Frankreich 2015

Frankreich 2015
Pyrenäen Canigou-Massiv

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Urlaub 2019: Über Burgund in die Pyrenäen

Wir sind wieder in Frankreich! 

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Urlaubslektüre zur Einstimmung und zur Unterhaltung

Unser Urlaub 2019 soll uns wieder zum Wandern in die Ost-Pyrenäen führen. Diesmal nach Vernet-Les-Bains, wo Sabine vor vier Jahren eine schöne Pension entdeckt hat. Wir gehen auf Nummer sicher und buchen schon im Winter 2019 ein Zimmer für zwei Wochen. Auf dem Weg in die Pyrenäen und zurück wollen wir jeweils im südlichen Burgund einen Stopp einlegen.

Von unseren Unternehmungen, Erlebnissen und Eindrücken werde ich hier berichten.

Zur Einstimmung einige Links:

Viele Tipps zu sehenswerten Orten und Plätzen in Frankreich verdanken wir der Journalistin Hilke Maunder und ihrer tollen Website Mein Frankreich.
Zum Beispiel:  Vernet-les-Bains: Wo Cali seine Hits komponiert…

Wir sind ja schon zwei Mal in den Pyrenäen gewesen und haben jeweils darüber berichtet:

Erste Etappe Burgund: Klick

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Urlaub 2019 Etappe 1: Das südliche Burgund

Wer nicht weiß, dass er gerade durch das südliche Burgund fährt könnte meinen, er (oder sie) sei im Odenwald oder in einem anderen deutschen Mittelgebirge. Aber nichts wäre falscher als das. Die Landschaft mag ähnlich sein, die Dörfer sind es nicht. Noch der kleinste Weiler hat eine Kirche aus dem 10. oder 11. Jahrhundert. Immer wieder trifft man auf Kirchen und Kapellen ohne Ort drumherum. Alles Romanik, allenfalls im Inneren Barock.

Hier ist tiefstes Westeuropa, mit Kultur- und Geschichte gesättigt, ‘La France profonde’, wie es heißt. Als ob es nie Kriege gegeben habe. Dabei ging von Vézelay, einem bedeutenden religiösen Zentrum im 12.Jahrhundert, der zweite und der dritte Kreuzzug aus, die Kirche der Benediktinerabtei von Cluny war im 11.Jahrhundert zeitweise die größte der Christenheit, und nicht zuletzt findet man hier die Communauté de Taizé, ein Männerorden mit evangelischen und katholischen Christen, zu dessen Jugendtreffen jährlich mehr als 100 000 Jugendliche anreisen.

Dies ist eine Region mit Dörfern ohne Metallgitterzäune, Steingärten und Gabionen, und vor den Garagen stehen keine SUV’s. Das landwirtschaftlich geprägte Land ist arm an Industrie, aber reich an Bauernhöfen, die einen soliden Wohlstand ausstrahlen. Das Essen ist hervorragend, die Weine im Macon sind es auch - und die ungezählten weißen Rinder auf den Wiesen machen einen glücklichen Eindruck.
Ein wenig ähnelt die Landschaft mit ihrem Auf und Ab von Weiden und Wäldern dem südlichen England, wie wir es aus den Filmen mit Inspector Barnaby kennen. Haben sich vielleicht deshalb so viele Briten hier angesiedelt? Es ist schon auffallend, dass man sie nicht nur als Touristen antrifft, sondern auch als Inhaber von Chambres d'hôtes & gîtes en France. (Dazu später mehr)

Man kann hier wunderbar wandern. Die Strecken sind in der Regel gut ausgeschildert, die Berge nur mäßig hoch, die Wege leicht begehbar. Und, wie gesagt, man durchstreift eine Kulturlandschaft, die viele Anlässe zur Rast und zur Umschau bietet. 

Wir sind von Mazille bis nach Cluny gewandert und auch wieder zurück. Gewohnt haben wir wenige Kilometer südlich von Cluny in der Domaine de Vernay


“Freundliche Gastgeber, sehr schönes Ambiente. Ein Ruhepunkt in der Nähe von Cluny. Man ist willkommen und bemüht, einen angenehmen Aufenthalt zu gewährleisten“, 
habe ich bei booking.com geschrieben.

Mehr zu Burgund und Cluny bei  Hilke Maunder: Cluny - die maßlose Maior Ecclesia. 


Die Toiletten von Cluny

Wie schon erwähnt, spielte die Abtei von Cluny eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Christenheit. Die Abtei zählte zu ihrer Blütezeit mehr als 400 Mönche. 
Vielleicht ist es das der Grund dafür, dass man in der Abtei auch heute noch weiß, dass Männer gleiche Bedürfnisse haben, aber dennoch darin nicht gleich sind.
In der Abtei von Cluny hat man dafür eine verblüffende, aber einleuchtende Lösung:

(Unsere Freundin Elisabeth meinte dazu: "Das niedrigste Pissoir könnte vielleicht für Mönche in knieender Andachtsstellung montiert worden sein." Wer weiß?)

