Frankreich 2015

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Pyrenäen Canigou-Massiv

Sonntag, 24. September 2023

2023 Étretat #2: Alltag, Routinen und Kultur

Wir waren uns lange unschlüssig, wohin die Reise in diesem Jahr gehen sollte. “Hauptsache ans Meer” war die Devise. Irgendwann im späten Frühjahr fand Sabine dann ein Angebot in der Normandie. Eigentlich wollten wir noch weiter westlich in die Bretagne, aber dort waren die Ferienwohnungen für die Zeit Ende August immer noch extrem teuer. Nur in der Normandie fand Sabine ein annehmbares Angebot bei Fewo-direkt.de. (Die Wohnung findet sich aber auch bei anderen Anbietern.) Der E-Mail-Kontakt mit den Vermietern war auch gleich sehr angenehm, so dass wir gut gelaunt in den Urlaub fuhren. 


Die Normandie kennen wir von mehreren Aufenthalten in Dieppe, die wir immer sehr genossen haben. Auch wenn das Wetter nicht zum Baden einlud, gab es immer interessante Ausflugsziele, die mit dem Auto gut zu erreichen waren. Die Normandie ist eine sehr alte Kulturlandschaft.

Wo wir wohnten


Dieses Jahr sollte es also Étretat sein, ein beliebtes Reiseziel an der Kanalküste, wie bereits im ersten Teil beschrieben. Die Wohnung befindet sich im Dachgeschoss eines älteren, mehrstöckigen Gebäudes aus dem Jahr 1860, das im letzten Jahrhundert auch als Hotel diente und in dem damals berühmte Tennisstars wie René Lacoste wohnten. Die Lage ist zentral, aber nicht direkt im Zentrum. Der nächste Bäcker für frische Croissants war 5 Minuten zu Fuß entfernt (es gibt mindestens drei akzeptable Boulangerien vor Ort!).
Wir haben uns sehr wohl gefühlt.

Gemütliches Wohnzimmer, kleine Küche und kleines Bad

Alltag in Étretat: Einkaufen, Essen, Reisen

Die Preise für Lebensmittel sind in Étretat (in Frankreich?) durchweg höher als in Deutschland.  Nur bei den Croissants ist Frankreich unübertroffen. Für 1,15 € bekommt man wunderbar duftende, buttrige Teilchen, wie man sie in Deutschland nur sehr selten findet. Sie werden direkt in der Backstube hinter dem Laden hergestellt und frisch in die Auslage gelegt.

Die Cafés und Restaurants verlangten zum Teil saftige Preise. So habe ich für einen halben Liter Bier in einem Straßencafé schon mal 8€ bezahlt. Überhaupt war der Besuch eines Restaurants, einer Crêperie in Étretatnicht einfach. Manchmal ist es nicht möglich zu reservieren, man muss einfach vor der Tür warten, bis Plätze frei werden und das noch bevor das Restaurant um 19 Uhr öffnet. Der Andrang ist regelmäßig sehr groß und es gilt das Windhundprinzip. Manchmal ist es an einem Tag geöffnet und am nächsten ohne Angabe von Gründen geschlossen. Der Grund ist vermutlich Personalmangel. Ein Problem, das man auch aus Deutschland kennt. 
Das Essen ist aber meist sehr ordentlich, vor allem in den Crêperien. Für Vegetarier (oder gar Veganer) ist die Auswahl ansonsten sehr begrenzt, denn besonders beliebt und zahlreich sind natürlich Restaurants mit einer großen Auswahl an Fisch, Muscheln und Krustentieren.

Auffällig ist: Überall, in Geschäften, Restaurants, Cafés, Tankstellen und Museen wird mit der Bankkarte (unserer bekannten “EC-Karte”) bezahlt! Im Supermarkt gibt es den Kassenzettel oft nur auf ausdrücklichen Wunsch. Wenn jemand an der Kasse bar bezahlt, kann man sicher sein, dass es sich um einen deutschen Touristen handelt.
Was jeden Supermarkt auszeichnet, selbst im kleinen Étretat: Man bekommt hier Produkte, die man in Deutschland selbst in Spezialitätengeschäften nur selten sieht, zum Beispiel meinen Lieblingskäse in der Version "Au Lait Cru":


Zum Schluss noch eine große, sehr angenehme Überraschung. Alle Busfahrten in der Region kosten nur 2 € pro Fahrt und Fahrgast, manchmal sogar nur 1,55 €. Selbst für die 50 km von Étretat nach Le Havre zahlte jeder von uns nur 2 € für die einfache Fahrt.

