Frankreich 2015

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Pyrenäen Canigou-Massiv

Sonntag, 21. August 2022

Wandern auf dem Wasserweltensteig: August 2022

Wohin soll es dieses Jahr im Urlaub gehen? 

Angesichts der unsicheren Pandemielage und einer drohenden Inflation mit steigenden Lebenshaltungskosten eine spannende Frage. Noch einmal richtig auf den Putz hauen, bevor die kälteren Tage anbrechen? Oder lieber auf kleiner Flamme kochen und in Deutschland bleiben? Viele entscheiden sich für einen Urlaub im Lande. Wir auch.   

Sabine wollte schon immer mal für einige Tage am Stück wandern, aber ohne Gepäck. So kam sie auf den Wasserweltensteig im Südostschwarzwald. Sechs Tagesetappen von Triberg nach Schaffhausen, das Gepäck wird immer in die neue Unterkunft nachgeliefert.


Der Veranstalter

Wir haben uns kurzfristig entschieden und wollten es bequem, deshalb haben wir die Tour bei einem Veranstalter gebucht: original Landreisen aus Freiburg.


Die Tour

Die einzelnen Etappen sind auf der Webseite vom Wasserweltensteig beschrieben. Ich habe sie hier mit den Überschriften jeweils verlinkt. Im Folgenden also unsere ganz privaten Eindrücke (plus Fotos).


Die Tour beginnt
an den Triberger Wasserfällen, die selbst bei wenig Wasser für Schwarzwald-Verhältnisse recht eindrucksvoll sind. Auf dem anfangs ansteigenden Weg zum Kolmenhof in der Nähe von Furtwangen kommt man noch am Blindensee, einem Hochmoor vorbei: 


Sie endet schließlich nach 12 km an der Donauquelle, genauer: der Quelle der Breg. Insgesamt waren ca. 400 Höhenmeter zu überwinden.


Die zweite Etappe ist mit 24 km deutlich länger. Sie führt recht unspektakulär an der Linach entlang und endet nach dem Passieren einer bemerkenswert konstruierten Talsperre am Bernreutehof, kurz vor Hammereisenbach. Gleich zu Beginn erreichten wir mit 1131m auf dem Brend den höchsten Punkt der Tour überhaupt. Von nun an gings bergab.




Die dritte Etappe führt uns vom Bernreutehof wieder zur Breg, der wir ein Stück folgen, um dann  durch einen lichten Wald, ohne nennenswerte Steigungen, nach 14km zum Kirnbergsee in Unterbränd zu gelangen. Von dort müssen wir mit dem Bus ins benachbarte Bräunlingen fahren, wo wir übernachten. 


"Wasserwelt" war an diesem Tag im Wesentlichen ein Trampelpfad durch ein Feuchtbiotop (in diesem Sommer trocken) hoch oben auf dem Berg, ein Stück die Linach entlang, ein Stückchen jungfräulicher Breg und der kleine Stausee mit Bademöglichkeit, Campingplatz etc. am Ende der Tour. 


Die vierte Etappe war im ersten Teil die schönste überhaupt. Auf schmalen Pfaden in der Gauchachschlucht ermöglicht sie trotz der Länge von 24 km eine angenehme und beeindruckende Wanderung. 


Sie führt bis zur Mündung in die Wutach, die sich aber im folgenden als ein recht langweiliges Flüsschen entpuppte. 
Immerhin konnten wir dort ein überraschendes Kunstprojekt der Natur finden.


Eigentlich endet die Wanderung in Achdorf, aber wir mussten hinauf nach Blumberg, wo unser Hotel war. Der Weg führte uns zu einem kleinen Wasserfall  (Schleifenbachklamm), der uns einiges abverlangte, um diese Art von "Wasserwelt" zu meistern. Unter anderem war auf kurzer Strecke mittels einer 8 Meter hohen Leiter und einem Zickzacksteig ein Höhenunterschied von ca. 200 m zu überwinden.

Die fünfte Etappe führt von Blumberg stramm hinauf auf den Buchberg, um den Buchberg herum und auf dem Höhenzug des Randen in die Schweiz, anfangs immer wieder mit Blick auf die Sauschwänzlebahn, die wir auch mehrfach kreuzen. 






Wasser haben wir eigentlich keines gesehen. Die Strecke war mit 20 km wieder recht lang, ging aber abwechslungsreich durch den Wald bis zum Alprestaurant Babental. Leider war zu diesem Termin kein Zimmer frei. Wir wurden vom Veranstalter der Tour mit dem Taxi abgeholt und nach Blumberg zurückgebracht. 