Dienstag, 1. Oktober 2019

Etappe 2: Vernet-les-Bains





Vernet-les-Bains ist ein Ort, der schon sehr viel bessere Zeiten gesehen hat. 
Zu Beginn des 19.Jahrhunderts hatte er sich wegen seiner Quellen zu einem bekannten Badeort entwickelt, mit einem, wie es schien, stetigen Aufstieg zu internationaler Klasse. Am 6. Mai 1906 ernannte die englische Wochenzeitung The World Vernet zum <<Paradies der Pyrenäen>>. Die Engländer, z.B. Rudyard Kipling, Nobelpreisträger 1907 für Literatur, liebten damals Vernet und viele tun es heute noch, wie man in den Gassen und Cafés von Vernet hören kann.



Ein fürchterliches Hochwasser im Oktober 1940 machte dem Glanz ein Ende. Am 21. Oktober 1940 lautet die Schlagzeile einer lokalen Zeitung: <<Vernet-les-Bains, gestern das Paradies der Pyrenäen, heute Dantes Inferno>>.

Es war wohl nicht nur das Hochwasser von 1940, das sämtliche Bädereinrichtungen am Ufer des Cady vernichteten und die halbe Stadt gleich mit, das den touristischen Abstieg Vernets einläutete. Vernet liegt abseits der großen Touristenströme und mit dem großbürgerlichen Habitus ist heute nicht mehr viel Staat zu machen.

Der alte Glanz ist also hin. Es gibt noch das Kasino und die Therme, auch wenige größere Hotels. Aber das war es auch schon: vier akzeptable Restaurants, davon zwei von Engländern betrieben, zwei Cafes am Marktplatz, ein Lebensmittelgeschäft, ein Bäcker und ein Supermarkt am Ortsausgang Richtung Villefranche-de-Conflent. Dennoch hat das Örtchen einen diskreten Charme bewahrt, mit engen, blumengeschmückten  Gässchen, die sich den Hügel hinauf ziehen zur Burg mit Kirche. 
Hier herrscht keine städtische Aufgeregtheit, sondern ländliche Gelassenheit. 





Über allem thront in majestätischer Größe der Canigou, der die Skyline des Ortes beherrscht und ruft: Komm herauf! Ein Ruf, den viele Touristen hören und Vernet zu einem beliebten Ausgangsort für Tagesausflüge auf den heiligen Berg der Katalanen machen.

In Vernet gibt es einen Park Charles Trenet, benannt nach einem sehr populären französischen Sänger († 2001), dessen Chanson “La Mer” mich seit meiner Kindheit berührt.
Was verbindet Charles Trenet mit Vernet? Er soll nach einer Nacht im Casino mit anderen Berühmtheiten nu comme un vers (nackt wie ein Wurm) durch den Park gelaufen sein! 

Da höre ich mir lieber das Chanson an:





Vernet ist vermutlich die einzige Stadt Frankreichs, die es auf eine spanische Banknote schaffte.

Einen Bericht zu Vernet findet man in diesem Post von Madame Maunder: Vernet-les-Bains: Wo Cali seine Hits komponiert…

Rudyard Kiplings Legende von Vernet: WARUM SCHNEE FÄLLT IN VERNET

Montag, 30. September 2019

Villa Delphina

Villa Delphina, in dem wir untergebracht sind, ist ein Belle Époque-Haus 
mit einem reizenden Ehepaar als Gastgeber. Nur drei Zimmer werden vermietet und während der gesamten Saison sind höchstens zwei Paare gleichzeitig anwesend.

Auf dem Foto kann man links von der Bildmitte die Villa sehen! Während unseres Aufenthalts, im August, waren die Bäume natürlich alle grün. Im Hintergrund der dominante Canigou.


Die Villa gehörte einst einem der vielen Industriellen, die sich in dem mondänen Badeort eine Villa für die Sommerfrische bauen ließen. Heute gibt es in diesem Haus nichts mehr, was jünger als 50 Jahre ist, mit Ausnahme von Elektrizität, Wifi und Haushunden.





(Alle Bilder stammen von der booking.com-Präsentation der Villa)

Wir finden hier ein klassisches Entree aus der Zeit um 1900. Der Fußboden ist im Erdgeschoss mit teils aufwendig bemalten und gemusterten Kacheln gefliest. Links und rechts stehen dunkle Regale, Garderobe, Anrichten mit Bildern, Broschüren, Büchern, Zeitschriften. 