Wir nutzten dieses Angebot und unternahmen mehrere Busfahrten.

Aktivitäten

Das Wetter ist in der Normandie immer so lala, wie selbst die Normannen und Norfrauen finden:



Es finden sich aber immer Tage, an denen man im Meer schwimmen kann und es gibt viele Buchten, in denen man ein ruhiges Plätzchen findet. 

An zwei Tagen sind wir zu einem etwas weiter entfernten Strand gelaufen, haben uns in die Sonne gelegt und das Meer genossen.
(Für mich gab's kosten- aber nicht folgenlos einen Sonnenbrand dazu.)

(Wie man sieht: Der Strand ist steinig, eine isolierende Decke ist empfohlen!)

An den Nicht-Badetagen bietet die Region viele Möglichkeiten für Besucher. Anregungen findet man (natürlich, wo sonst?) auf den Seiten von Hilke Maunder, z.B. Alabasterküste.




Wir haben die Gelegenheit genutzt und sind viel an der Küste entlang gewandert und abends haben wir den Tag immer mit einem Spaziergang am Wasser beendet.




(Fortsetzung folgt: Le Havre u.a.)


Donnerstag, 14. September 2023

2023 Étretat #1



Wie bitte, Étretat in der Normandie?  Ausgerechnet Étretat? Das kann doch nicht wahr sein. Die verstörenden Schlagzeilen gingen doch erst vor kurzem durch die Presse! 

Touristen überrennen französisches Dorf Étretat
Étretat in der Normandie wurde dieses Jahr in die Fodor's No List aufgenommen. Darin listet der amerikanische Reiseführer Orte auf, die Touristinnen und Touristen besser nicht mehr besuchen sollten. Der enorme Andrang von Reisenden bringt die berühmte französische Steilküste in Gefahr und verstärkt ihre Erosion. Die Stadt und das Département suchen nach Wegen, Tourismus nachhaltiger zu gestalten.

Das Städtchen hat ein Problem


Étretat ist mit 1.200 Einwohnern ein eher kleiner Ort an der französischen Kanalküste. In der Saison kommen täglich Tausende von Besuchern und auch außerhalb der Saison Hunderte von Franzosen, vor allem aus dem nahen Rouen und dem nicht weit entfernten Paris.
Das können wir bestätigen. Auch wir waren Ende August dort.
Tagsüber war in Étretat eigentlich immer viel los: Tagestouristen und Camper aus aller Herren Länder, vor allem aus Spanien, Italien und Holland, zogen schon morgens ab 10 Uhr in langen Kolonnen vom nahen Busparkplatz und anderen Parkplätzen im Südwesten in die Stadt. Und immer wieder versuchten optimistische Wohnmobilfahrer in den engen Gassen den Weg zum kleinen Strandparkplatz zu finden.
Ganz neu ist das allerdings nicht. Mehr dazu weiter unten.

Ein Blick zurück


Claude Monet, 1883

Viel gemalt von Monet (s.o.), Courbet  und anderen Impressionisten, wurde Étretat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem der angesagtesten Badeorte. Prachtvolle Villen entstanden, bewohnt u.a. von Maupassant, Jacques Offenbach und anderen Prominenten der französischen Gesellschaft, sprich: der Pariser Geistes- und Finanzwelt.
Heute ist Étretat neben dem Pariser Eiffelturm der wohl meistfotografierte Ort Frankreichs, was vor allem an den beiden imposanten Felsen links und rechts des Kiesstrandes liegt. L’Aiguille vor der Porte d’Aval und kaum weniger besucht, bestaunt und fotografiert: die Falaise d’Amont. Vor allem »Sonnenuntergang mit Felsen« war schon damals ein beliebtes Motiv (siehe oben).
Auch bei uns:


Wo kommen die Touristen her? 