Die sechste und letzte Etappe führte über 14 km weiter auf dem Höhenzug des Randen nach Schaffhausen. An diesem Tag überquerten wir die unspektakuläre Grenze zur Schweiz.


Mit dem Taxi sollten wir aber zuerst zum Alprestaurant Babental gebracht werden (mehr dazu weiter unten im Text). 
Am “Siblinger Randenhaus” hatten wir dann einen wunderschönen Blick auf die Schweizer Alpen. 


Die letzte "Wasserwelt" war dann der Rheinfall, der sich gewissermaßen als Reinfall entpuppte. (Nicht die Wasserwelt, aber die Wasserweltbesucher; auch dazu mehr unten im Text).


Der Wasserweltensteig begann und endete also mit einem Wasserfall.

 Sechs Tage und 110km!

Aus unerfindlichen Gründen gab es am Wochenende vom 12. bis 14. August keine Unterkunft in der Schweiz. Deshalb zwei Übernachtungen in Blumberg und die letzte Übernachtung nicht in Schaffhausen, sondern in Bad Säckingen. Dort haben wir eine zusätzliche Nacht gebucht, um nicht an einem Sonntag mit Gepäck in überfüllten Regionalzügen nach Triberg zurückfahren zu müssen. Ich bin am Sonntag alleine mit der Bahn nach Triberg gefahren und habe unser Auto geholt. Die Fahrt mit der Bahn dauerte vier Stunden, von Bad Säckingen über Singen nach Triberg, Die Schwarzwaldbahn ist zur Zeit zwischen Hausach und Sankt Georgen unterbrochen (Reparatur der Schienen - zur Hochsaison!) und deshalb werden Busse zwischen den beiden Orten eingesetzt. 

Eindrücke und Beobachtungen

Hotels und sonstige Unterkünfte

Das schönste Hotel war definitiv der Kolmenhof an der Donauquelle, am Ende der ersten Etappe. Super Service, schöne Unterkunft mit Balkon, tolles Abendessen und Frühstück. Fast ebenso gut war das Hotel Lindenhof in Bräunlingen. Total abgefallen dagegen ist der Bernreutehof. Dort scheint die Zeit in den 60er Jahren stehen geblieben zu sein.

Das Hotel in Bad Säckingen (Ringhotel Goldener Knopf) hätte auch perfekt sein können, was Service, Lage und Ambiente angeht. Aber unser Zimmer war im Erdgeschoss und die Fenster öffneten zu einer Gasse, so dass man wenig Licht hatte und Samstag Nacht manchen Spätheimkehrer hören konnte.

Vier Städte bzw. Städtchen: Triberg, Bräunlingen, Blumberg, Schaffhausen, Bad Säckingen.
Schaffhausen an einem Sonntag ist eine mittlere Katastrophe. Absolut überlaufen von Besuchern, vorwiegend aus Indien und Spanien. In der Nähe des Wasserfalls versammeln sich Bausünden, auch Investorprojekte genannt, von beeindruckender Dominanz. 

In Triberg und Bad Säckingen, also in Hotspots, findet man im Ortszentrum leerstehende ehemalige Kaufhäuser und Hotels von einiger Trostlosigkeit, die von vergangener Größe zeugen. In Triberg hat man versucht, dem Ort einen modernen Charakter zu verleihen. Das ging gründlich schief.

Unser Ort soll schöner werden. Hat leider nicht geklappt: Triberg

Dagegen scheint in Kleinstädten wie Bräunlingen, die etwas abseits liegen, die Welt noch in Ordnung zu sein.
Bräunlingen Stadttor

Bad Säckingen an einem Sonntag wimmelt von Schweizern, die den günstigen Wechselkurs zu einem abendlichen Restaurantbesuch nutzen. Es war recht schwierig, noch irgendwo einen Platz zu bekommen - alles reserviert! Am Sonntag Abend dann nur halb so viel Gedränge.

Was Triberg angeht, die trostloseste Stadt auf unserem Weg, hat uns die erstaunlich hohe Zahl von spanischen Touristen überrascht. Völlig rätselhaft.
Auch ist die Hotellerie dort stark rückläufig, man trifft fast nur Tagestouristen.

