Frankreich 2015

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Pyrenäen Canigou-Massiv

Samstag, 21. Oktober 2023

Étretat #4: Ein zweiter Besuch von Le Havre - und anderswo

Erst bei unserem zweiten Besuch in Le Havre haben wir uns vorgenommen, den Tipps von Hilke Maunder zu folgen und uns die kulturelle Seite der Stadt näher anzusehen. Das sind vor allem das Musée Malraux (MuMA), die Musterwohnung Perret,  das ist eine Musterwohnung im Stil des modernen Wiederaufbaus der 50er Jahre und die Hängenden Gärten von Saint Adresse.  


Das Museum beherbergt eine beeindruckende Sammlung von Gemälden vor allem französischer Impressionisten wie Claude Monet, Camille Pissarro, Gustave Courbet, Edgar Degas und Édouard Manet, darunter auch ein von uns sehr geschätztes Bild eines Ortes, den wir bei unseren früheren Besuchen in der Normandie immer wieder aufgesucht haben: Les Falaises de Varengeville, 1897 (ein Motiv, das bei ihm immer wieder auftaucht): 


Aber auch moderne Maler wie Paul Gauguin und  Raoul Dufy  sind vertreten, letzterer mit Bildern aus dem Nachlass der Witwe des Künstlers.
Offizielle Webseite des Museums: Klick   

Leider konnte die Musterwohnung von Perret nur nach Anmeldung besucht werden und für die Hängenden Gärten fehlte dann die Zeit.
Offizielle Website der Musterwohnung Perret: Klick 

Die Brücke!


An einem dritten Tag ohne Strandwetter fuhren wir mit dem Auto nach Honfleur. Was für mich ein absolutes Highlight war, war für Sabine eher ein Horror: die Fahrt über die Pont de Normandie. 
Sabine: Lieber nicht noch einmal.

Honfleur


Wir spazierten am Sandstrand von Honfleur entlang, schlenderten ein wenig durch die Stadt und landeten schließlich im Erik-Satie-Museum. Im Geburtshaus des Musikers wurde ein wirklich verrücktes kleines Museum zu seinen Ehren eingerichtet, das uns sehr viel Spaß gemacht hat




So einen schönen Sandstrand wie in Honfleur hätte man auch gerne in Etretat.


Wer hätte das gedacht: Im Hintergrund die Mündung der Seine in den Ärmelkanal und die neuen Docks von Le Havre (Anklicken zum Vergrößern!)

Wanderungen


Natürlich nutzten wir die Tage auch für die eine oder andere Wanderung. Gleich am zweiten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Fecamp und wanderten oberhalb der Steilküste auf dem nationalen Wanderweg GR 21 zurück nach Étretat. An anderen Tagen, wenn es zu kühl für ein Bad im Meer war, machten wir Rundwanderungen, z.B. von Vatteport nach Yport und im großen Bogen zurück (s.o.) oder besuchten den Leuchtturm am Cap d’Antifer.  
Um ehrlich zu sein: Ein spannendes Wandergebiet ist die Küste nicht gerade. Dafür gibt es doch zu wenig Abwechslung.


Als es einmal heftig regnete, sind wir nach Fécamp gefahren, um das Musée des Pêcheries zu besuchen.  

Dort erhielten wir einen interessanten Einblick in die Fischerei und das Leben der Fischer von Fécamp. Wussten Sie, dass die Fischer von Fécamp bis Anfang der 70er Jahre vor der Küste Neufundlands Kabeljau fischten und dafür wochenlang unterwegs waren? Oder dass so mancher Fischer in der heimischen Küche kleine Briefe im Geschirr versteckte, um seiner Frau die Zeit der Trennung zu erleichtern? Das Museum bietet einen faszinierenden Einblick in diese Welt und ist ein Muss in der östlichen Normandie.
Mehr zum Museum auch hier: Klick

Ende der Saison: Leere Straße, leerer  Strand am Abend

Anfang September leerten sich die Gassen von Étretat zusehends, die ersten Restaurants schlossen, und Madame meinte, jetzt kämen nur noch deutsche und französische Großeltern mit ihren Enkeln, denn die Schulen seien noch geschlossen, aber der Urlaub der Eltern vorbei.
Ein gewisses Urlaubsgefühl des Monsieur Hulot macht sich breit:



✲


Am letzten Tag in Étretat regnet es. Wie nett.

