Frankreich 2015

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Pyrenäen Canigou-Massiv

Dienstag, 19. April 2022

Wandern im Odenwald- eine kühle Überraschung

Nein, nicht das Wetter sorgte für eine kühle Überraschung, als Sabine und ich am Ostermontag eine Wanderung im Odenwald, genauer: rund ums Mossautal  unternehmen.


Auf halber Strecke, in Untermossau, legen wir am Rathaus eine Pause ein. Sitzbänke laden dazu ein. Ein Schild macht uns neugierig:


Tatsächlich findet sich direkt neben dem Schild, im Boden versenkt, eine Art Naturkühlschrank:


Bier war schon alle. Wir haben uns die letzte Flasche Apfelschorle geholt. Die 2 Euro wurden in die Kasse eingeworfen und danach hatten wir eine erholsame Pause am Rathaus Mossautal. Dankbar für die menschenfreundliche Voraussicht der Mossautaler Dorfverwaltung. 


Überhaupt war der Tag sehr schön, die Wanderung entspannend und das Mossautal angenehm unaufgeregt zu umwandern.


Im Foto oben ist die Dorfkirche von Ober-Mossau  zu erkennen. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert und war einst im Besitz der Johanniter. Am Ostermontag war sie offen und so konnten wir eintreten.
Wir waren überrascht und staunten:


Im Innenraum findet man sehr schöne Ausmalungen der vier Evangelisten, symbolhaft dargestellt als Löwe (Markus), Stier (Lukas), Adler (Johannes) und geflügeltem Mensch (Matthäus). Laut Wikipedia stammen diese Darstellungen an der Decke aus dem 15. Jahrhundert. Ein unerwarteter Schatz im Odenwald.

Anmerkung: Die Gemeinde Mossautal besteht aus fünf Ortsteilen: Güttersbach, Hiltersklingen, Hüttenthal, Ober - und Untermossau. Nur die letzten beiden liegen im Mossautal.

Mittwoch, 10. November 2021

August 2021 Urlaub in Burgund #3: Touren in Burgund

 Wandern im Burgund ist wie wandern auf einer einsamen Insel: Immer viel Landschaft und wenig Begegnungen, und vor allem -  keine Biber! 

Wir sind nahezu jeden Tag unterwegs. Nur am ersten und vorletzten Tag nicht. Einige Touren will ich hier vorstellen.

La France Profonde  

Mont-Saint Vincent

Unsere erste, sehr kurze Tour führt uns nach Mont Saint Vincent . Ein kleiner Ort, der von unserer Terrasse in Rains aus zu sehen ist, ca. 5 km Luftlinie entfernt.


Hoch oben auf dem Berg gleichen Namens gelegen treffen wir auf ein Dorf wie aus einem Film von Jaques Tati.  An den Häusern hängen Fotografien, die den Ort vor 100 Jahren zeigen und wir stellen fest: Es hat sich fast nichts verändert.


Vom Aussichtsturm haben wir einen Rundum-Blick auf das Land, der bis zu den Alpen reichen soll (ohne dass wir das beweisen konnten).


Das alte Dorf ist wie ausgestorben und die noch ältere Kirche aus dem 11. Jahrhundert thront schweigend über den Häusern. Da läutet eine Glocke, aber: kein Kirchturm ist zu sehen.


Eine Tour mit Überraschungen

Tour Rains - St Clément sur Guye - Joncy - Rains   


Eine leichte Rundtour, eigentlich nur ein längerer Spaziergang, um die nähere Umgebung kennen zu lernen, soll uns über St Clément-sur-Guye und Joncy wieder zurück nach Rains führen. 
Auf halber Strecke macht uns ein Hinweis neugierig:


Tatsächlich: Wir finden zwei recht beachtliche Menhire am Rande eines Feldes. 