Personalmangel
Generell auffällig war: Außer am Kolmenhof klagten alle über fehlende Servicekräfte. In Bad Säckingen konnte das Hotel das Restaurant nur mit eingeschränkten Reservierungen öffnen, weil es an Personal in der Küche mangelt. Im Bernreutehof musste die alte Besitzerin ran, Personal hat sie nur noch für die Zimmerpflege. In Blumberg konnte die Küche nur warmes Büffet am Abend anbieten, kein Menü a la Carte. Manche Hotels haben im Restaurant oft drei Ruhetage in der Woche. Nur Frühstück gibt es immer.

Hilfsmittel

Wir hatten ein ulkiges Erlebnis. Weil es am Ziel der 5. Etappe in der Schweiz keine Unterkunft gab mussten wir zweimal in Blumberg im Hotel Hirschen übernachten. Wie wurden vom ursprünglichen Ende der 5. Etappe, dem Alprestaurant Babental (bei Schleitheim) mit dem Taxi abgeholt und wieder nach Blumberg gebracht. Der Fahrer verfuhr sich prompt in der Schweiz, aber mit einigen kleinen Retouren kamen wir wohlbehalten im Hotel an. 
Am nächsten Morgen sollten wir wieder nach Babental gebracht werden, aber das Mercedes-Navi des Taxis führte den Fahrer absolut in die Irre und wir strandeten irgendwo im Wald, wo er nicht mehr weiter konnte. Mit meinem Komoot-Wander-Navi konnte ich ihm zeigen, wo wir sind und wie er zur nächsten befahrbaren Straße kommen kann. Er war sehr peinlich berührt ob des Missgeschicks, aber für uns war es kein Problem, weil wir quasi auf dem richtigen Weg zum Ziel Schaffhausen waren.
Ob der Fahrer, ein junger Russe, jemals wieder nach Blumberg gefunden hat, wissen wir allerdings nicht. 🤭😰


Obwohl wir auch ausgedruckte Karten der einzelnen Abschnitte hatten - sie stehen als PDF auf der Website von outdooractive.com zum Download bereit - haben wir auf den Etappen als Hilfsmittel fast ausschließlich die Daten von Komoot benutzt. Die gpx-Daten der einzelnen Abschnitte habe ich mir per Download auf mein Handy geladen und offline zugänglich gemacht. Ich brauchte unterwegs dann nur noch Zugang zum Satelliten und wusste so jederzeit, wo wir uns auf der Etappe befinden, ohne dass zusätzliche Datenkosten anfielen. Gerade in der Schweiz, wo die Roamingkosten hoch sind, ein unschätzbarer Vorteil.

Die einzelnen Etappen kann man in der Originalversion hier einsehen: Klick

Resümee: Eine gelungene Tour - mit einem Vorbehalt

Unser Resümee ist eindeutig: Auch wenn es durch die Trockenheit bedingt nicht all zu viele “Wasserwelten” zu sehen gab, ist der “Wasserweltensteig” für geübte Wanderer eine erholsame und abwechslungsreiche Tour, die uns in keiner Weise überforderte. Sie ist im Übrigen gut ausgeschildert, auch in der Schweiz, wenn auch nicht so penibel wie auf deutscher Seite*. Manche Strecken führen über breite Wirtschaftswege, was dann sehr langweilig ist. Aber es wird auch immer wieder davon weg und zu Aussichtspunkten geführt, so dass sich die Langweile in Grenzen hält. “Steig” im eigentlichen Wortsinn ist der Weg nur an sehr wenigen Stellen. Für einen Alpenwanderer sicher keine Herausforderung, für einen Küstenbewohner vielleicht eher.

Die Unterkünfte waren in der Regel hervorragend und die Tour durch den Veranstalter bestens organisiert. Wir hatten einen ausformulierten Reiseplan mit vielen Tipps zur Hand, uns fehlte nichts. Der Gepäcktransport und alles andere klappte. Nie gerieten wir in Stress.

Der Service des Veranstalters muss natürlich bezahlt werden. Und, wie man weiß, ist Service in Deutschland teuer. Sabine meinte: “Für den Preis hätten wir auch eine Woche Urlaub auf den Malediven machen können.” Aber ohne das gewisse Schwarzwaldfeeling, ergänze ich.

Eine Frage blieb unbeantwortet: Wir haben auf der ganzen Strecke immer wieder viele Heidelbeerstöcke links und rechts des Wegs gesehen. Aber keine einzige Frucht. Wo sind die Heidelbeeren geblieben? Meine Vermutung: Ursache ist die diesjährige Trockenheit. 


So, das war's. Danke für's Lesen. Vielleicht ist mein Beitrag eine Anregung für euch!