Mit Bip&Go und mit 130 km/h Höchstgeschwindigkeit auf der französischen Autobahn ging es dann entspannt zurück nach Hause.
Bis zum nächsten Mal. Gerne wieder!


Ein Nachtrag

In diversen Foren auf Facebook zum Thema Frankreich - Frankreichurlaub etc. wird immer wieder sinngemäß die Frage gestellt: "Kann man als Tourist in Frankreich ohne Französischkenntnisse überleben?"
Ja, man kann, selbst mit rudimentären Kenntnissen der wichtigsten Höflichkeitsfloskeln wie Bon Jour, Excusez-moi,..., Pardon, Je ne parle pas français und schließlich dem Nonplusultra: Pardon, Je ne parle pas français, parlez-vous anglais? Englisch wird fast überall verstanden und ein höfliches Bonjour, Pardon oder Merci öffnet fast immer alle Türen. Das ist unsere Erfahrung aus vielen Urlauben in Frankreich. Ich selbst habe noch eine ganz besondere Beziehung zur französischen Sprache, die ich vor einigen Jahren hier und dort vorgestellt habe. Viel Spaß damit!

Samstag, 14. Oktober 2023

Etretat #3: Ausflüge

Was wir nicht besucht haben: Orte des D-Day! 

Nicht wenige Besucher der Normandie, vor allem aus den USA und Großbritannien, interessieren sich vor allem für die Orte, die im Zweiten Weltkrieg Geschichte geschrieben haben. Dazu gehören die westliche Normandie und die Halbinsel Cotentin, Schauplatz der Invasion im Juni 1944 (“D-Day”).



Wir waren nicht dort. Alte Panzer, Geschütze und Soldatenpuppen in sauberen Uniformen interessieren uns nicht. Im Übrigen gibt es in der Region genügend eindrucksvolle Beispiele deutscher Architektur der vierziger Jahre, siehe Foto.

Erlebnis Le Havre: die Stadt -  die Kirche - HLM

Der Tag beginnt ruhig - wir fahren mit dem Bus nach Le Havre - für sage und schreibe 2€ pro Person.
Ich habe mir von ChatGtp einen Bericht über die städtebauliche Besonderheit von Le Havre schreiben lassen, der mich aber nicht überzeugt hat (wer will, kann ihn hier nachlesen). 


Bei Hilke Maunder heißt es: 
Von Auguste Perret wieder aufgebaut als Ikone einer lebenswerten Stadt, modern, funktionell, hell und licht: Le Havre hat im Laufe seiner Geschichte viel erlebt.
Grund genug für einen Besuch.

Als ich meinem Sohn die ersten Fotos schicke, ist er eher irritiert:


  • Grässlich. Wo ist das denn???

  • 25. Aug., 20:00


  • Gibt’s den Begriff „Orwellian“ auch für Architektur?


Wie kam’s?

Le Havre wurde im Krieg als kriegswichtiger Hafen von der  deutschen Wehrmacht verteidigt und schließlich von der englischen Luftwaffe weitgehend zerstört.
Der alliierte Angriff begann am 5. September 1944. Nach schweren tagelangen Luftangriffen der Royal Air Force, zum Teil unterstützt durch Schiffsartillerie, wurde Le Havre am 12. September 1944 eingenommen. Die Stadt war insgesamt 132 Bombenangriffen ausgesetzt worden, wobei der massivste vom RAF Bomber Command am 5. und 6. September 1944 geflogen wurde. Dieser kostete 5000 Menschen das Leben, zerstörte 12.500 Gebäude und machte 31.000 Einwohner obdachlos. Die Stadt wurde zu etwa 80 % zerstört.