Im gleichen Stil sind Bureau, großer Salon und die Küche gehalten. Selbstverständlich hat die Küche einen Nebeneingang für das Personal.





Im Salon  stehen ein Fernsehgerät und gemütliche Fauteuils.  Wandhohe, gegliederte Fenster im Wintergarten, der als Speise- und Frühstücksraum dient, lassen das Tageslicht in ganzer Fülle herein.




Im 1. Stock befinden sich die Schlafzimmer. Jeweils mit bodentiefen Fenstern und kleinem Austritt und gesichert mit schmiedeeisernem Geländer. 




An den Wänden der Zimmer hängen auf weißen oder dezent getönten Tapeten Bilder, Grafiken, Drucke, immer gerahmt: Akte, Landschaften, Stilleben. Das Mobiliar entspricht den zeittypischen Vorgaben und reicht im Stil ins 18. Jahrhundert zurück. In den Ecken laden bequeme Sessel zum Ruhen oder zur Ablage der Kleidung ein. 



Auf den vielen Tischchen und Kommoden stehen Bronzen oder bunte Schalen aus Porzellan. An der Decke hängen geschwungene Kronleuchter. Die Betten sind breit und sehr, sehr weich.


In diesem Haus kennt man weder Ikea noch Schöner Wohnen. Hier lebt man in der Vergangenheit, als sie noch viel versprach.




Und bei booking.com: https://www.booking.com/hotel/fr/villa-delphina.de.html


Samstag, 28. September 2019

Die Moderne schlägt zu


Dennoch: Der Fortschritt macht auch vor der Villa nicht halt. Auf dem Frühstückstisch fällt ein Gerät auf, dass uns Madame erläutert. Unter dem Deckel befindet sich ein großes Stück Butter, dreht man am unteren Rand der Dose quirlen unzählige kleine Fädchen Butter aus dem Deckel, die sich mit einem Messer streichzart auf das Brot übertragen lassen. Selbstverständlich gibt es zwei Dosen: eine für gesalzene und eine für ungesalzene Butter. Wir sind platt.

(Wieder zu Hause recherchiere ich und finde: Das Gerät heißt Buttermühle und man kann es bei Amazon (wo sonst?) kaufen; z.B. hier:  Klick    Vorsicht. Hohe Versandkosten!)


Donnerstag, 26. September 2019

Madame sitzt im Salon und liest

Madame sitzt im Salon und liest. Es könnte ein Klischee sein, aber... 
In jeder Ecke, in jedem Winkel des Hauses ist ein Wandschrank eingebaut, mal kleiner mal größer. Selbst auf der Toilette und im Flur. Ich vermute, das war um 1900 der letzte Schrei und sicher sehr praktisch. Man konnte so Dinge verstecken und den Blicken der Besucher oder dem zerstörerischen Licht entziehen.

Heute haben diese Schränke nur noch eine Funktion: Sie dienen als Bücherregale und erlauben der Hausherrin, ihre Bücher thematisch zu ordnen. In einem findet man Bücher über französische Politiker, in anderen über große Gestalten der Weltgeschichte wie z.B. den Pharaonen und Alexander dem Großen. Madame liebt es, vornehmlich Biographien und Autobiographien zu lesen. Den Grund dafür konnte ich aber mangels Sprachkenntnissen nicht ermitteln.

So bin ich auch auf diese beiden Bücher gestoßen, die ich ebenfalls besitze, natürlich in deutscher Übersetzung. 






Madame ist sehr erstaunt und erfreut, als ich ihr, französisch stammelnd, davon berichte.

Nachtrag: 

Wieder zu Hause, im Oktober 2019, werde ich ebenfalls überrascht. Jean-Paul Dubois bekommt den diesjährigen Prix Concours für sein neuestes Werk "Tous les hommes n’habitent pas le monde de la même façon".

Im Vorjahr war der Preisträger Nicolas Mathieu für "Leurs enfants après eux". Das Buch wurde sehr schnell ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel "Wie später ihre Kinder" durchaus auch bei uns ein Erfolg. Mal sehen, wann der neue Dubios bei uns auf den Markt kommt.


Zu den beiden o.a. Bücher habe ich etwas geschrieben: Hier und hier.

Dienstag, 24. September 2019

... und Monsieur jagt Wildschweine

Monsieur Gatte ist nicht nur geachtetes Mitglied des Gemeinderats von Vernet-les-Bains, sondern sogar stellvertretender Bürgermeister und hat große Ideen. Er möchte Vernet mit einer deutschen Bäderstadt verschwistern. Er hatte schon mit Deutschen Geschäfte gemacht, war auf Messen, kann sich gut auf Deutsch verständigen und ist offen und sympathisch. Er könnte Erfolg haben mit seinen Plänen.

