege etc. Aber man muss wissen, wo man wandern will.
Auch die Markierung der Strecke im Gelände ist selbst bei den überregionalen Wegen oft nur sporadisch. Im Zweifel gilt: immer der Nase nach, so lange nichts anderes angezeigt wird.
Wandern im Jahr 2021
Aber ist die Not auch groß, so ist doch Hilfe nah’.
Interessante Touren laden wir als gpx-Dateien auf das Handy. Sind wir dann unterwegs, benötigen wir lediglich Satelliten-Empfang um unseren Standort zu finden und auf der Karte anzeigen zu lassen. Das ist daten- und stromsparend und enorm erleichternd, wenn man an einer Wegkreuzung steht.
Touren als gpx-Datei findet man im Internet zum Download zum Beispiel bei Komoot oder in Frankreich auf Seiten wie visorando.com oder sentiers-en-france.com.
Öffnet man diese Datei dann in der Komoot-App, sieht das so aus:
Digitale Karten/Online-Karten
Zwei Probleme können bei der Orientierung mit digitalen Karten auftreten:
Das Handy ‘kalibriert’ nicht richtig, d.h. es zeigt nicht korrekt die Nord-Süd-Richtung an. Dann muss es kalibriert werden. Details muss man evtl. recherchieren.
Sind die gpx-Daten nicht präzise genug, kann es passieren, dass der aktiv gegangene Weg neben dem angezeigten Weg verläuft. Meist ist aber leicht erkennbar, dass man dennoch richtig liegt.
Die Orientierung während der Wanderung ist dann recht einfach. Steht man an einer Weggabelung, hält man das Handy so auf einen Weg, dass der Kompass in Richtung des vorgegebenen Wanderwegs auf der Karte zeigt. Dann ist man richtig.
Sicherheitshalber habe ich immer noch eine echte Wanderkarte dabei. Für alle Fälle. Außerdem hat man mit einer Karte einen größeren und detaillierten Überblick über die Gegend, in der man wandert.
Die vorgesehene Wegstrecke zeichne ich dort mit Stift und Marker ein (siehe Foto oben) und kontrolliere unterwegs ab und zu meinen Standort auf der Karte.
Überraschung: Google Lens
Sabine nutzt immer wieder erfolgreich Google Lens als Übersetzungsmaschine: Handykamera auf die Infotafel halten und von Lens übersetzen und in deutscher Sprache vortragen lassen. Unglaublich, unschlagbar.
Wanderbegleiter
Meistens verlassen wir gegen 11 Uhr das Haus, fahren mit dem Auto eine Wegstrecke von max. 20km zu einem Startpunkt für einen Rundkurs. Mit Pausen dauert eine Wanderung fünf bis sechs Stunden.
Wiesen und Weiden prägen das Land. Abseits der Weingebiete und auf den Weiden grasen fast ausnahmslos Charolai-Rinder. Freudig wedeln sie mit dem Schwanz, wenn sie uns sehen.
Tagsüber leben wir von Wasser, Brot und den Brombeeren links und rechts des Wegs.
Was und wen wir nicht sehen und schon gar nicht vermissen: In den Dörfern gibt es keine SUV’s und auf den Wegen keine ungeschickten Pedelec-Fahrer. Es gibt überhaupt wenig Menschen zu sehen. Nur in Taizé treffen wir auf unzählige Jugendliche auf ihrem Weg zum Mittagessen in den Gemeinschaftsräumen der Communauté de Taizé.