Sofort nach Kriegsende wurde mit dem Wiederaufbau der Stadt begonnen. Wenn man es genau nimmt, wurde eine völlig neue Stadt geplant. Einen anschaulichen und informativen Fernsehbericht dazu findet man in der Mediathek der ARD:
Le Havre Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg, Frankreich, Folge 335 - SWR Fernsehen.

Madame (unsere Vermieterin) erzählt uns, dass die neuen Häuser hauptsächlich für den sozialen Wohnungsbau bestimmt waren, sogenannte HLMs (Habitation à loyer modéré).   
Das können wir kaum glauben, vor allem die Wohnungen direkt an der Küste sehen alles andere als “Sozialwohnungen" aus. Aber in anderen Teilen der Stadt, vor allem im Zentrum, scheint es zu stimmen: Im Erdgeschoss Geschäfte aller Art und in den oberen zwei bis vier Stockwerken jeweils Wohnungen. Eine Stadt, so schien es mir, die noch nicht von der Gentrifizierung erfasst wurde. Aber mein Einblick war zu oberflächlich, weil zu kurz, um das wirklich beurteilen zu können.

Die großen Straßen im Zentrum sind alle aufs Meer bzw. auf den Hafen ausgerichtet und machen die Stadt licht- und luftdurchlässig. Eine angenehme Entspanntheit ist zu spüren.
Wir sind dann auch ein zweites Mal hingefahren, um mehr von der Kultur der Stadt mitzubekommen. Dazu später mehr.


Sehenswertes



Sichtbares und unübersehbares Wahrzeichen der Stadt Le Havre ist die nach dem Krieg von Auguste Perret entworfene Kathedrale. 
Das Gebäude, das von außen und aus der Ferne wie ein New Yorker Wolkenkratzer der zwanziger Jahre aussieht, erschlägt den Besucher von innen mit der Wucht seines Sichtbetons, der im Französischen nicht ohne Grund béton brut/roher Beton genannt wird, und dessen Assoziation zu brutal nahe liegt.




Docks Vauban

In der Nähe des Bahnhofs SNCF befinden sich Lagerhäuser des alten Hafens, die heute einem neuen Zweck dienen.
Hilke Maunder schreibt: 
Das Besondere am Bau: Der Architekt, 2005 mit dem Grand Prix de l’urbanisme ausgezeichnet, erhob das historische Bauerbe zum prägenden Stilelement und kontrastierte es spannungsreich mit der Moderne – poppigen Glasmosaiken am südlichen Entrée, weiß leuchtenden Sitzkuben und lyrischen Wandbildern. Er schuf so eine maritime Poesie, mythisch, verspielt, phantastisch.



Stimmt alles: Aber dennoch waren wir enttäuscht, denn das Warenangebot umfasst genau jene Ketten, die man überall in Frankreichs Städten findet und die wir auch in Deutschland “kennen und lieben gelernt haben”. Zum Beispiel LIDL. (BILD zum Vergrößern anklicken!) 

Offizielle Website: Klick

Kurioses

Im Hafen von Le Havre gibt es Haie! 

(We genau hinsieht - auf das Bild klicken -  sieht zwei Exemplare!) 

Aber weder Nilgänse noch Kanadagänse gehen den Besuchern auf die Nerven. Welch ein Glück. 


Bei diesem ersten Besuch haben wir uns einfach treiben lassen. Vom Bahnhof und den Docks zum alten Hafen und zum Strand. Wir sahen den riesigen Containerschiffen beim Auslaufen zu, beobachteten die Möwen und ließen uns immer wieder von der Kulisse der Stadt beeindrucken. 
(Die Möwenkinder haben nach unserer Beobachtung Rabenmütter bzw. Rabenväter. Sie laufen dem Elternteil piepsend hinterher, werden aber immer schnöde abgewiesen.)
 
✲

Vom Strand gings durch die hellen Straßen der Stadt in ein Café und schließlich zurück zum Bahnhof, von wo uns der Bus wieder nach Étretat brachte. 
Wir waren uns einig: Wir kommen wieder!