Monsieur hat auch ein offensives Hobby. Er geht mit Freunden gerne auf Wildschweinjagd, und dafür hat er vier Hunde: zwei Dackel, einen Terrier und Jean (englisch ausgesprochen!), einen großen Britisch Setter.
Am letzten Wochenende unseres Aufenthalts  geht er mit Freunden  wieder los. Die Hunde sind dabei - außer: Jean. Sie hat Angst vor Wildschweinen und muss zu Hause bleiben. Jean gefällt das überhaupt nicht. Sie vermisst ihre Gefährten, ist unruhig und offensichtlich schlecht gelaunt. Selbst mich, ihren besten Freund, blickt sie ratlos an.



Es geht dem Hunde wie dem Mensch, wenn er allein ist.

Montag, 23. September 2019

Die Glocken von Vernet #1





Zu jeder Viertelstunde erklingt von der nahen Kirche Saint Saturnin das verstimmte Bimmeln einer kleinen Glocke. Zu der vollen Stunde schlägt dann eine größere Glocke die Anzahl der Stunden und, wie sich das gehört, rund um die Uhr. 
Seltsamerweise werden 2 Minuten nach der vollen Stunde die Stundenschläge wiederholt. Ein Rätsel.

Ein weiteres Rätsel kommt hinzu: Morgens um 7 Uhr spielen nach dem Stundenschlag beide Glocken im Duett eine einfache Melodie. Einige Minuten lang. Die Bedeutung bleibt unklar.
Einen schwachen Eindruck von den Glocken bekommt man hier: Klick 


Die Villa liegt liegt direkt unterhalb der Kirche. Sabine hat nachts gerne die große Balkontür geöffnet und ich wache immer wieder auf.
Ich habe eine Lösung gefunden: Klick


Sonntag, 22. September 2019

Die Glocken von Vernet #2

Und noch etwas Merkwürdiges. Am Sonntag läutet beim Frühstück eine ganz andere Kirche, die in Vernet ansässige anglikanische Saint Georges-Kirche, ein nahezu fünfzehn-minütiges Glockenspiel, dem wir bei offenem Fenster lauschen. Mit diesem Glockenspiel hat es eine besondere Bewandtnis. Madame erzählt uns die Geschichte: 
Es waren schon immer Engländer in Vernet und deshalb gibt es seit 1911 eine anglikanische Kirche hier, gestiftet von einem Engländer.Seit April 2019 verfügt die Kirche über ein Glockenspiel mit zehn Glocken, die im englischen Stil erklingen ("Change Ringing"), ein einzigartiger Fall in Frankreich. Mitinitiator der Installation des Glockenspiels war niemand anders als: Monsieur Gatte.
 Das Glockenspiel wird von 10 Spielern und Spielerinnen manuell bedient, die gemeinsam eine Melodie erklingen lassen. Wie das geschieht, kann man hier sehen und hören:

Les sonneurs de cloches de l'église anglicane Saint-George de Vernet-les-Bains:

(Im anhängenden Text des Videos wird auf die einzelnen Glocken und deren Tonart eingegangen.)

Ebenfalls, ab 56”, Monsieur Gatte:
Vernet-les-Bains : dix cloches anglaises pour l'église anglicane


Für die Ostermesse 2019 kann die anglikanische Kirche von Vernet-les-Bains (Pyrénées-Orientales) ihre 10 neuen englischen Glocken läuten, darunter 8 aus der Gießerei in Loughborough (Großbritannien). Ihre Installation ist eine Premiere in Frankreich. Mit Michael Strutt, Projektkoordinator, Jeff Ladd, Glöckner und Jean-François Gatte, stellvertretender Bürgermeister von Vernet-les-Bains.

Wie man hören kann: Vernet hat viel zu beaten!

Samstag, 21. September 2019

Wir lesen im Urlaub ...

... wenig.



Wir haben uns viel vorgenommen, einige Bücher eingepackt  - aber wenig erreicht, was das Lesen angeht. Zumindest für mich gilt das. Ein einziges Buch beginne ich zu lesen: Yasmin Reza, Glücklich die Glücklichen. 

Mehr geht nicht, denn: Die Wanderungen sind sehr lang, die abendlichen Picknicke zu schön, und deshalb reicht es nur dafür, im Bett die  Nachrichten per Internet zu checken und in diversen Frankreich-Blogs (erfolgreich) zu stöbern, was wir  hier in den Pyrénées-Orientales alles erwarten können. Wir haben kein TV und vermissen es nicht. Das ist Urlaub.