Die am häufigsten gehörten Fremdsprachen während unseres Aufenthaltes im August waren Italienisch und Spanisch. Wir hatten mit allem gerechnet, aber nicht damit.
Am zweiten Abend hatten wir ein längeres Gespräch auf Englisch mit der Vermieterin der Ferienwohnung (Mutter Engländerin aus Kent, Vater aus Étretat). Sie bestätigte den Verdacht meines Sohnes, dass der starke Zustrom von Italienern, Spaniern und sogar Japanern im August ein Effekt der Arsène-Lupin-Serie auf Netflix sei! Im Juni und Juli kämen Deutsche und Holländer, im August Franzosen und Liebhaber der Netflix-Serie auf den Spuren von Arsène Lupin. 


Das ehemalige Haus des Autors der Arsene-Lupin-Romane, Maurice Leblanc, wurde zu einem Museum ausgebaut, in dem man mit Audioguide auf den Spuren des Autors wandeln kann.

Maison Maurice Leblanc

Von Gordito1869 - Eigenes Werk, CC BY 3.0, 

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15216205



Doch wie kam es zu den Protesten gegen den Touristenansturm? Lesen Sie, was Madame meint:

Klassenkampf in Étretat 


Madame kommentierte die Zeitungsartikel über die (angeblich unzumutbare) Belastung Étretats durch die Touristen folgendermaßen: Es seien die neuen Besitzer aus Paris und Rouen, die neue Bourgeoisie, die sich hier eingekauft hätten, um von zu Hause aus zu arbeiten oder die Sommersaison zu verbringen (wie im 19. Jahrhundert!). Sie lancierten solche Berichte. Die einheimische Bourgeoisie (Geschäftsinhaber wie Bäckereien, Cafés und Restaurants) hingegen ist auf den Tourismus angewiesen und die Geschäfte liefen in den letzten Jahren sehr schlecht, teilweise mit hohen Umsatzeinbußen. Die Saison dauert nur zwei bis drei Monate, in dieser Zeit muss das Geld für den Rest des Jahres verdient werden. Mit der Fischerei lässt sich in Étretat (und anderswo) kein Geld mehr verdienen.

Die soziale Spaltung des Ortes in Einheimische einerseits und wohlhabende Dauergäste - vor allem aus Paris und Rouen - mit eigenen Häusern und Villen im Ort andererseits reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.
Madame erzählt von Familien in Étretat, deren Frauen und Töchter über Generationen hinweg während der Saison für immer dieselben reichen Bürgerfamilien arbeiteten. Die Männer waren Fischer, die Frauen waren Dienstmädchen.


Der Strand war durch das Kasino streng getrennt. Im Westen arbeiteten die Fischer, im Osten, getrennt durch den Strand und einen Bach, wuschen die Frauen die Wäsche der wohlhabenden Pariser. Verständigung war nur durch Zuruf möglich, ein Überqueren der Grenze, quer über den Strandbetrieb am Casino, war für die Einheimischen nicht erwünscht.

Das ist heute undenkbar. Aber die soziale Spaltung ist in neuer Form wieder da.

Jacques Offenbach



Unsere kleine Ferienwohnung liegt in der Rue (Jacques) Offenbach. Offenbach hatte nämlich seit 1858 ein Haus in Étretat, die »Villa Orphée«, und verbrachte viele Jahre die Sommermonate dort. Berühmt wurde er für seine rauschenden Feste mit Freunden wie Georges Bizet, Ludovic Halévy und Gustave Doré.  

Beim Bayerischen Rundfunk gibt es einen schönen Beitrag über den Komponisten und seinem Aufenthalt in Étretat.
DAS LEBEN DES JACQUES OFFENBACH (2)
ORPHEUSVILLA AM HÜGEL
Nicht nur seine Freunde dienten ihm als Testmaterial für seine Werke, auch die Bevölkerung im Ort wurde immer wieder zu Proben eingeladen und im Haus bewirtet. Ob die Begeisterung für Musik oder die den Besuchern kostenlos gereichten Brioches und die heiße Schokolade den Ausschlag für einen Besuch bei Offenbach gaben, bleibt allerdings ungeklärt.
Auf jeden Fall gilt noch heute: Jacques Offenbach gehört zu 
Étretat.