Zu Hause gibt eine Website nähere Auskunft (Auszug):

Wie die anderen Megalithen, die in der Jungsteinzeit (um 3500 v. Chr.) errichtet wurden, befinden sich die beiden Menhire an einem Abbruch des Hangs, in der Nähe einer alten Straße, deren Verlauf von einer gallo-römischen Straße übernommen wurde (250 m südlich). Der erste Menhir, 4,90 m hoch, mit einem Volumen von 2 bis 2,5 m3 und einem Gewicht, das auf 5 oder 6 Tonnen geschätzt werden kann, steht in der Nähe einer Quelle. Es hat keine Gravuren.
Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)


(Man findet auch auf Google Maps die Menhire: Klick)

Am Château des Croisettes vorbei ging es dann nach Joncy und zurück nach Rains. Zum ersten und letzten Mal überraschte uns ein kleiner Regenguss, aber ohne weitere Folgen für uns.


Burgund- Zentrum der Christenheit

Tour von Taizé



Taize ist mit seiner Communauté de Taizé auch in Deutschland sehr bekannt als ökumenischer Treffpunkt junger Christen. Für uns ist der Ort Startpunkt für eine Rundwanderung, die uns auch zum Schloss von Comartin führen soll.



Eigentlich ist Taizé ein winziger Ort, der ganz durch die Einrichtungen der Communauté mit seinen Mensen, Schlaf-, Gebets und Veranstaltungshäusern geprägt ist. Und vor allem von den vielen Jugendlichen, die unseren Weg kreuzen. (Die wir aber nicht fotografiert haben.)

Auf dem Weg nach Norden Richtung Comartin genießen wir zum ersten Mal die Früchte des Landes. Nein, nicht die Reben, sondern die Brombeeren, die links und rechts des Weges wachsen und unseren Fußmarsch immer wieder angenehm unterbrechen.

Kurz vor Comartin kreuzen wir die Voie Verte, die Grüne Trasse, ein Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse von  Chalon-sur-Saône über Cluny nach Charnay-les-Mâcon.  Zum ersten Mal sind wir mit Radlern und Pedelecs auf einem gemeinsamen Stück des Weges unterwegs, aber ohne Kollisionen. Alle sind sehr entspannt und grüßen freundlich. Bon Jour!

In Comartin angekommen müssen wir leider feststellen, dass sich vor dem Eingang zum Schloss eine lange Schlange Wartender eingefunden hat und dass die Schlange sich nicht wesentlich verkürzt. Wir wandern also weiter, auf einem anderen, östlich gelegenen Weg zurück nach Taizé. 
Unterwegs machen wir Bekanntschaft mit der Tierwelt Burgunds. Seltsame Umarmung


Schön war’s!

Auf dem Weg der Mönche

Brancion MA2 Runde von La Chapelle-sous-Brancion



Eine einfache Wanderung soll es sein: 8 km von Brancion in Richtung Nordost und über Mancey zurück auf historischem Pilgerpfad. 


Der Trail, ein auf dem Bergkamm durch das Unterholz sich schlängelnder Pfad, ist manchmal kaum erkennbar, wären nicht im Abstand von ca. 30 m auffallende Steine gesetzt, die den alten Pilgerweg markieren. 


Urwaldartig verschlungen ist der Wald.


Am Startpunkt, einem Parkplatz bei Brancion wieder angekommen, machen wir einen Abstecher in den kleinen Ort und sind überrascht über die verzauberte Atmosphäre, die die alte Kirche und die hoch den Ort überragende Burg verströmen. Wie in einem Märchen der Brüder Grimm.


Aber so schön der pittoreske Ort auch ist. Bewohnt ist er vermutlich nur von Zweitwohnungsbesitzern und Feriengästen.

Im dunklen Burgund

Wanderung im Morvan



Wer im Burgund wandert sucht meistens das Morvan auf, ein Waldgebiet im Nordwesten der Region. Es ist abgelegen, über kurvenreiche Landstraßen erreichbar und dennoch stark besucht aus den Städten der weiteren Umgebung. Aber leider, leider. Die Anfahrt auf den schmalen (“schmalsten”) Landstraßen Frankreichs ist oft eine Qual. 

Wir sind trotzdem dorthin gefahren und haben es nicht bereut. Wir wandern durch einen lichten Wald, passieren kleinere Seen und schließen den Trip mit einem Cafébesuch ab. Es ist 15 Uhr und das Café ist leer, denn jetzt sind die französischen Ausflügler unterwegs. Sie haben eine lange Mittagspause hier  eingelegt und sind gestartet, kurz bevor wir wieder eintreffen.
Wir genießen die Ruhe im Garten des Cafés, sind gestärkt für die Rückfahrt über die verschlungenen Landstraßen nach Rains.