Nachtrag: 

Ja, aber dann zu Hause habe ich einiges nachgeholt!
  • Michel Houellebecq: angefangen und weggelegt. 
  • Annie Ernaux: kannte ich schon in einer älteren Übersetzung. Dennoch ein nettes Wiederlesen.
  • Nicolas Mathieu: spannendes Buch über Jugendliche im entindustrialisierten Lothringen. Darüber habe ich hier geschrieben: Klick

Mittwoch, 18. September 2019

Routine im Urlaub: Wandern und Picknick


Die Tage in Vernet haben eine feste Routine. Nach dem Frühstück gehen wir los, ausgerüstet mit Getränken und (wenig) Essen und verbringen den Tag im Gelände. Am späten Nachmittag, müde und manchmal etwas erschöpft von der Tour müssen wir uns um das “Abendessen” kümmern, denn leider, leider, haben wir bei der Buchung übersehen, dass wir in der Pension keine Kochgelegenheit haben und uns deshalb in Restaurants oder sonst wie verpflegen müssen. 

Für Vegetarier sind die französischen Restaurants aber noch weitgehend Terra incognita, d.h., wir müssen uns selbst verpflegen. In der Regel kaufen wir beim Supermarkt von Vernet ein, der am Rande des Städtchens liegt: Käse, Brot, Früchte, Joghurt und: gekühlten Wein! Der Supermarkt bietet einige Sorten Wein im Kühlregal an, was uns sehr entgegen kommt. Alles in den Picknickrucksack, der auch eine isolierte Tasche für Getränke hat, und ab - ja wohin?
Auf einer kleinen Terrasse am südlichen Ortsausgang findet sich eine Bank, wie geschaffen für unser Picknick. Ungestört können wir Käse und Wein genießen und aus erhöhter Position auf die Kurgäste hinabschauen, die pünktlich jeden Abend sich auf den Weg in die Therme machen. Oft in Badeschuhen und im Bademantel.

Dass man in Frankreich nicht vegetarisch essen kann erweist sich übrigens als Gerücht. Wir sind drei Mal in Vernet ins Restaurant gegangen, und jedes Mal gab es auch für Sabine ein Angebot. Im Le Thermal  lediglich Spaghetti mit Pesto, im “indischen" Restaurant Le Jardin Du Jasmin  eine große Auswahl an vegetarischen Currys und im Bistrot Le Cortal ebenfalls ein auf sie zugeschnittenes Menü, das zwar, was den Materialeinsatz anging, etwas überteuert war, aber: immerhin.

Das Le Jardin Du Jasmin  wird von einer Engländerin gemanagt, die aus Südafrika nach Frankreich eingewandert ist. Sie bietet als Spezialität an: Fish and Chips mit englischem Bier. 

Man sieht auch hier: Vernet ist very british!


Montag, 16. September 2019

Wir wandern ...




Wir sind jeden Tag lange unterwegs, in der Regel zwischen fünf und sechs Stunden (mit Pausen) und erkunden die Gegend,die wir ja schon seit den Urlauben 2014 und 2015 kennen. Aber wir wagen auch Neues.

Die allererste Tour hat allerdings Tradition: Wir besteigen von Vernet aus wieder zuerst den Pic de la Pena über einen steilen Serpentinenweg. Siehe hier: Klick

Von dort wandern wir  hinüber zum Tour de Goa und über Casteile zurück. 

Der Aufstieg ist meine erste Bewährungsprobe. Habe ich das letzte Jahr gut überstanden, bin ich fit? 

Ich bin erschöpft, als ich oben ankomme. und die Aussicht auf die weiteren Anstiege hinüber zum Tour de Goa machen mich nicht gerade glücklich. Aber ich bin nicht mehr erschöpft als vor drei Jahren und ich werte das als gutes Zeichen für die weiteren Tage. (Mit Sabines Fitness kann ich natürlich nicht mithalten.)
Blick nach Vernet und Corneilla




Samstag, 14. September 2019

... zu den Cascades des Anglais ...

An einem anderen Tag gehen wir wieder zu den Wasserfällen Cascades des Anglais, wo wir schon 2014 und 2015 waren. 

Ein merkwürdiges Ereignis: The Lady Vanishes:


Von oben rechts gegen den Uhrzeigersinn zu betrachten!

Auf dem Rückweg ist das Wetter so schön und wir sind noch voller Kraft, also geht es hinauf zur Pic de l’Alzina und von dort wollen wir rüber zur Abbaye Saint-Martin-du-Canigou, aber leider verlieren wir unterwegs die Markierungen und so geht es zurück und hinunter nach Vernet. 

Am nächsten Tag wollen wir es jedoch wissen. Wir fahren nach Casteil, marschieren die Privatstraße hinauf zur Abtei und von dort finden wir tatsächlich den Weg zum Pic de l’Alzina und auf einem alternativen Weg hinunter nach Casteil. Wir waren am Vortag eigentlich richtig gewesen, hätten einfach nur weitergehen müssen.