* In der FAZ vom 18.8.2022 ist ein informativer Artikel zum Thema "Wanderwege und Beschilderung" erschienen. Ihm entnehme ich, dass es vor allem ein engagierter Wanderer war, der in Deutschland hohe Standards zur Auszeichnung von Wanderwegen durchsetzte, der Physiker (!) Rainer Brämer aus Marburg.
Er entwickelte einen 45 Punkte umfassenden Kriterienkatalog, der akribisch definiert, wie hoch der Anteil befestigter Wege idealerweise sein soll (,,maxi mal 1200 Meter am Stück und nicht mehr als 15 Prozent der Gesamtstrecke"), wie die Landschaft (,,mindestens zwei Formationswechsel auf sechs Kilometern") und wie die Zeichen (,,Beruhigungsmarkierung spätestens alle 200 Meter").
Quelle: Thomas Klein: Von Premium-Trails und tristen Pfaden. FAZ vom 18.8.2022, S.31; leider (noch) nicht online.

Sonntag, 24. April 2022

Wandern im Odenwald #2

  Das Wetter ist schön, die Luft ist warm. Am nächsten Tag soll alles anders werden. Also fahren Sabine und ich am Samstag wieder in den südlichen Odenwald zum Wandern.

Im Internet habe ich eine Tour gefunden, die interessant zu werden verspricht:

Der Siegfriedbrunnen und das Rote Wasser von Olfen


Auf dem Nibelungensteig soll es von Grasellenbach zum Siegfriedbrunnen gehen, und von dort zum Roten Wasser bei Olfen, einem Naturschutzgebiet und einem der seltenen Hochmoore im Odenwald. Über Güttersbach wandern wir dann zurück nach Grasellenbach. Die Strecke ist ca.14 km lang.


Auf dem Weg zum Hochmoor treffen wir immer wieder auf Info-Tafeln mit Auszügen aus der Nibelungensage. (In den sechziger Jahren war die Sage noch Schulstoff in den Realschulen Baden-Württembergs!). Der Siegfriedsbrunnen bei Grasellenbach (es gibt noch weitere Brunnen im Odenwald, an denen angeblich Siegfried ermordet wurde) lädt zum Trinken ein. Man kann das Wasser unbesorgt trinken. Es stammt aus einer Trinkwasserleitung der Gemeinde.



Das Hochmoor ist Naturschutzgebiet. Der Wanderweg führt am Rand vorbei. Wie man sieht, hat der letzte Sturm die Birken im Hochmoor ziemlich mitgenommen. Leider ist es noch sehr früh im Jahr. Im Moor blühen noch keine Pflanzen und auch die dort im Sommer  anzutreffenden Feuersalamander bleiben aus. Immerhin: Sabine entdeckt an einer Wasserstelle Laich vom Salamander.



Auf dem Rückweg, kurz vor dem Weißfrauenbrunnen (früher: Bangertsbrunnen) im Tal des Mösselbachs, macht Sabine eine seltsame Entdeckung. Im Feuchtgebiet liegt ein abgestürzter Kinderballon. Ich kämpfe mich durch das Unterholz und entdecke tatsächlich die Reste des Ballons. An einer Schnur hängt ein kleiner Zettel:


Und auf der Rückseite steht: “Gute Reise Oma ♡”


Sehr berührt setzen wir die Wanderung fort.

Eine neue Überraschung kurz vor Grasellenbach weckt meine Aufmerksamkeit: Ein seltsames Tier liegt auf dem Wirtschaftsweg. Eine urzeitliche Fossile eines Wasserkäfers?



"Natürlich”, möchte ich fast sagen, war auch hier der Biber wieder aktiv. Ich verstehe nicht, weshalb man seinem verwerflichen Treiben keine Schranken setzt:


Wandern im Odenwald beruhigt ungemein und sorgt immer wieder für Überraschungen. Mann/Frau muss nur die Augen offen halten (und das gilt auch bei einer Makula-Deformation).

Am nächsten Tag regnet es dann wie angekündigt in Strömen. Ich habe Zeit für diesen Bericht.


Dienstag, 19. April 2022

Wandern im Odenwald- eine kühle Überraschung

Nein, nicht das Wetter sorgte für eine kühle Überraschung, als Sabine und ich am Ostermontag eine Wanderung im Odenwald, genauer: rund ums Mossautal  unternehmen.


