Frankreich 2015

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Pyrenäen Canigou-Massiv

Mittwoch, 14. Oktober 2026

20. August: Auf den Spuren von Inge Joseph


Mehr als drei Jahre lang war das Château de la Hille der Aufenthaltsort von Inge Joseph aus Darmstadt.
Ab 1940/1941 mietete die Kinderhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK bzw. Secours Suisse aux Enfants) das Schloss, um rund 100 jüdische Kinder vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten und die französische Polizei zu schützen. Hier konnten sich die Kinder zumindest zeitweise verstecken und auf ein Ende des Krieges und der Verfolgung hoffen. Mehr dazu in meinem Blog: Wer war Inge Joseph aus Darmstadt?
Immer wieder kam es jedoch zu Razzien durch die französische Polizei, die im Auftrag der deutschen Besatzer nach Jugendlichen suchten, die das achtzehnte Lebensjahr vollendet hatten und ausgeliefert werden sollten – in der Regel wurden sie nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.
Unser Haupturlaubsziel für 2026 ist also das Château de la Hille in Südfrankreich.

Das Château liegt am Ortsrand von Montégut-Plantaurel, nur 40 Kilometer von unserem Ferienort Saurat entfernt. 

Nach der obligatorischen Injektion in Arignac machen wir uns am Donnerstag, dem 20. August, auf den Weg zum Schloss. Es liegt in einem langgezogenen Tal am Ende einer von Bäumen gesäumten Allee. Die Idylle ist perfekt und lässt nicht erahnen, welche dramatischen Geschichten sich hier von 1941 bis zur Befreiung im Jahr 1944 abgespielt haben. 



Am Eingang zum Schlossareal finden wir eine Gedenktafel, die an die Geschichte als Fluchtort für jüdische Kinder erinnert und die Namen der verdienten Helfer und Helferinnen des SRK enthält.

Leider ist das Schloss nur für private Gäste zugänglich und das kleine Museum im Ort nur samstags kurz geöffnet.
Im Internet erfahren wir, dass es in einem 15 km entfernten Ort eine Ausstellung zur Geschichte der Deportationen in der Region gibt, in der auch das Schicksal der Kinder von Château de la Hille thematisiert wird. Leider ist die Ausstellung ausgerechnet an diesem Tag geschlossen. Wir werden sie am nächsten Tag besuchen.

Centre d’Histoire de La Résistance et de la Déportation en Ariège  21.8. 2026

Auch heute wieder die übliche Prozedur: Zuerst die Injektion in Arignac, dann die Fahrt zum ca. 30 km entfernten Centre d’Histoire... in  Varilhes.

(Leider sind die Lichtverhältnisse sehr ungünstig zum Fotografieren. Deshalb sehen Sie es nach, wenn die Fotos nicht sehr gelungen sind.)

Schon im Eingang zum Centre finden wir die Fotoaustellung zu La Hille. 


Ich freue mich, hier einige Fotos wichtiger Personen von La Hille zu finden, darunter ein Foto der unglaublich engagierten Schweizerin Anne-Marie Im Hof-Piguet. Während der Anwesenheit von Inge Joseph führte sie das Schloss im Auftrag des Schweizer Roten Kreuzes und ermöglichte den Kindern für eine kurze Zeit ein möglichst friedliches und sicheres Leben. 

Anne-Marie Im Hof-Piguet (Mitte)
 
Die eigentliche Ausstellung widmet sich mit großen Schautafeln, Fotos und Dokumenten dem französischen Widerstand in der Region Ariège, der sich sowohl der Verfolgung jüdischer Menschen durch die französische Vichy-Regierung als auch den im Jahr 1942 einmarschierenden deutschen Besatzern entgegen stellte. 


Les Témoins / Die Zeugen


Eine Audiopräsentation zu Personen des Widerstands erwähnt auch einen Deutschen, der im französischen Widerstand mitarbeitete:


Es gibt auch eine Schautafel zum Fluchtort La Hille mit Hinweisen auf die ersten Deportationen nach Le Vernet.




Alles in allem ist es eine sehr bemerkenswerte Ausstellung, die nicht nur den französischen Widerstand, sondern auch die dunkle Zeit der Vichy-Regierung schonungslos thematisiert. 
Die Sonderausstellung mit den Fotos von La Hille ist noch bis Ende 2027 zu sehen.