Donnerstag, 12. September 2019

... und sammeln Steine


Auch den Circuit des Minerals sind wir diesmal wieder gegangen und die Tour zu den Dolmen machen wir ebenfalls wieder. Diesmal auf der westlichen Seite des Tales hinauf und über Corneilla zurück. 
(Allerdings fanden wir den Weg von Corneilla nach Vernet nicht, außerdem drohte ein Gewitter. Also sind wir auf der Straße zurückgelaufen, was auch nicht schlimm war.)
Die Tour findet man im Internet hier: Klick

Wir haben auch einen neuen Rundweg entdeckt, der schon zu den Blütezeiten Vernets angelegt worden sein muss, mit kleinen Grotten, Ruhebänken und phantastischen Ausblicken auf Vernet, aber nicht leicht zu gehen. Rundweg 'Belle Epoque': Klick

Fast jedes Mal kommen wir mit einem Rucksack voller Steine zurück, die wir erst zuhause wieder aussortieren. Nur wenig hat Bestand:


Dienstag, 10. September 2019

In Vernet baden?


Vernet-ist ja ein “Bain”, also ein Badeort. Aber die Therme im wenig attraktiven Stil und dem Service einer “Kuranlage” aus den sechziger Jahren reizt uns nicht, und das Schwimmbad ist uns zu voll. Madame hat eine Idee: In der Nähe (d.h. ca.30 km entfernt) soll es in einem Seitental ein sehr schönes Naturbad mit warmer Quelle geben: die Bains de St.Thomas. Das wollen wir uns anschauen.

Wir fahren im Tal der Têt bis Fontpédrouse, lassen das Auto am Ortsausgang stehen und wandern die restlichen 6 km bis zum Bad. Immer schön am Hang entlang, leicht aufwärts durch lichte Laubwälder, die uns vor der Sonne schützen.

Wir haben Glück, denn es ist der erste Montag im September, die Ferien in Frankreich sind gerade am Wochenende zu Ende gegangen und so haben wir sehr viel Platz in den drei Freibecken. (Schnee lag allerdings noch nicht.) 
Wir genießen zwei Stunden, indem wir von Becken zu Becken wechseln und ab und zu eine Sonnenpause auf den Stufen des Atriums einlegen. Allerdings unterschätzen wir die enorme Kraft der vom Wasser reflektierten Sonnenstrahlen, was bei mir zu einem netten Sonnenbrand im Gesicht führt.

Ganz entspannt geht es wieder zurück und auf dem Rückweg besuchen  wir einen weiteren sehenswerten Ort, der zu den Plus beaux villages de France zählt: Evol.  Oder wie Madame Hilke in ihrem Blog “Mein Frankreich” schreibt: Bilderbuchdorf der Pyrenäen.

Ich wünschte, Vernet hätte ein so schönes Bad im Freien wie Saint Thomas! Das wäre eine wundervolle Bereicherung des Angebots und sicher auch ein attraktiver Anziehungspunkt für viele Touristen. Ob Monsieur Gatte auch diese Ansicht teilt?

Und dann das: 


Das Foto ist von Wikiloc: Hier

Es gibt sogar noch weitere heiße Quellen in der Nähe, wie uns eine französische 'Gästin' in der Villa mitteilt: Eine öffentliche Quelle, die versteckt in der Nähe von Saint Thomas liegen soll. Allerdings findet Google Maps diese Quelle nicht, auf der Wanderkarte ist sie auch kaum zu erkennen. Doch plötzlich ist sie doch auf Maps zu finden. Sie liegt direkt neben der Straße von Fontpédrouse nach Prats-Balaguer. 

Sabine recherchiert im Internet und findet heraus, was an dieser Quelle so besonders ist: Man kann nackt baden! (Was nicht allen französischen Kommentatoren gefällt.)

Wir fahren also dorthin, aber welche Enttäuschung: Die Straße links und rechts in der Nähe der heißen Quelle ist gesäumt von Autos und Campern, umherlaufenden Badegästen und Kindern. So fahren wir einfach weiter nach Prats-Balaguer, parken dort und wandern ohne großes Ziel durch die Berge und auf einem sehr schönen Weg wieder zurück.
(In Prats Balaguer wieder angekommen müssen wir allerdings feststellen, dass irgend jemand uns eine Delle ins parkende Auto gefahren hat und ohne eine Notiz zu hinterlassen getürmt ist. So what!)




Sonntag, 8. September 2019

Artistik auf dem Gipfelkreuz


Abfahrt: 8:30
Abmarsch Cortalet: 10:30
Ankunft Gipfel: 12:30
Ankunft Cortalet: 15:00, einige Pausen dazwischen

Die zwei Wochen in Vernet sind noch schöner als die früheren Aufenthalte in dieser Gegend: Wir besteigen den Canigou (2700m), allerdings aus einer Starthöhe von 2000m, was dennoch eine reife Leistung ist, wie ich finde. Wir haben wie in den vergangenen Tagen super Wetter, klar und warm, so dass der Aufstieg völlig unproblematisch sein wird.