Auf halber Strecke, in Untermossau, legen wir am Rathaus eine Pause ein. Sitzbänke laden dazu ein. Ein Schild macht uns neugierig:


Tatsächlich findet sich direkt neben dem Schild, im Boden versenkt, eine Art Naturkühlschrank:


Bier war schon alle. Wir haben uns die letzte Flasche Apfelschorle geholt. Die 2 Euro wurden in die Kasse eingeworfen und danach hatten wir eine erholsame Pause am Rathaus Mossautal. Dankbar für die menschenfreundliche Voraussicht der Mossautaler Dorfverwaltung. 


Überhaupt war der Tag sehr schön, die Wanderung entspannend und das Mossautal angenehm unaufgeregt zu umwandern.


Im Foto oben ist die Dorfkirche von Ober-Mossau  zu erkennen. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert und war einst im Besitz der Johanniter. Am Ostermontag war sie offen und so konnten wir eintreten.
Wir waren überrascht und staunten:


Im Innenraum findet man sehr schöne Ausmalungen der vier Evangelisten, symbolhaft dargestellt als Löwe (Markus), Stier (Lukas), Adler (Johannes) und geflügeltem Mensch (Matthäus). Laut Wikipedia stammen diese Darstellungen an der Decke aus dem 15. Jahrhundert. Ein unerwarteter Schatz im Odenwald.

Anmerkung: Die Gemeinde Mossautal besteht aus fünf Ortsteilen: Güttersbach, Hiltersklingen, Hüttenthal, Ober - und Untermossau. Nur die letzten beiden liegen im Mossautal.

Mittwoch, 10. November 2021

August 2021 Urlaub in Burgund #3: Touren in Burgund

 Wandern im Burgund ist wie wandern auf einer einsamen Insel: Immer viel Landschaft und wenig Begegnungen, und vor allem -  keine Biber! 

Wir sind nahezu jeden Tag unterwegs. Nur am ersten und vorletzten Tag nicht. Einige Touren will ich hier vorstellen.

La France Profonde  

Mont-Saint Vincent

Unsere erste, sehr kurze Tour führt uns nach Mont Saint Vincent . Ein kleiner Ort, der von unserer Terrasse in Rains aus zu sehen ist, ca. 5 km Luftlinie entfernt.


Hoch oben auf dem Berg gleichen Namens gelegen treffen wir auf ein Dorf wie aus einem Film von Jaques Tati.  An den Häusern hängen Fotografien, die den Ort vor 100 Jahren zeigen und wir stellen fest: Es hat sich fast nichts verändert.


Vom Aussichtsturm haben wir einen Rundum-Blick auf das Land, der bis zu den Alpen reichen soll (ohne dass wir das beweisen konnten).


Das alte Dorf ist wie ausgestorben und die noch ältere Kirche aus dem 11. Jahrhundert thront schweigend über den Häusern. Da läutet eine Glocke, aber: kein Kirchturm ist zu sehen.


Eine Tour mit Überraschungen

Tour Rains - St Clément sur Guye - Joncy - Rains   


Eine leichte Rundtour, eigentlich nur ein längerer Spaziergang, um die nähere Umgebung kennen zu lernen, soll uns über St Clément-sur-Guye und Joncy wieder zurück nach Rains führen. 
Auf halber Strecke macht uns ein Hinweis neugierig:


Tatsächlich: Wir finden zwei recht beachtliche Menhire am Rande eines Feldes. 


Zu Hause gibt eine Website nähere Auskunft (Auszug):

Wie die anderen Megalithen, die in der Jungsteinzeit (um 3500 v. Chr.) errichtet wurden, befinden sich die beiden Menhire an einem Abbruch des Hangs, in der Nähe einer alten Straße, deren Verlauf von einer gallo-römischen Straße übernommen wurde (250 m südlich). Der erste Menhir, 4,90 m hoch, mit einem Volumen von 2 bis 2,5 m3 und einem Gewicht, das auf 5 oder 6 Tonnen geschätzt werden kann, steht in der Nähe einer Quelle. Es hat keine Gravuren.
Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)


(Man findet auch auf Google Maps die Menhire: Klick)

Am Château des Croisettes vorbei ging es dann nach Joncy und zurück nach Rains. Zum ersten und letzten Mal überraschte uns ein kleiner Regenguss, aber ohne weitere Folgen für uns.


Burgund- Zentrum der Christenheit

Tour von Taizé



Taize ist mit seiner Communauté de Taizé auch in Deutschland sehr bekannt als ökumenischer Treffpunkt junger Christen. Für uns ist der Ort Startpunkt für eine Rundwanderung, die uns auch zum Schloss von Comartin führen soll.