Das Haus von Jacques Offenbach, noch 2014 im Zustand des Verfalls, ist wieder zugänglich:


Leider haben wir es versäumt, einen Blick darauf zu werfen.

Deutsch-Französische Geschichte(n)



Auch über den Zweiten Weltkrieg wusste Madame Interessantes zu berichten: Nach dem Waffenstillstand 1940 bestand die deutsche Besatzung hauptsächlich aus älteren Offizieren und Mannschaften, die in der Etappe wenig auffielen und sich ruhig verhielten. Für die Stadt war das durchaus von Vorteil, auch wenn die Lebensmittelversorgung mit den Jahren immer schwieriger wurde. Selbst der Abzug der deutschen Besatzer im September 1944 wurde bürokratisch ordnungsgemäß abgewickelt. Der deutsche Stadtkommandant gab alle Schlüssel der vorübergehend beschlagnahmten Häuser und Villen im Rathaus ab. (Meine unbestätigte Vermutung: gegen Quittung.) Und kurz nach dem Abzug war der Vorkriegsbürgermeister sofort wieder im Amt - er hatte die Besatzungsjahre im Untergrund verbracht. Madame vermutet, in 
Étretat.


Madame erwähnt aber auch, dass die Nazis systematisch die Kunstschätze des Ortes plünderten. In manchen beschlagnahmten Häusern hingen Bilder der Impressionisten, die zu ihrer Entstehungszeit für wenig Geld an Einheimische gingen und dann unter der Besatzung gesucht und geraubt wurden. Sie konnte jedoch nicht sagen, was nach dem Krieg mit ihnen geschah.

Aus der Zeit der Besetzung sind auch einige unübersehbare Exemplare »deutscher Bauhaus-Architektur« übrig geblieben. -:)


Größere Probleme gab es nach dem Krieg, als Étretat zum »Zwischenlager« für englische, amerikanische und kanadische Soldaten wurde, die über Le Havre nach Hause zurückgeschickt wurden. Zeitweise, so Madame, waren Tausende alliierter Soldaten in Zelten am Stadtrand untergebracht und warteten auf ihre Heimkehr.


Da die Soldaten buchstäblich alles leer kauften, war die Versorgung des Ortes selbst nicht mehr gewährleistet und es herrschte große Not. Leerstehende Bürgerhäuser wurden geplündert und teilweise bis auf die Mauern zerstört, weil es in den Zeltlagern an Heizmaterial fehlte. 

Davon ist heute, fast 80 Jahre später, natürlich nichts mehr zu sehen.
Étretat ist heute ein ganz normales, attraktives  normannisches Dorf mit vielen Touristen in der Saison und eher wenigen in den übrigen Monaten.

Étretat, 1. September 2023, 19:00 Uhr

Eine Seite zu weiterführenden Infos über Étretat und die Normandie, speziell zur Alabasterküste, ist schon fertig und kann hier gelesen werden: Klick



Montag, 7. November 2022

Herbsturlaub im November



Herbstferien - in Baden-Württemberg immer Ende Oktober oder, wie dieses Jahr, gar Anfang November.
Wir machen dennoch einen kurzen Wanderurlaub - jedes Jahr um diese Zeit. "Stützpunkt'' ist immer das “Hotel Peterle” in Altglashütten-Falkau. Unser Programm ist sehr schlicht: Tagsüber wandern, abends feines Abendessen mit teuren Wein. Am ersten Tag machen wir gleich nach der Ankunft einen längeren Spaziergang zum Windgfällweiher und von dort am Schluchsee entlang nach Schluchsee-Ort. Zurück geht es mit der Dreiseenbahn, die wir mit der Schwarzwald-Gästekarte kostenlos nutzen können.
Soweit Routine.In diesem Jahr wandern wir etwas weiter entfernt vom Peterle. Die Anreise erfolgt jeweils mit dem Auto.

1. Tour

Bei schönem Wetter geht es von St. Märgen nach St.Peter und über den Panoramaweg an den nördlichen Hängen des Tals zurück nach St.Märgen.

St. Peter – St. Märgen – St. Peter  Rundwanderung
Die Tour bietet wunderschöne Ausblicke in die Täler ringsherum, auf das entfernte Feldbergmassiv und auf den Schauinsland.