Wir fahren direkt nach Le Vernet weiter. Dort finden wir jedoch kein Museum, obwohl Google Maps eines anzeigt. Hätte ich die Berichte von Hilke Maunder nur aufmerksamer gelesen, hätte ich das wissen können. Sie hat vor einem Jahr in ihrem lesenswerten Blog über das Lager von Le Vernet berichtet und hatte dasselbe Problem. Klick 
Am Ortsausgang, an dem kleinen Bahnhof, finden wir jedoch fast zufällig eine Open-Air-Präsentation zu den Deportationen von und nach Le Vernet sowie weitere Informationen zum Lager.
Davon später mehr.




18.8. Fahrt nach Saurat/Ariége

Fahrn, fahrn fahrn auf der Autobahn...*

*  Das ist die lange Version! Die kurze Single-Version gibt es hier: Klick

In Frankreich wird die Fahrt auf der Autobahn immer wieder durch lästige Mautstellen unterbrochen, an denen sich der Verkehr staut und für Unmut sorgt. Aber nicht mit uns! Wir haben das kleine Gerät von bip&Go an der Windschutzscheibe und können deshalb mit 30 km/h gelassen an den Schlangen vorbeifahren und die Mautstellen an den für uns vorgesehenen Schranken passieren. Nahezu ohne Verzögerung der Reise.


In Saurat erwartet uns der Vermieter an der Straße, oberhalb seiner beeindruckenden Villa. Er zeigt uns das Anwesen samt Garten und den Zugang zum nahegelegenen Bach. Es handelt sich um ein altes, ländliches Bürgerhaus, und uns steht praktisch die gesamte rechte Hälfte mit zwei Stockwerken zur Verfügung. Wir sind beeindruckt. 



In der ebenfalls beeindruckenden Bibliothek im oberen Flur finden wir Bücher, die von mindestens drei Generationen von Gymnasiallehrern gesammelt wurden. Unter ihnen befindet sich auch eine verblüffende Entdeckung. 

(Siehe hierzu den  Bericht auf meiner Seite "Reiners Welt" https://reinerw.blogspot.com/2026/09/es-muss-nicht-immer-kaviar-sein.html

Monsieur kann uns übrigens hinsichtlich der Waldbrandgefahr beruhigen. Der Brand ist ein Tal und einen Gebirgszug weiter nördlich und interessiert hier niemanden.
Wir sind beruhigt.

Retardierendes Moment 

Unser Glück wurde allerdings durch die Rückkehr des Infekts getrübt, der mich kurz vor unserer Reise nach Frankreich zu Hause schon beschäftigt hatte und in der ersten Nacht in unserer schönen Villa in Saurat wieder auftrat. In den folgenden Tagen in der Ariège mussten wir auf größere Wanderungen verzichten und konnten nur nachmittags kleinere Ausflüge in die Umgebung unternehmen. Immerhin konnten wir die Schauplätze von Inge Josephs Aufenthalt in den Jahren 1940 bis 1943 besuchen und auch einen Ausflug zur weiter entfernten Katharerburg Château de Montségur unternehmen.
Davon soll im Folgenden berichtet werden:  20. August: Auf den Spuren Inge Josephs

Mehr zum Département Ariége: Postkarte aus … Tarascon-sur-Ariège




Frankreich 2026: Ein Urlaub mit Überraschungen

Die Vorgeschichte

Der Sommerurlaub 2026 in Frankreich ist bereits im Herbst 2025 fest geplant, vor allem nach der erneuten Lektüre von Inge Josephs Lebensweg und von Lisa Fittkos „Mein Weg über die Pyrenäen“. Sabine möchte unbedingt den „Walter-Benjamin-Weg“ von Banyuls-sur-Mer nach Portbou gehen.

Wir werden etwa zwei Wochen unterwegs sein. Sabine sucht über Booking.com nach privaten Unterkünften. Bis Mitte Juli 2026 werden wir alle Unterkünfte fest gebucht haben. 

Die Reise soll von  Arbent im südlichen französischen Jura nach Saurat bei Tarascon-sur-Ariège, südlich von Toulouse, führen, wo wir den Spuren von Inge Joseph nachgehen wollen und das Chateau de la Hille besuchen werden. Von dort aus geht es an die Mittelmeerküste nach Collioure als Ausgangsort für die Wanderung auf dem Walter-Benjamin-Weg. Auf der Rückreise machen wir dann Station im südlichen Burgund bei Mâcon, wo wir die letzten zwei Tage der Reise verbringen.