Eigentlich ist Taizé ein winziger Ort, der ganz durch die Einrichtungen der Communauté mit seinen Mensen, Schlaf-, Gebets und Veranstaltungshäusern geprägt ist. Und vor allem von den vielen Jugendlichen, die unseren Weg kreuzen. (Die wir aber nicht fotografiert haben.)

Auf dem Weg nach Norden Richtung Comartin genießen wir zum ersten Mal die Früchte des Landes. Nein, nicht die Reben, sondern die Brombeeren, die links und rechts des Weges wachsen und unseren Fußmarsch immer wieder angenehm unterbrechen.

Kurz vor Comartin kreuzen wir die Voie Verte, die Grüne Trasse, ein Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse von  Chalon-sur-Saône über Cluny nach Charnay-les-Mâcon.  Zum ersten Mal sind wir mit Radlern und Pedelecs auf einem gemeinsamen Stück des Weges unterwegs, aber ohne Kollisionen. Alle sind sehr entspannt und grüßen freundlich. Bon Jour!

In Comartin angekommen müssen wir leider feststellen, dass sich vor dem Eingang zum Schloss eine lange Schlange Wartender eingefunden hat und dass die Schlange sich nicht wesentlich verkürzt. Wir wandern also weiter, auf einem anderen, östlich gelegenen Weg zurück nach Taizé. 
Unterwegs machen wir Bekanntschaft mit der Tierwelt Burgunds. Seltsame Umarmung


Schön war’s!

Auf dem Weg der Mönche

Brancion MA2 Runde von La Chapelle-sous-Brancion



Eine einfache Wanderung soll es sein: 8 km von Brancion in Richtung Nordost und über Mancey zurück auf historischem Pilgerpfad. 


Der Trail, ein auf dem Bergkamm durch das Unterholz sich schlängelnder Pfad, ist manchmal kaum erkennbar, wären nicht im Abstand von ca. 30 m auffallende Steine gesetzt, die den alten Pilgerweg markieren. 


Urwaldartig verschlungen ist der Wald.


Am Startpunkt, einem Parkplatz bei Brancion wieder angekommen, machen wir einen Abstecher in den kleinen Ort und sind überrascht über die verzauberte Atmosphäre, die die alte Kirche und die hoch den Ort überragende Burg verströmen. Wie in einem Märchen der Brüder Grimm.


Aber so schön der pittoreske Ort auch ist. Bewohnt ist er vermutlich nur von Zweitwohnungsbesitzern und Feriengästen.

Im dunklen Burgund

Wanderung im Morvan



Wer im Burgund wandert sucht meistens das Morvan auf, ein Waldgebiet im Nordwesten der Region. Es ist abgelegen, über kurvenreiche Landstraßen erreichbar und dennoch stark besucht aus den Städten der weiteren Umgebung. Aber leider, leider. Die Anfahrt auf den schmalen (“schmalsten”) Landstraßen Frankreichs ist oft eine Qual. 

Wir sind trotzdem dorthin gefahren und haben es nicht bereut. Wir wandern durch einen lichten Wald, passieren kleinere Seen und schließen den Trip mit einem Cafébesuch ab. Es ist 15 Uhr und das Café ist leer, denn jetzt sind die französischen Ausflügler unterwegs. Sie haben eine lange Mittagspause hier  eingelegt und sind gestartet, kurz bevor wir wieder eintreffen.
Wir genießen die Ruhe im Garten des Cafés, sind gestärkt für die Rückfahrt über die verschlungenen Landstraßen nach Rains.


Mysteriöses

Rund um Cluny


Über Cluny habe ich bereits vor zwei Jahren berichtet: Klick. Diesmal machen wir eine Wanderung rund um Cluny, die uns auf die westlich gelegen Höhne vor der Stadt führt. Dort angekommen sehen wir auf einem gegenüberliegenden Hang eine merkwürdige Anlage . 


Zu Hause recherchiere ich und finde eine reichlich mysteriöse Geschichte zur Zerstörung und Rekonstruktion eines alten Schlosses aus dem 12. Jahrhundert - Château de Lourdon  


Etwas anderes ist mir noch aufgefallen. In Cluny hat die sonst allmächtige katholische Kirche schon früher mal gegen das geschäftstüchtige Bürgertum verloren, wie das Foto belegt:


Und noch etwas: In einem alternativen Bäckerladen gibt es Brot aus Mehl von heimischen Bauern. Wir haben einen Laib gekauft und zuhause mit sehr viel Ehrfurcht und noch mehr Genuss davon gegessen.  Der Preis für das Brot: 12€ das Kilo. Es war schon immer etwas teurer, ...