Madame hat uns einen Landrover-Fahrer vermittelt, um 8:30 werden wir abgeholt, und zusammen mit einem deutschen Paar geht es los. Auf einer holprigen  Piste, dem Chemin Forestiere de Balaig, der mehr einem ausgetrockneten Bachlauf ähnelt als einem befahrbaren Weg, werden wir in zwei Stunden von Vernet hinauf zur Refuge des Cortalets gerüttelt und geschüttelt. 

Atemberaubende Ausblicke auf Gipfel und in Abgründe lenken uns vom rumpeligen Weg ab.Ich sitze im Landrover, halte mich sehr fest an den Haltegriffen und erinnere mich an die alptraumhaften Berg-und Talfahrten auf den Jahrmärkten meiner Kindheit. Schön, wenn man alt ist.

Der eigentliche Aufstieg beginnt an der Refuge. Über den Pic Joffre (2560m) erreichen wir auf kontinuierlich ansteigendem, felsigem Pfad nach zwei Stunden den Gipfel des Canigou.
Wir überholen den ein oder anderen Wanderer und manchmal ganze Gruppen. Oben angekommen fühle ich mich gut und viel besser als befürchtet. Sabine fühlt sich eher unterfordert:





Am Gipfel ergibt sich ein erstaunliches Bild 

In Wirklichkeit war die Szene noch viel verrückter. Die junge Frau stand nicht nur frei auf der Querstrebe des Gipfelkreuzes. Sie breitete auch noch weit die Arme aus und dirigierte ihre Freundin, dass auch ein wirklich aufregendes Foto entstünde.
Ich bin platt und realisiere erst Minuten später, was ich da gesehen habe.

Freitag, 6. September 2019

Der Spatz vom Canigou


Wir sind nicht allein auf dem Canigou. Mindestens zehn weitere Wanderer jeglichen Geschlechts haben den Aufstieg geschafft, und viele weitere sind noch von weiter unten unterwegs. Auf dem Hinweg mit dem Landrover kreuzten wir immer wieder ihre Wege.

Außer uns befindet sich noch ein kleiner Geselle auf der Bergspitze in 2700m Höhe, den ich nicht erwartet hätte. In der Bildmitte ist er erkennbar: Ein junger Spatz säubert den Gipfel von Essensresten.

Mittwoch, 4. September 2019

Seltsame Erscheinungen


Auf dem Rückweg, kurz vor der Cortalet-Hütte traue ich meinen Augen nicht, als ich über einem ausgetrocknetem Teich diese merkwürdigen, hellblauen Spiegelungen sehe. Ich rücke meine Brille immer wieder zurecht, aber die Fata Morgana bleibt. Sabine sieht trotz mehrfacher Hinweisevon mir nichts und ich sorge mich um meine Augen.
Da, Sabine nimmt ihre Sonnenbrille ab, und dann sieht sie ebenfalls die merkwürdigen Schleier über der Mulde. Sehr rätselhaft.

In der Hütte angekommen werden mit einer weiteren Erscheinung überrascht. Die ist aber weniger rätselhaft:

Müde, mit schweren Beinen, aber stolz und glücklich lassen wir uns wieder nach Vernet fahren. 

Weitere Hinweise:

Man kann auf den Gipfel des Canigou auch einmal im Jahr rennen:

Links:

Wegweiser Pic du Canigou ab Chalet des Cortalets: Klick
Webcam Cortalet: Klick
Le Canigou par les Cortalets (Video): Klick
Von Esquena dAse zum Canigou (Video): Klick
Running (Video): Klick 
Anmeldung zum Lauf 2020: Klick


Montag, 2. September 2019

Hermann aus Villefranche

Den vorletzten Tag in den Pyrenäen nutzen wir um letzte Einkäufe zu machen.
In Villefranche gehen wir zu einer kleine Poterie, mehr eine bloße Verkaufsstelle als eine echte Töpferei, und suchen nach einer ähnlichen Salatschüssel, wie wir sie schon vor Jahren hier erstanden haben.

Monsieur ist sehr freundlich und von uns sehr angetan, denn: Monsieur liebt deutsche Schriftsteller und vor allem einen, Hermann Hesse. Er schwärmt von Demian, Narziss und Goldmund und Steppenwolf. Seine Liebhaberei sei sogar so weit gegangen, dass er seinem Sohn den Namen Hermann gab.