Mysteriöses

Rund um Cluny


Über Cluny habe ich bereits vor zwei Jahren berichtet: Klick. Diesmal machen wir eine Wanderung rund um Cluny, die uns auf die westlich gelegen Höhne vor der Stadt führt. Dort angekommen sehen wir auf einem gegenüberliegenden Hang eine merkwürdige Anlage . 


Zu Hause recherchiere ich und finde eine reichlich mysteriöse Geschichte zur Zerstörung und Rekonstruktion eines alten Schlosses aus dem 12. Jahrhundert - Château de Lourdon  


Etwas anderes ist mir noch aufgefallen. In Cluny hat die sonst allmächtige katholische Kirche schon früher mal gegen das geschäftstüchtige Bürgertum verloren, wie das Foto belegt:


Und noch etwas: In einem alternativen Bäckerladen gibt es Brot aus Mehl von heimischen Bauern. Wir haben einen Laib gekauft und zuhause mit sehr viel Ehrfurcht und noch mehr Genuss davon gegessen.  Der Preis für das Brot: 12€ das Kilo. Es war schon immer etwas teurer, ...

Städtetoren 

Chalon-sur-Saône, Beaune



Eine erste Städtetour führt uns nach Chalon-sur-Saône: Eine mittelgroße Stadt mit großer regionaler Bedeutung, interessanter Geschichte, die bis in die Römerzeit zurückreicht und einer historischen, aber lebendigen Innenstadt. Am Ufer der Saône haben wir gesessen und gegessen und im Stadtzentrum haben wir eine kleine Demo von Corona-Gegnern beobachtet. Dabei fiel uns auf, dass sich die französischen Covidioten nicht groß von den deutschen unterscheiden. Warum auch.


Natürlich besuchen wir auch Beaune. Wir machen einen Rundgang durch die alten Gassen und Straßen, sind auf den Festungsmauern und besuchen selbstverständlich das Hospiz.  



Auf dem Rückweg sind wir an Meursault vorbeigefahren. Wein kaufen wir nicht. Für uns Laientrinker ist er unbezahlbar.
 

Corona? 



Wie auch an allen anderen Orten in Frankreich, in Cafés, Restaurants, Museen, drinnen und draußen, muss man seine Corona-App vorzeigen. Sie wird mit einem Handy gecheckt und nach dem Pieps wird man eingelassen. Alles selbstverständlich und unkompliziert. Selbst die deutsche App mit dem QR-Code wird akzeptiert. Nie haben wir beobachten können, dass sich jemand geweigert hätte oder es einen Konflikt gab. Normalität halt.


Souvenirs 


In Frankreich kaufe ich mir immer ein Messer von Opinel, quasi als Souvenir. Natürlich aus Carbon-Stahl, kein Edelstahl.

Man sieht, die Messer sind sehr scharf und damit eine bleibende Erinnerung an die schöne Zeit im Burgund.


Feierabend


Abends sitzen wir auf der Terrasse. Wir trinken Wein, lesen, schauen über das wunderbar grüne Land in die untergehende Sonne. Die Rinder grüßen uns mit wedelndem Schwanz, die Mücken wünschen uns eine unruhige Nacht. Na, dann.

So wird es jeden Abend sein bis ans Ende der Tage in Burgund. Gerne wieder.

In My Life

There are places I'll remember
All my life though some have changed
Some forever, not for better
Some have gone and some remain

All these places have their moments
With lovers and friends I still can recall
Some are dead and some are living
In my life I've loved them all

John Lennon / Paul McCartney



Weiterführende Links / Tourismus

Wandern in Saône-et-Loire

Wandern in Burgund Zwischen Wallfahrt Und Naturerlebnis

Mâcon - Führer für Tourismus, Urlaub & Wochenenden in der Saône-et-Loire

Aktuelle Corona-Regeln in Frankreich

Freitag, 15. Oktober 2021

August 2021 Urlaub in Burgund #2: Wandern in modernen Zeiten

Wandern im Burgund ist wie wandern auf einer einsamen Insel: Immer viel Landschaft und wenig Begegnungen, und vor allem -  keine Biber! 

Warum Burgund?