Städtetoren 

Chalon-sur-Saône, Beaune



Eine erste Städtetour führt uns nach Chalon-sur-Saône: Eine mittelgroße Stadt mit großer regionaler Bedeutung, interessanter Geschichte, die bis in die Römerzeit zurückreicht und einer historischen, aber lebendigen Innenstadt. Am Ufer der Saône haben wir gesessen und gegessen und im Stadtzentrum haben wir eine kleine Demo von Corona-Gegnern beobachtet. Dabei fiel uns auf, dass sich die französischen Covidioten nicht groß von den deutschen unterscheiden. Warum auch.


Natürlich besuchen wir auch Beaune. Wir machen einen Rundgang durch die alten Gassen und Straßen, sind auf den Festungsmauern und besuchen selbstverständlich das Hospiz.  



Auf dem Rückweg sind wir an Meursault vorbeigefahren. Wein kaufen wir nicht. Für uns Laientrinker ist er unbezahlbar.
 

Corona? 



Wie auch an allen anderen Orten in Frankreich, in Cafés, Restaurants, Museen, drinnen und draußen, muss man seine Corona-App vorzeigen. Sie wird mit einem Handy gecheckt und nach dem Pieps wird man eingelassen. Alles selbstverständlich und unkompliziert. Selbst die deutsche App mit dem QR-Code wird akzeptiert. Nie haben wir beobachten können, dass sich jemand geweigert hätte oder es einen Konflikt gab. Normalität halt.


Souvenirs 


In Frankreich kaufe ich mir immer ein Messer von Opinel, quasi als Souvenir. Natürlich aus Carbon-Stahl, kein Edelstahl.

Man sieht, die Messer sind sehr scharf und damit eine bleibende Erinnerung an die schöne Zeit im Burgund.


Feierabend


Abends sitzen wir auf der Terrasse. Wir trinken Wein, lesen, schauen über das wunderbar grüne Land in die untergehende Sonne. Die Rinder grüßen uns mit wedelndem Schwanz, die Mücken wünschen uns eine unruhige Nacht. Na, dann.

So wird es jeden Abend sein bis ans Ende der Tage in Burgund. Gerne wieder.

In My Life

There are places I'll remember
All my life though some have changed
Some forever, not for better
Some have gone and some remain

All these places have their moments
With lovers and friends I still can recall
Some are dead and some are living
In my life I've loved them all

John Lennon / Paul McCartney



Weiterführende Links / Tourismus

Wandern in Saône-et-Loire

Wandern in Burgund Zwischen Wallfahrt Und Naturerlebnis

Mâcon - Führer für Tourismus, Urlaub & Wochenenden in der Saône-et-Loire

Aktuelle Corona-Regeln in Frankreich

Freitag, 15. Oktober 2021

August 2021 Urlaub in Burgund #2: Wandern in modernen Zeiten

Wandern im Burgund ist wie wandern auf einer einsamen Insel: Immer viel Landschaft und wenig Begegnungen, und vor allem -  keine Biber! 

Warum Burgund?

Eigentlich wollten wir ans Meer, in die Bretagne. Aber die Corona-Situation war noch bis Juni unklar und als wir uns Ende Juni endlich entschieden, waren die meisten Ferienwohnungen schon belegt und die Preise für die noch freien kaum bezahlbar. Also sind wir ins Burgund gefahren, das war leicht erreichbar und wir hatten vor zwei Jahren dort zwei mal Station gemacht, als wir in den Pyrenäen waren.


Wir hatten Glück. Wir fanden nicht nur die schöne Unterkunft in Rains (links auf die Seite im Blog), sondern auch das Wetter spielte mit. Während es in Deutschland zwei Wochen lang regnete, hatten wir in Burgund zwei Wochen lang Sonnenschein bei 25 Grad. Ideal zum Wandern.

Wanderlust

Wir wandern viel in unserer Freizeit. Alle Urlaube sind Wanderurlaube. Mal in Frankreich, mal in Norditalien, sehr oft im Südschwarzwald und natürlich im Odenwald, unserer Heimat.