Wir sind nicht wenig verblüfft und ich stelle mir vor, wie es meiner Familie gefallen hätte, wenn mein eigener Sohn Aristide, Jean-Paul oder Guillaume hieße. Mir fällt dabei die Geschichte eines Songs von Johnny Cash ein, in dem der Vater seinem Sohn den Namen ‘Sue’ gab, weil ... (Sehen Sie hier und hier, warum.) 


Aus Hermann ist ein netter junger Mann geworden, der sehr zur Zufriedenheit seines Vaters das Geschäft übernommen hat.


Freitag, 30. August 2019

Was macht ein Ch’ti im Conflent?



Er eröffnet in Villfranche de Conflent ein Antiquariat für Illustrierte, Filmheftchen, Filmplakate und alle möglichen bunten Presseerzeugnisse, die nicht nur bei Touristen Interesse finden.
Das  Le Ch'ti Musée de la Presse wird von Bernard Schoenmaeker geleitet. Ein Gang durch das labyrinthisches Archiv sollte man nicht ohne Ariadne-Faden wagen und viel Zeit mitbringen. Der Laden ist ein wahres Paradies für alte Presseprodukte, wenn man sich die Mühe macht zu suchen und finden zu wollen. 




Ich mache einige schöne Entdeckungen, Monsieur Schoenmaeker wird aus dem benachbarten Cafe geholt, und für 5€ bekomme ich einen illustrierten Querschnitt französischer Geschichte von 1899 bis 1944.



Mehr zu den Ch’ti: Klick

Mittwoch, 28. August 2019

Schnell noch einen Abstecher nach Eus

... eines der Plus Beaux Villages de France um weitere Souvenirs zu besorgen. 
Wir waren  schon zu Beginn des Urlaubs in Eus. Von dort hat man einen wunderbaren Blick ins Tal der Têt und auf den Canigou. Außerdem gibt es einige Künstler hier, die sehr schöne Keramiken und Aquarelle herstellen.

Mit einigen Geschenken und einer Grafik verlassen wir Eus und die Pyrenäen. Eine Reproduktion wird uns an die schönen Tage in den Pyrenäen erinnern:


Montag, 26. August 2019

Über Tramayes nach Hause


Über das südliche Burgund geht es nach Hause. Sabine hat wieder ein kleines Maison d'hôtes gefunden, das noch weiter im Süden Burgunds liegt als Cluny, nämlich La Grange Fleurie in Tramayes, in der Nähe von Mâcon.  

Das kleine Hotel kann man unbedingt empfehlen. Es ist geschmackvoll eingerichtet, bietet ein schönes Frühstück und bei Vorbestellung gibt es die Möglichkeit für ein Abendessen. Auch für Vegetarier zu empfehlen! Sehr freundliche Gastgeber, die ursprünglich aus Südafrika kommen.


Tramayes 

überrascht uns durch eine auffallende Aufgeräumtheit. Es gibt einen netten Marktplatz, ein großes Gesundheitszentrum, eine sehr alte Kirche (Saint-Jean-Baptiste)  aus dem 10. Jahrhundert (nicht ganz so selten in Burgund), ein altes Schloss aus dem 16. Jahrhundert (auch nicht gerade eine Seltenheit) und viele ausgeschilderte Spazierwege rund um das Dorf. Alles strahlt eine ländlich-bürgerliche Solidität aus, La France profonde eben.

Jakobsweg


Karte Jakobsweg Cluny / Burgund - Vorey sur Arzon / Auvergne Pilgerbericht Pilgern

Wie erfahren: Tramayes liegt auf dem Jakobsweg, am sogenannten Burgunderweg von Basel nach Le Puy-en-Velay.  Der Ort wird gerne von Wanderern/Pilgern als Aufenthalt gewählt. Seit den Römern führten immer wieder Handelslinien durch Tramayes. Das und die Landwirtschaft trugen und tragen vermutlich immer noch zum Wohlstand des kleinen Ortes bei.

In unserem Hotel treffen wir beim Abendessen zwei deutsche Frauen, die auf dem Weg von Cluny nach Le Puy sind und uns beim Abendessen von den diesjährigen Strapazen beim Wandern in glühender Hitze und Regen berichten. Aber auch von der Stille und der inneren Ruhe beim Wandern durch Burgund. Ob wir das auch mal wagen sollen?

Wer am Wandern auf dem Jakobsweg interessiert ist, dem empfehle ich: Pilgerwissen: Alles rund um Jakobswege und andere Pilgerwege – von Beate Steger


Fini: Das war's dann für 2019


Wir verlassen Burgund nicht ohne ein letztes Souvenir:


Gekauft in der Galerie Artinasale et Gourmande in Cormartin 
die mit einem umfangreichen Angebot an lokalem Kunsthandwerk und regionalen Produkten aufwarten kann. Deshalb: Besuch empfehlenswert.