Eigentlich wollten wir ans Meer, in die Bretagne. Aber die Corona-Situation war noch bis Juni unklar und als wir uns Ende Juni endlich entschieden, waren die meisten Ferienwohnungen schon belegt und die Preise für die noch freien kaum bezahlbar. Also sind wir ins Burgund gefahren, das war leicht erreichbar und wir hatten vor zwei Jahren dort zwei mal Station gemacht, als wir in den Pyrenäen waren.


Wir hatten Glück. Wir fanden nicht nur die schöne Unterkunft in Rains (links auf die Seite im Blog), sondern auch das Wetter spielte mit. Während es in Deutschland zwei Wochen lang regnete, hatten wir in Burgund zwei Wochen lang Sonnenschein bei 25 Grad. Ideal zum Wandern.

Wanderlust

Wir wandern viel in unserer Freizeit. Alle Urlaube sind Wanderurlaube. Mal in Frankreich, mal in Norditalien, sehr oft im Südschwarzwald und natürlich im Odenwald, unserer Heimat.

Die Orientierung im Gelände ist in Deutschland sehr einfach. Auch ohne Wanderkarte findet man sich überall zurecht, wenn man nur Start- und Zielpunkt kennt und die ein oder andere Sehenswürdigkeit links oder rechts des Weges.
Manchmal ist der Schilderwald kaum kleiner als in den Städten.


Auch auf regionalen Wanderkarten ist nahezu jeder Weg eingezeichnet und benannt.



Nicht so in Italien oder Frankreich!

Wandern in  Frankreich

Französische Wanderkarten führen fast ausschließlich die großen, überregionalen Strecken auf, allenfalls noch überregionale Radwege. Lokale Wege: Fehlanzeige!

Eingezeichnet ist keine einzige Strecke rund um Rains/Joncy, obwohl Wege erkennbar sind. Die markierten Wege habe ich selbst eingezeichnet nach Angaben aus dem Internet. Entsprechend bescheiden ist die Kartenlegende bestückt:


Vor Ort gibt es natürlich lokale Wanderwege. Man findet sie in der Regel auf Infotafeln an sehenswerten Orten. Eingezeichnet sind auch regionale Wege, Rundwege etc. Aber man muss wissen, wo man wandern will. 

Auch die Markierung der Strecke im Gelände ist selbst bei den überregionalen Wegen oft nur sporadisch. Im Zweifel gilt: immer der Nase nach, so lange nichts anderes angezeigt wird.


Wandern im Jahr 2021

Aber ist die Not auch groß, so ist doch Hilfe nah’.

Interessante Touren laden wir als gpx-Dateien auf das Handy. Sind wir dann unterwegs, benötigen wir lediglich Satelliten-Empfang um unseren Standort zu finden und auf der Karte anzeigen zu lassen. Das ist daten- und stromsparend und enorm erleichternd, wenn man an einer Wegkreuzung steht.

Touren als gpx-Datei findet man im Internet zum Download zum Beispiel bei Komoot oder in Frankreich auf Seiten wie visorando.com oder sentiers-en-france.com. 

Öffnet man diese Datei dann in der Komoot-App, sieht das so aus:


Digitale Karten/Online-Karten

Zwei Probleme können bei der Orientierung mit digitalen Karten auftreten:

Das Handy ‘kalibriert’ nicht richtig, d.h. es zeigt nicht korrekt die Nord-Süd-Richtung an. Dann muss es kalibriert werden. Details muss man evtl. recherchieren.

Sind die gpx-Daten nicht präzise genug, kann es passieren, dass der aktiv gegangene Weg neben dem angezeigten Weg verläuft. Meist ist aber leicht erkennbar, dass man dennoch richtig liegt.

Die Orientierung während der Wanderung ist dann recht einfach. Steht man an einer Weggabelung, hält man das Handy so auf einen Weg, dass der Kompass in Richtung des vorgegebenen Wanderwegs auf der Karte zeigt. Dann ist man richtig.

Sicherheitshalber habe ich immer noch eine echte Wanderkarte dabei. Für alle Fälle. Außerdem hat man mit einer Karte einen größeren und detaillierten Überblick über die Gegend, in der man wandert. 
Die vorgesehene Wegstrecke zeichne ich dort mit Stift und Marker ein (siehe Foto oben) und kontrolliere unterwegs ab und zu meinen Standort auf der Karte.