Die Orientierung im Gelände ist in Deutschland sehr einfach. Auch ohne Wanderkarte findet man sich überall zurecht, wenn man nur Start- und Zielpunkt kennt und die ein oder andere Sehenswürdigkeit links oder rechts des Weges.
Manchmal ist der Schilderwald kaum kleiner als in den Städten.


Auch auf regionalen Wanderkarten ist nahezu jeder Weg eingezeichnet und benannt.



Nicht so in Italien oder Frankreich!

Wandern in  Frankreich

Französische Wanderkarten führen fast ausschließlich die großen, überregionalen Strecken auf, allenfalls noch überregionale Radwege. Lokale Wege: Fehlanzeige!

Eingezeichnet ist keine einzige Strecke rund um Rains/Joncy, obwohl Wege erkennbar sind. Die markierten Wege habe ich selbst eingezeichnet nach Angaben aus dem Internet. Entsprechend bescheiden ist die Kartenlegende bestückt:


Vor Ort gibt es natürlich lokale Wanderwege. Man findet sie in der Regel auf Infotafeln an sehenswerten Orten. Eingezeichnet sind auch regionale Wege, Rundwege etc. Aber man muss wissen, wo man wandern will. 

Auch die Markierung der Strecke im Gelände ist selbst bei den überregionalen Wegen oft nur sporadisch. Im Zweifel gilt: immer der Nase nach, so lange nichts anderes angezeigt wird.


Wandern im Jahr 2021

Aber ist die Not auch groß, so ist doch Hilfe nah’.

Interessante Touren laden wir als gpx-Dateien auf das Handy. Sind wir dann unterwegs, benötigen wir lediglich Satelliten-Empfang um unseren Standort zu finden und auf der Karte anzeigen zu lassen. Das ist daten- und stromsparend und enorm erleichternd, wenn man an einer Wegkreuzung steht.

Touren als gpx-Datei findet man im Internet zum Download zum Beispiel bei Komoot oder in Frankreich auf Seiten wie visorando.com oder sentiers-en-france.com. 

Öffnet man diese Datei dann in der Komoot-App, sieht das so aus:


Digitale Karten/Online-Karten

Zwei Probleme können bei der Orientierung mit digitalen Karten auftreten:

Das Handy ‘kalibriert’ nicht richtig, d.h. es zeigt nicht korrekt die Nord-Süd-Richtung an. Dann muss es kalibriert werden. Details muss man evtl. recherchieren.

Sind die gpx-Daten nicht präzise genug, kann es passieren, dass der aktiv gegangene Weg neben dem angezeigten Weg verläuft. Meist ist aber leicht erkennbar, dass man dennoch richtig liegt.

Die Orientierung während der Wanderung ist dann recht einfach. Steht man an einer Weggabelung, hält man das Handy so auf einen Weg, dass der Kompass in Richtung des vorgegebenen Wanderwegs auf der Karte zeigt. Dann ist man richtig.

Sicherheitshalber habe ich immer noch eine echte Wanderkarte dabei. Für alle Fälle. Außerdem hat man mit einer Karte einen größeren und detaillierten Überblick über die Gegend, in der man wandert. 
Die vorgesehene Wegstrecke zeichne ich dort mit Stift und Marker ein (siehe Foto oben) und kontrolliere unterwegs ab und zu meinen Standort auf der Karte.

Überraschung: Google Lens


Sabine nutzt immer wieder erfolgreich Google Lens als Übersetzungsmaschine: Handykamera auf die Infotafel halten und von Lens übersetzen und in deutscher Sprache vortragen lassen. Unglaublich, unschlagbar.

Wanderbegleiter

Meistens verlassen wir gegen 11 Uhr das Haus, fahren mit dem Auto eine Wegstrecke von max. 20km zu einem Startpunkt für einen Rundkurs. Mit Pausen dauert eine Wanderung fünf bis sechs Stunden. 

Wiesen und Weiden prägen das Land. Abseits der Weingebiete und auf den Weiden grasen fast ausnahmslos Charolai-Rinder. Freudig wedeln sie mit dem Schwanz, wenn sie uns sehen. 


Tagsüber leben wir von Wasser, Brot und den Brombeeren links und rechts des Wegs.


Was und wen wir nicht sehen und schon gar nicht vermissen: In den Dörfern gibt es keine SUV’s und auf den Wegen keine ungeschickten Pedelec-Fahrer. Es gibt überhaupt wenig Menschen zu sehen. Nur in Taizé treffen wir auf unzählige Jugendliche auf ihrem Weg zum Mittagessen in den Gemeinschaftsräumen der Communauté de Taizé.