Frankreich 2015

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Pyrenäen Canigou-Massiv

Samstag, 14. Oktober 2023

Etretat #3: Ausflüge

Was wir nicht besucht haben: Orte des D-Day! 

Nicht wenige Besucher der Normandie, vor allem aus den USA und Großbritannien, interessieren sich vor allem für die Orte, die im Zweiten Weltkrieg Geschichte geschrieben haben. Dazu gehören die westliche Normandie und die Halbinsel Cotentin, Schauplatz der Invasion im Juni 1944 (“D-Day”).



Wir waren nicht dort. Alte Panzer, Geschütze und Soldatenpuppen in sauberen Uniformen interessieren uns nicht. Im Übrigen gibt es in der Region genügend eindrucksvolle Beispiele deutscher Architektur der vierziger Jahre, siehe Foto.

Erlebnis Le Havre: die Stadt -  die Kirche - HLM

Der Tag beginnt ruhig - wir fahren mit dem Bus nach Le Havre - für sage und schreibe 2€ pro Person.
Ich habe mir von ChatGtp einen Bericht über die städtebauliche Besonderheit von Le Havre schreiben lassen, der mich aber nicht überzeugt hat (wer will, kann ihn hier nachlesen). 


Bei Hilke Maunder heißt es: 
Von Auguste Perret wieder aufgebaut als Ikone einer lebenswerten Stadt, modern, funktionell, hell und licht: Le Havre hat im Laufe seiner Geschichte viel erlebt.
Grund genug für einen Besuch.

Als ich meinem Sohn die ersten Fotos schicke, ist er eher irritiert:


  • Grässlich. Wo ist das denn???

  • 25. Aug., 20:00


  • Gibt’s den Begriff „Orwellian“ auch für Architektur?


Wie kam’s?

Le Havre wurde im Krieg als kriegswichtiger Hafen von der  deutschen Wehrmacht verteidigt und schließlich von der englischen Luftwaffe weitgehend zerstört.
Der alliierte Angriff begann am 5. September 1944. Nach schweren tagelangen Luftangriffen der Royal Air Force, zum Teil unterstützt durch Schiffsartillerie, wurde Le Havre am 12. September 1944 eingenommen. Die Stadt war insgesamt 132 Bombenangriffen ausgesetzt worden, wobei der massivste vom RAF Bomber Command am 5. und 6. September 1944 geflogen wurde. Dieser kostete 5000 Menschen das Leben, zerstörte 12.500 Gebäude und machte 31.000 Einwohner obdachlos. Die Stadt wurde zu etwa 80 % zerstört.


Sofort nach Kriegsende wurde mit dem Wiederaufbau der Stadt begonnen. Wenn man es genau nimmt, wurde eine völlig neue Stadt geplant. Einen anschaulichen und informativen Fernsehbericht dazu findet man in der Mediathek der ARD:
Le Havre Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg, Frankreich, Folge 335 - SWR Fernsehen.

Madame (unsere Vermieterin) erzählt uns, dass die neuen Häuser hauptsächlich für den sozialen Wohnungsbau bestimmt waren, sogenannte HLMs (Habitation à loyer modéré).   
Das können wir kaum glauben, vor allem die Wohnungen direkt an der Küste sehen alles andere als “Sozialwohnungen" aus. Aber in anderen Teilen der Stadt, vor allem im Zentrum, scheint es zu stimmen: Im Erdgeschoss Geschäfte aller Art und in den oberen zwei bis vier Stockwerken jeweils Wohnungen. Eine Stadt, so schien es mir, die noch nicht von der Gentrifizierung erfasst wurde. Aber mein Einblick war zu oberflächlich, weil zu kurz, um das wirklich beurteilen zu können.

Die großen Straßen im Zentrum sind alle aufs Meer bzw. auf den Hafen ausgerichtet und machen die Stadt licht- und luftdurchlässig. Eine angenehme Entspanntheit ist zu spüren.
Wir sind dann auch ein zweites Mal hingefahren, um mehr von der Kultur der Stadt mitzubekommen. Dazu später mehr.


Sehenswertes



Sichtbares und unübersehbares Wahrzeichen der Stadt Le Havre ist die nach dem Krieg von Auguste Perret entworfene Kathedrale. 
Das Gebäude, das von außen und aus der Ferne wie ein New Yorker Wolkenkratzer der zwanziger Jahre aussieht, erschlägt den Besucher von innen mit der Wucht seines Sichtbetons, der im Französischen nicht ohne Grund béton brut/roher Beton genannt wird, und dessen Assoziation zu brutal nahe liegt.




Docks Vauban

In der Nähe des Bahnhofs SNCF befinden sich Lagerhäuser des alten Hafens, die heute einem neuen Zweck dienen.
Hilke Maunder schreibt: 
Das Besondere am Bau: Der Architekt, 2005 mit dem Grand Prix de l’urbanisme ausgezeichnet, erhob das historische Bauerbe zum prägenden Stilelement und kontrastierte es spannungsreich mit der Moderne – poppigen Glasmosaiken am südlichen Entrée, weiß leuchtenden Sitzkuben und lyrischen Wandbildern. Er schuf so eine maritime Poesie, mythisch, verspielt, phantastisch.



Stimmt alles: Aber dennoch waren wir enttäuscht, denn das Warenangebot umfasst genau jene Ketten, die man überall in Frankreichs Städten findet und die wir auch in Deutschland “kennen und lieben gelernt haben”. Zum Beispiel LIDL. (BILD zum Vergrößern anklicken!) 

Offizielle Website: Klick

Kurioses

Im Hafen von Le Havre gibt es Haie! 

(We genau hinsieht - auf das Bild klicken -  sieht zwei Exemplare!) 

Aber weder Nilgänse noch Kanadagänse gehen den Besuchern auf die Nerven. Welch ein Glück. 


Bei diesem ersten Besuch haben wir uns einfach treiben lassen. Vom Bahnhof und den Docks zum alten Hafen und zum Strand. Wir sahen den riesigen Containerschiffen beim Auslaufen zu, beobachteten die Möwen und ließen uns immer wieder von der Kulisse der Stadt beeindrucken. 
(Die Möwenkinder haben nach unserer Beobachtung Rabenmütter bzw. Rabenväter. Sie laufen dem Elternteil piepsend hinterher, werden aber immer schnöde abgewiesen.)
 
✲

Vom Strand gings durch die hellen Straßen der Stadt in ein Café und schließlich zurück zum Bahnhof, von wo uns der Bus wieder nach Étretat brachte. 
Wir waren uns einig: Wir kommen wieder!