Überraschung: Google Lens


Sabine nutzt immer wieder erfolgreich Google Lens als Übersetzungsmaschine: Handykamera auf die Infotafel halten und von Lens übersetzen und in deutscher Sprache vortragen lassen. Unglaublich, unschlagbar.

Wanderbegleiter

Meistens verlassen wir gegen 11 Uhr das Haus, fahren mit dem Auto eine Wegstrecke von max. 20km zu einem Startpunkt für einen Rundkurs. Mit Pausen dauert eine Wanderung fünf bis sechs Stunden. 

Wiesen und Weiden prägen das Land. Abseits der Weingebiete und auf den Weiden grasen fast ausnahmslos Charolai-Rinder. Freudig wedeln sie mit dem Schwanz, wenn sie uns sehen. 


Tagsüber leben wir von Wasser, Brot und den Brombeeren links und rechts des Wegs.


Was und wen wir nicht sehen und schon gar nicht vermissen: In den Dörfern gibt es keine SUV’s und auf den Wegen keine ungeschickten Pedelec-Fahrer. Es gibt überhaupt wenig Menschen zu sehen. Nur in Taizé treffen wir auf unzählige Jugendliche auf ihrem Weg zum Mittagessen in den Gemeinschaftsräumen der Communauté de Taizé.

Montag, 20. September 2021

August 2021 Urlaub in Burgund #1: Stadt - Land - Fluss

Unser Zuhause Rains


Rains in Richtung Nordwest

Zwei volle Wochen leben wir im Zentrum der Bourgogne -  im “Esprit des Cadoles” in Rains. Rains ist ein winziger Ort, der zur Kommune Joncy gehört, einem sehr alten Dorf mit (natürlich) sehr altem Schloss aus dem 16. Jahrhundert und Reste einer noch älteren Kirche aus dem 12. Jahrhundert - und sogar mit einem deutschen Wikipedia-Eintrag!



Joncy liegt im département de Saône-et-Loire en région Bourgogne-Franche-Comté. Das Dorf hatte schon bessere Zeiten gesehen. Laut Wikipedia-France war die Einwohnerzahl in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit ca. 520 Einwohnern doppelt so hoch wie heute! 

Das macht sich auch in Rains bemerkbar. Es gibt zwar noch einige Bauernhöfe, die Mehrzahl der wenigen Häuser sind aber Zweitwohnungen von Familien aus der weiteren Umgebung. Der Rest wird vermutlich an Touristen vermietet, so wie auch unser zeitweiliges  “Zuhause”. Eigentümer sind ein niederländisches Ehepaar, das in der Nähe wohnt und noch weitere Ferienwohnungen und -häuser im Angebot hat. 

Rains liegt ca. 25 km nördlich von Cluny und ca. 30 km südöstlich von Le Creusot. Wer es vertraulicher will: 376 km südöstlich von Paris und 542 km südwestlich von Aglasterhausen, sagt jedenfalls Google Maps. 


Burgund


Die Geschichte der Besiedlung Burgunds reicht bis in die Römerzeit zurück. Sie hatte ihren Höhepunkt als selbständiges Herzogtum, eingeklemmt zwischen den Franken und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, im 14. und 15. Jahrhundert, als das Herrschaftsgebiet  bis zur Nordsee in Brabant, Teil der heutigen Niederlande, reichte. Aber schon Jahrhundert vor der Blüte war es mit seinen berühmten Klöstern ein Zentrum der europäischen Christenheit. Cluny und sein Benediktinerkloster ist nur das bekannteste Beispiel.

Das Land war immer sehr fruchtbar und das war wohl die Grundlage des viele Jahrhunderte dauernden Wohlstands.


Das Land und seine Bauten


             

In Burgund dominiert der Kalkstein und so werden seit über tausend Jahren die Gebäude aus Kalksteinen erbaut, oft kaum behauen und sehr selten verputzt.