Zum Wanderziel eine Anmerkung.
Jeder Nachkriegsdeutsche kennt den Ort St. Peter mit seiner barocken Klosterkirche aus dem Film “Schwarzwaldmädel” - dem ersten deutschen Farbfilm nach dem Krieg. Ein großer Erfolg damals. Die Titelmelodie sang mir manchmal meine Mutter vor. Schon immer wollte ich diesen Ort meiner Kindheitserinnerung besuchen.
Mehr Info zum “Schwarzwaldmädel” gibt es hier:
Sehenswert ist auch der Filmtrailer: Schwarzwaldmädel

Die zweite Wanderung -

ebenfalls mit wunderschönen Blicken auf “Täler weit und Höhen”  - führte uns von Breitnau über die Fahrensberger Höhe zum Naturfreundehaus Breitnau und schließlich wieder zurück zum Startpunkt. 
Vogesen, Kaiserstuhl und Schwarzwald im Blick.

Tour Runde von Breitnau. Feldbergblick – Blick zum Kandel mit St. Peter Runde von Breitnau

An schauriger Stelle vorbei führte uns der Weg auf die Weißtannenhöhe.

Der 4. Tag
brachte Regen. Wir nutzten die Gelegenheit zu einem Ausflug nach Riehen bei Basel und nach Weil am Rhein.
In Riehen besuchten wir die Fondation Beyeler. Sie überraschte uns mit einer Präsentation von Skulpturen des amerikanischen Künstlers Duane Hanson.   Vor Jahren sahen wir Werke des Autors im Museum Frieder Burda in Baden-Baden  

Die Figuren von Duane Hanson finden immer viel Aufmerksamkeit bei den Besuchern!



(Hansons Figur: Links)


Im Vitra Design Museum in Weil am Rhein gab es eine Ausstellung zum Thema Hello, Robot. - Design zwischen Mensch und Maschine 
zu besichtigen. Wir taten das.

(Finde Sabine!)

Die Fondation Beyeler und das Vitra Museum sind zwei Ziele, die wir in den letzten Jahren regelmäßig besucht haben.

≪∾≫

Während der schönen Herbsttage im Schwarzwald sind uns viele Tiere auf unseren Wegen begegnet.
Merkwürdig geschmückte Rinder:


Neugierige Ziegen:

Einmal wurde mir sogar ein Vogel gezeigt. Am letzten Tag in einer als Einkaufszentrum getarnten Touristenfalle in Bärental.

Aber ohne die Abende im “Peterle” wäre der Urlaub nicht halb so schön. 


Danke, Peterle!

Sonntag, 21. August 2022

Wandern auf dem Wasserweltensteig: August 2022

Wohin soll es dieses Jahr im Urlaub gehen? 

Angesichts der unsicheren Pandemielage und einer drohenden Inflation mit steigenden Lebenshaltungskosten eine spannende Frage. Noch einmal richtig auf den Putz hauen, bevor die kälteren Tage anbrechen? Oder lieber auf kleiner Flamme kochen und in Deutschland bleiben? Viele entscheiden sich für einen Urlaub im Lande. Wir auch.   

Sabine wollte schon immer mal für einige Tage am Stück wandern, aber ohne Gepäck. So kam sie auf den Wasserweltensteig im Südostschwarzwald. Sechs Tagesetappen von Triberg nach Schaffhausen, das Gepäck wird immer in die neue Unterkunft nachgeliefert.


Der Veranstalter

Wir haben uns kurzfristig entschieden und wollten es bequem, deshalb haben wir die Tour bei einem Veranstalter gebucht: original Landreisen aus Freiburg.


Die Tour

Die einzelnen Etappen sind auf der Webseite vom Wasserweltensteig beschrieben. Ich habe sie hier mit den Überschriften jeweils verlinkt. Im Folgenden also unsere ganz privaten Eindrücke (plus Fotos).


Die Tour beginnt
an den Triberger Wasserfällen, die selbst bei wenig Wasser für Schwarzwald-Verhältnisse recht eindrucksvoll sind. Auf dem anfangs ansteigenden Weg zum Kolmenhof in der Nähe von Furtwangen kommt man noch am Blindensee, einem Hochmoor vorbei: 


Sie endet schließlich nach 12 km an der Donauquelle, genauer: der Quelle der Breg. Insgesamt waren ca. 400 Höhenmeter zu überwinden.