Dieser Beitrag besteht also aus folgenden Reiseberichten:

Erste Komplikation

Zwei Tage vor der Abreise der Schock: Ich erwache nachts, muss dringend auf die Toilette, nur um festzustellen, dass ich mir vermutlich eine Harnwegsinfektion zugezogen habe. Am frühen Morgen suche ich sofort meinen Hausarzt auf, der meine Vermutung bestätigt. Er verschreibt mir neun Tabletten eines Antibiotikums, die mir die Reise nach Frankreich ermöglichen sollen. 

Die Wirkung stellt sich auch schnell ein: Bereits am folgenden Tag habe ich keine Schmerzen mehr und mein Urin ist klar.
Die Reise kann beginnen. Ab in den Urlaub!

5.8. Arbent im Jura: Wenn wir erklimmen ...


Für zwei Tage sind wir im französischen Jura, wo wir bereits im vergangenen Jahr waren. Wir haben eine kleine Ferienwohnung mit einem Zimmer, einem Bad und einer überdachten Terrasse, die an einem Gebirgsbach liegt. Wir werden drei Tage bleiben und die Zeit für zwei Wanderungen in der Umgebung nutzen. 

Das Jura ist eine wunderschöne Landschaft mit charakteristischen Kalkbergen, zahlreichen Seen und Flüssen. Es ist irgendwie weltabgeschieden und im Sommer fern vom Urlaubstrubel. Wir sind entspannt, voller Hoffnung und freuen uns auf die schönen Wanderungen. 

16.8. Cascade de la Combe Runde von Dortan (Komoot)

Auf Komoot finden wir einen Weg in unserer Nähe, der einen schönen Ausblick auf den Lac de Coiselet bieten soll. Mit einer Distanz von 8,30 km, einer Dauer von 2:49 h und 400 m Anstieg, dessen Schwierigkeitsgrad mit „mäßig” angegeben wird, scheint uns das machbar. 

Das erweist sich jedoch bald als Irrtum. Leider lese ich erst hinterher einen Kommentar, der das Gegenteil vermeldet. 

Zunächst sind wir vom Rathaus in Dortan aus auf leicht ansteigenden Wegen zur Cascade de la Combe gewandert. Aufgrund der Trockenheit stellte sich der Wasserfall allerdings nur als kleines Bächlein heraus, das über einen Fels tropfte. Anschließend sind wir durch einen märchenhaft verwunschen Wald zum Aussichtspunkt „Pierre qui Vire“ gestiegen, der tatsächlich einen berauschenden Ausblick bot. 



Bis dahin war ich allerdings mit meinen Kräften fast am Ende. Wir schafften es noch bis ans Ende der Bergkuppe, kehrten dann aber um, da wir den Abstieg nicht fanden. Zudem nervte uns Komoot mit Navigationshinweisen, da wir die Route in umgekehrter Richtung gelaufen sind. Generell war unser Eindruck während des gesamten Aufenthalts in Frankreich: Komoot ist eine App, die von Jahr zu Jahr verschlimmbessert wird, die einen mit Meldungen nervt und bei der man zum Beispiel nie Kommentare findet, wenn man sie mal braucht.

Total erschöpft kam ich in der Ferienwohnung wieder an. Sabine machte sich Sorgen um meine schlechte Kondition. War das eine Folge des Antibiotikums?

17.8. Plage de Chancia Runde von Chancia (Komoot)

Da ich noch recht erschöpft war, suchte Sabine für diesen Tag eine leichtere Wanderung heraus. Sie wäre nur 3,5 Kilometer lang, sollte etwas mehr als eine Stunde dauern und einen Höhenunterschied von nur 150 Metern bewältigen. Laut Komoot war es eine einfache Tour.

Aber auch das erwies sich wieder als Schimäre. Der erste Teil war tatsächlich recht anspruchslos und führte zügig auf einen Gipfel, von dem aus man einen herrlichen Ausblick auf das nördliche Ende des Lac de Coiselet und die Bucht des Flusses La Bienne hatte. 

Im Hintergrund der Berg, den wir am Vortag “bestiegen” haben!

Der Abstieg erfolgte jedoch nahezu in Falllinie über Geröll und auf rutschigem Boden, sodass ich auch hier wieder völlig erschöpft am Ufer ankam. Wie gesagt: Laut Komoot eine „einfache Tour”.