Église de Chazelle/Cormatin

Das ist ein Land, in dem Kirchen, Burgen und Rinder blühen (ja, ich weiß, eine gewagte Metapher!). Kein Dorf ohne eine Kirche, die nicht mindestens tausend Jahre alt ist. Oft stehen noch alte Waschhäuser am Ortsrand, liebevoll gepflegt. Das Hauptgewerbe ist die Viehzucht und der Weinanbau und wer noch nichts vom Charolais-Rind gehört hat und Burgunderweine nicht kennt, hat etwas verpasst.

Waschhaus in Rains


Das Land und seine Landschaft


Beim Blick von der Terrasse auf die Umgebung meint man in Irland oder Wales zu sein. Mit Sträuchern und Mauern eingehegtes Land, grüne Wiesen und Weiden, auf denen die weißen Rinder grasen. 

Rains Richtung Südwest

Abends legt sich eine beruhigende Stimmung über das Land. Nur selten durchdringt ein Auto oder ein Traktor auf dem Weg nach Hause die Stille. Das Land ruht in sich selbst.

Rains mit Blick nach Süden


Das Land und seine Tiere



Egal wo man in unserem Teil Burgunds wandert, überall trifft man auf die bekannten weißen Charolais-Rinder auf den Weiden. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, es gäbe überhaupt nur Charolais-Rinder und sonst nichts. Aber weit gefehlt. Es gibt auch Esel, Pferde, jede Menge Schnecken in rot, braun und schwarz. Nur Schwarzwaldbiber gibt es keine.


Eines Nachts ein Schrei von Sabine. Eine Fledermaus verirrt sich in unser Schlafzimmer. Wild flatternd und nach einigen hektischen Flugfiguren findet sie schließlich wieder das offene Fenster. Ein kurzer Alptraum um ein kleines Wesen.
Im morgendlichen Sonnenschein klettert eine kleine Eidechse die warme Hauswand hinauf als gäbe es keine Schwerkraft. Ein braun gefleckter Schmetterling schwebt herbei - uninteressiert.


Kontraste


Man will es kaum glauben. Nur wenige Kilometer von unserer Idylle entfernt befand sich mal ein Zentrum der französischen Industrie: Le Creusot, Blanzy und Montceau-les-Mines waren bekannt für Kohlegewinnung und Stahlindustrie. Wer kennt nicht die gusseisernen Töpfe und Pfannen von Schneider-Creusot? Eine Firma mit interessanter Geschichte!

Förderturm beim Museum in Branzy

In einem alten Bergwerksstollen, der zum Museum umgebaut wurde, haben wir eine Führung mitgemacht, bei der wir die technischen Einrichtungen kennenlernen durften, die vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis Ende der 50er Jahre im Einsatz waren. Die Geräte wurden von anderen Stollen eingesammelt, hier neu eingebaut und von einer jungen französischen Guide du musée sachkundig und liebevoll erläutert.

Das Bergwerk wurde 1857 gegründet und 1882 schon wieder stillgelegt. 1973 wurde es dann als Museum neu konzipiert.
«Le puits Saint-Claude n°1, en activité de 1857 à 1882, a ainsi été conservé jusqu’à moins 30 mètres. Il est équipé d’une cage et d’une benne. Le chevalement métallique, remonté sur ce puits en 1981, domine le carreau de ses 20 mètres de hauteur.»
(Der Schacht Saint-Claude Nr. 1, der von 1857 bis 1882 in Betrieb war, ist bis zu einer Tiefe von 30 Metern erhalten geblieben. Er ist mit einem Käfig und einer Mulde ausgestattet. Der 1981 auf diesem Schacht wieder aufgebaute metallene Förderturm beherrscht mit seiner Höhe von 20 Metern den Boden.)

Ist Ihnen auch aufgefallen? “Le puits”, das klingt wie das deutsche “Pütt”, das bergmännische Wort für “Schacht/Stollen/Bergwerk”. Ganz gewiss kein Zufall.

Blanzy - Halte nautique sur le Canal du Centre

Fast nichts ist von der  industriellen Vergangenheit  geblieben. Lediglich der Canal du Centre durchzieht noch das Land und verbindet die Saône mit der Loire. Einige wenige Arbeiterhäuschen gibt es noch und hier und da ein Museum, das dem Bergbau und seiner lokalen Geschichte gewidmet ist (siehe oben: Blanzy....).


Teil 2: Wandern in modernen Zeiten