Die zweite Etappe ist mit 24 km deutlich länger. Sie führt recht unspektakulär an der Linach entlang und endet nach dem Passieren einer bemerkenswert konstruierten Talsperre am Bernreutehof, kurz vor Hammereisenbach. Gleich zu Beginn erreichten wir mit 1131m auf dem Brend den höchsten Punkt der Tour überhaupt. Von nun an gings bergab.




Die dritte Etappe führt uns vom Bernreutehof wieder zur Breg, der wir ein Stück folgen, um dann  durch einen lichten Wald, ohne nennenswerte Steigungen, nach 14km zum Kirnbergsee in Unterbränd zu gelangen. Von dort müssen wir mit dem Bus ins benachbarte Bräunlingen fahren, wo wir übernachten. 


"Wasserwelt" war an diesem Tag im Wesentlichen ein Trampelpfad durch ein Feuchtbiotop (in diesem Sommer trocken) hoch oben auf dem Berg, ein Stück die Linach entlang, ein Stückchen jungfräulicher Breg und der kleine Stausee mit Bademöglichkeit, Campingplatz etc. am Ende der Tour. 


Die vierte Etappe war im ersten Teil die schönste überhaupt. Auf schmalen Pfaden in der Gauchachschlucht ermöglicht sie trotz der Länge von 24 km eine angenehme und beeindruckende Wanderung. 


Sie führt bis zur Mündung in die Wutach, die sich aber im folgenden als ein recht langweiliges Flüsschen entpuppte. 
Immerhin konnten wir dort ein überraschendes Kunstprojekt der Natur finden.


Eigentlich endet die Wanderung in Achdorf, aber wir mussten hinauf nach Blumberg, wo unser Hotel war. Der Weg führte uns zu einem kleinen Wasserfall  (Schleifenbachklamm), der uns einiges abverlangte, um diese Art von "Wasserwelt" zu meistern. Unter anderem war auf kurzer Strecke mittels einer 8 Meter hohen Leiter und einem Zickzacksteig ein Höhenunterschied von ca. 200 m zu überwinden.

Die fünfte Etappe führt von Blumberg stramm hinauf auf den Buchberg, um den Buchberg herum und auf dem Höhenzug des Randen in die Schweiz, anfangs immer wieder mit Blick auf die Sauschwänzlebahn, die wir auch mehrfach kreuzen. 






Wasser haben wir eigentlich keines gesehen. Die Strecke war mit 20 km wieder recht lang, ging aber abwechslungsreich durch den Wald bis zum Alprestaurant Babental. Leider war zu diesem Termin kein Zimmer frei. Wir wurden vom Veranstalter der Tour mit dem Taxi abgeholt und nach Blumberg zurückgebracht. 

Die sechste und letzte Etappe führte über 14 km weiter auf dem Höhenzug des Randen nach Schaffhausen. An diesem Tag überquerten wir die unspektakuläre Grenze zur Schweiz.


Mit dem Taxi sollten wir aber zuerst zum Alprestaurant Babental gebracht werden (mehr dazu weiter unten im Text). 
Am “Siblinger Randenhaus” hatten wir dann einen wunderschönen Blick auf die Schweizer Alpen. 


Die letzte "Wasserwelt" war dann der Rheinfall, der sich gewissermaßen als Reinfall entpuppte. (Nicht die Wasserwelt, aber die Wasserweltbesucher; auch dazu mehr unten im Text).


Der Wasserweltensteig begann und endete also mit einem Wasserfall.

 Sechs Tage und 110km!

Aus unerfindlichen Gründen gab es am Wochenende vom 12. bis 14. August keine Unterkunft in der Schweiz. Deshalb zwei Übernachtungen in Blumberg und die letzte Übernachtung nicht in Schaffhausen, sondern in Bad Säckingen. Dort haben wir eine zusätzliche Nacht gebucht, um nicht an einem Sonntag mit Gepäck in überfüllten Regionalzügen nach Triberg zurückfahren zu müssen. Ich bin am Sonntag alleine mit der Bahn nach Triberg gefahren und habe unser Auto geholt. Die Fahrt mit der Bahn dauerte vier Stunden, von Bad Säckingen über Singen nach Triberg, Die Schwarzwaldbahn ist zur Zeit zwischen Hausach und Sankt Georgen unterbrochen (Reparatur der Schienen - zur Hochsaison!) und deshalb werden Busse zwischen den beiden Orten eingesetzt. 

Eindrücke und Beobachtungen

Hotels und sonstige Unterkünfte

Das schönste Hotel war definitiv der Kolmenhof an der Donauquelle, am Ende der ersten Etappe. Super Service, schöne Unterkunft mit Balkon, tolles Abendessen und Frühstück. Fast ebenso gut war das Hotel Lindenhof in Bräunlingen. Total abgefallen dagegen ist der Bernreutehof. Dort scheint die Zeit in den 60er Jahren stehen geblieben zu sein.

Das Hotel in Bad Säckingen (Ringhotel Goldener Knopf) hätte auch perfekt sein können, was Service, Lage und Ambiente angeht. Aber unser Zimmer war im Erdgeschoss und die Fenster öffneten zu einer Gasse, so dass man wenig Licht hatte und Samstag Nacht manchen Spätheimkehrer hören konnte.

Vier Städte bzw. Städtchen: Triberg, Bräunlingen, Blumberg, Schaffhausen, Bad Säckingen.
Schaffhausen an einem Sonntag ist eine mittlere Katastrophe. Absolut überlaufen von Besuchern, vorwiegend aus Indien und Spanien. In der Nähe des Wasserfalls versammeln sich Bausünden, auch Investorprojekte genannt, von beeindruckender Dominanz. 

In Triberg und Bad Säckingen, also in Hotspots, findet man im Ortszentrum leerstehende ehemalige Kaufhäuser und Hotels von einiger Trostlosigkeit, die von vergangener Größe zeugen. In Triberg hat man versucht, dem Ort einen modernen Charakter zu verleihen. Das ging gründlich schief.

Unser Ort soll schöner werden. Hat leider nicht geklappt: Triberg

Dagegen scheint in Kleinstädten wie Bräunlingen, die etwas abseits liegen, die Welt noch in Ordnung zu sein.
Bräunlingen Stadttor

Bad Säckingen an einem Sonntag wimmelt von Schweizern, die den günstigen Wechselkurs zu einem abendlichen Restaurantbesuch nutzen. Es war recht schwierig, noch irgendwo einen Platz zu bekommen - alles reserviert! Am Sonntag Abend dann nur halb so viel Gedränge.

Was Triberg angeht, die trostloseste Stadt auf unserem Weg, hat uns die erstaunlich hohe Zahl von spanischen Touristen überrascht. Völlig rätselhaft.
Auch ist die Hotellerie dort stark rückläufig, man trifft fast nur Tagestouristen.

Personalmangel
Generell auffällig war: Außer am Kolmenhof klagten alle über fehlende Servicekräfte. In Bad Säckingen konnte das Hotel das Restaurant nur mit eingeschränkten Reservierungen öffnen, weil es an Personal in der Küche mangelt. Im Bernreutehof musste die alte Besitzerin ran, Personal hat sie nur noch für die Zimmerpflege. In Blumberg konnte die Küche nur warmes Büffet am Abend anbieten, kein Menü a la Carte. Manche Hotels haben im Restaurant oft drei Ruhetage in der Woche. Nur Frühstück gibt es immer.

Hilfsmittel

Wir hatten ein ulkiges Erlebnis. Weil es am Ziel der 5. Etappe in der Schweiz keine Unterkunft gab mussten wir zweimal in Blumberg im Hotel Hirschen übernachten. Wie wurden vom ursprünglichen Ende der 5. Etappe, dem Alprestaurant Babental (bei Schleitheim) mit dem Taxi abgeholt und wieder nach Blumberg gebracht. Der Fahrer verfuhr sich prompt in der Schweiz, aber mit einigen kleinen Retouren kamen wir wohlbehalten im Hotel an. 
Am nächsten Morgen sollten wir wieder nach Babental gebracht werden, aber das Mercedes-Navi des Taxis führte den Fahrer absolut in die Irre und wir strandeten irgendwo im Wald, wo er nicht mehr weiter konnte. Mit meinem Komoot-Wander-Navi konnte ich ihm zeigen, wo wir sind und wie er zur nächsten befahrbaren Straße kommen kann. Er war sehr peinlich berührt ob des Missgeschicks, aber für uns war es kein Problem, weil wir quasi auf dem richtigen Weg zum Ziel Schaffhausen waren.
Ob der Fahrer, ein junger Russe, jemals wieder nach Blumberg gefunden hat, wissen wir allerdings nicht. 🤭😰


Obwohl wir auch ausgedruckte Karten der einzelnen Abschnitte hatten - sie stehen als PDF auf der Website von outdooractive.com zum Download bereit - haben wir auf den Etappen als Hilfsmittel fast ausschließlich die Daten von Komoot benutzt. Die gpx-Daten der einzelnen Abschnitte habe ich mir per Download auf mein Handy geladen und offline zugänglich gemacht. Ich brauchte unterwegs dann nur noch Zugang zum Satelliten und wusste so jederzeit, wo wir uns auf der Etappe befinden, ohne dass zusätzliche Datenkosten anfielen. Gerade in der Schweiz, wo die Roamingkosten hoch sind, ein unschätzbarer Vorteil.

Die einzelnen Etappen kann man in der Originalversion hier einsehen: Klick

Resümee: Eine gelungene Tour - mit einem Vorbehalt

Unser Resümee ist eindeutig: Auch wenn es durch die Trockenheit bedingt nicht all zu viele “Wasserwelten” zu sehen gab, ist der “Wasserweltensteig” für geübte Wanderer eine erholsame und abwechslungsreiche Tour, die uns in keiner Weise überforderte. Sie ist im Übrigen gut ausgeschildert, auch in der Schweiz, wenn auch nicht so penibel wie auf deutscher Seite*. Manche Strecken führen über breite Wirtschaftswege, was dann sehr langweilig ist. Aber es wird auch immer wieder davon weg und zu Aussichtspunkten geführt, so dass sich die Langweile in Grenzen hält. “Steig” im eigentlichen Wortsinn ist der Weg nur an sehr wenigen Stellen. Für einen Alpenwanderer sicher keine Herausforderung, für einen Küstenbewohner vielleicht eher.

Die Unterkünfte waren in der Regel hervorragend und die Tour durch den Veranstalter bestens organisiert. Wir hatten einen ausformulierten Reiseplan mit vielen Tipps zur Hand, uns fehlte nichts. Der Gepäcktransport und alles andere klappte. Nie gerieten wir in Stress.

Der Service des Veranstalters muss natürlich bezahlt werden. Und, wie man weiß, ist Service in Deutschland teuer. Sabine meinte: “Für den Preis hätten wir auch eine Woche Urlaub auf den Malediven machen können.” Aber ohne das gewisse Schwarzwaldfeeling, ergänze ich.

Eine Frage blieb unbeantwortet: Wir haben auf der ganzen Strecke immer wieder viele Heidelbeerstöcke links und rechts des Wegs gesehen. Aber keine einzige Frucht. Wo sind die Heidelbeeren geblieben? Meine Vermutung: Ursache ist die diesjährige Trockenheit. 


So, das war's. Danke für's Lesen. Vielleicht ist mein Beitrag eine Anregung für euch!


* In der FAZ vom 18.8.2022 ist ein informativer Artikel zum Thema "Wanderwege und Beschilderung" erschienen. Ihm entnehme ich, dass es vor allem ein engagierter Wanderer war, der in Deutschland hohe Standards zur Auszeichnung von Wanderwegen durchsetzte, der Physiker (!) Rainer Brämer aus Marburg.
Er entwickelte einen 45 Punkte umfassenden Kriterienkatalog, der akribisch definiert, wie hoch der Anteil befestigter Wege idealerweise sein soll (,,maxi mal 1200 Meter am Stück und nicht mehr als 15 Prozent der Gesamtstrecke"), wie die Landschaft (,,mindestens zwei Formationswechsel auf sechs Kilometern") und wie die Zeichen (,,Beruhigungsmarkierung spätestens alle 200 Meter").
Quelle: Thomas Klein: Von Premium-Trails und tristen Pfaden. FAZ vom 18.8.2022, S.31; leider (noch) nicht online.