Frankreich 2015

Frankreich 2015
Pyrenäen Canigou-Massiv

Dienstag, 8. Juni 2021

Nicht mein Freund - der Biber

Wie man hört, ist der gemeine Schwarzwaldbiber dabei seinen angestammten Lebensraum Stück für Stück zurückzuerobern und die invasive Art Homo Sapiens (das sind wir) daraus zu verdrängen.
Schon gibt es ganze Landstriche, die für uns Menschen unzugänglich sind und der Herrschaft des Bibers unterliegen.
Schlimm.



Der gemeine Schwarzwaldbiber scheut sich auch nicht, seine Fressfeinde durch furchterregende Warnrufe abzuwehren. 
Wie gesagt: Gemein.

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Dabei ist der Schwarzwaldbiber, wie jeder andere Biber, ein überaus scheues Wesen, das sich nur sehr selten in freier Wildbahn zeigt. Aber ist es nicht auch ein typisches Merkmal der Bewohner des schwarzen Waldes, dass sie eher scheu sind, nicht gehorchen, wenn sie gerufen werden und einen gewissen Eigentrotz an den Tag legen?

Uns gelang es trotz vieler Lockrufe nicht, einen Biber vor die Linse der Handykamera zu bekommen. Nur die schrecklichen Folgen seiner Beissarbeit konnten wir ohne große Anstrengungen dokumentieren.



Und doch! Wir hatten schon die Hoffnung aufgegeben jemals einen der scheuen Wilderer zu Gesicht zu bekommen, als das Unglaubliche gelang: Ein ganz scheues Exemplar, ein weißer Biber arbeitete sich direkt vor uns genüsslich und unbeeindruckt an einem Baumstamm ab.
Welch seltenes Fundstück, das wir für die Ewigkeit festhalten konnten.

Wir fingen ihn. Der Küchenchef vom Hotel Peterle bereitet ihn für die Gäste zu. Und er schmeckte ganz wunderbar.

Requiescat In Pace


Allerdings, ein Wermutstropfen blieb: Mein Freund der Baum ist tot.


Nachtrag
In der Süddeutschen Zeitung vom 30. Juni 2021 lese ich die verstörende Überschrift:
5000 Jahre Pest
Übertrugen Biber die Krankheit auf den Menschen?

Das wäre ihm zuzutrauen. Auch wenn die Beweise noch nicht ganz schlüssig sind. Der Verdacht ist da. Weh' Dir, Biber!

Samstag, 26. September 2020

2020 - Urlaubsimpressionen vom Ledrosee #2

Teil 2: Touren, Navigation

Teil 1 finden Sie hier: Klick
Wir sind viel gewandert. Fast jeden Tag, mit einer Ausnahme, der Autotour nach Gardone Rieviera zum Park von Gabriele D'Annunzio (siehe Bericht #1).
Unsere Urlaube sind ausnahmslos Wanderurlaube, und dies seit Jahren. Kurz: Wir sind geübte Wanderer. Erfahrung macht man aber immer wieder neue. So auch diesmal, und gleich bei der ersten Tour.

Das Wandern ist des Müllers Lust - aber nicht immer 


Fotogalerie

Im Wanderführer "Gardaseeberge" von Heinrich Bauregger" hat Sabine für den ersten Tag in Ledro eine ansprechende Tour (Nr.45) ausgesucht.

Von Pieve (668m) sollte es über den Monte Cocca (1404) hoch zum Bocca (Gebirgspass) di Saval (1700m) gehen. In Abänderung des Tourenvorschlags wollten wir am Cima Pari vorbei gehen und wieder hinunter nach Mezzolargo und am See entlang zurück nach Pieve (siehe Karte, Wege 454, 413, 453).


Wir schätzten den Weg auf eine Länge von 14km und eine Zeit von 7 Stunden. Nach unserer Erfahrung sicher etwas sehr optimistisch, aber machbar.

Weit gefehlt!



Schon der Aufstieg zum Monte Cocca war eine Strapaze. Es ging über eine lange Strecke stramm bergauf, so dass ich, oben angekommen, total erledigt war. Immer öfter 
musste ich eine Pause einlegen, die Kräfte ließen spürbar nach. An jeder Wegbiegung fluchte ich, wenn es keine Erleichterung gab - und es gab keine.  Die Aussicht auf dem Gipfel hinunter auf den See versöhnte mich, brachte aber leider keine Kraft zurück.


Auch der weitere Anstieg war entgegen meiner Hoffnung nicht sanft und leicht, sondern es ging weiterhin über Geröll, in schmalen Gräben den Berg hinauf. An der Baumgrenze, bei ca. 1650 m war Schluss. Ich war platt.
Sabine hatte Mitleid mit mir und wir kehrten um. 

Ich war sehr erleichtert - hatte mich aber zu früh gefreut. Wir wollten nicht den alten, steilen Weg vom Monte Cocca hinunter nach Pieve, sondern in einer Schleife nach Mezzolargo, weil uns das einfacher erschien. War es aber nicht. Nach einigen engeren Serpentinen war die Wegbezeichnung plötzlich verschwunden und wir folgten auf gut Glück einer Senke, die wie ein Weg aussah. Das war ein Fehler. Wir rutschen mehr als wir gingen in der Falllinie den Berg hinunter. Äste halfen uns Balance zu halten, brachen aber immer wieder ab. Und immer wieder wurde ich aufgehalten, weil ich umfiel und mir die Kraft fehlte aufzustehen. 
Mit wackligen Beinen (aber ohne schmerzende Knie!) kam ich schließlich in Mezzolargo an, kaum noch in der Lage sicher zu gehen. 
Zum ersten Mal in meinem Leben war ich an meine physischen Grenze gekommen. Selbst mein schnellster Marathon setzte mir nicht so zu, wie diese Tour. Man lernt nie aus.

Die nächsten Tage hatten wir beide spürbare Schmerzen an den Oberschenkeln, schon bei bloßer Berührung. Aber das verging nach wenigen Tagen. So what?

Navigation

Wandern in den Dolomiten (und auch in den Pyrenäen) unterscheidet sich von unseren Wanderungen im Schwarzwald vor allem in einer Hinsicht: Navigation und Streckenauszeichnung sind nicht vergleichbar! 


Wie man am Foto sehr schön sehen kann: Die Biker haben den Wanderern eindeutig den Rang abgelaufen. Auf den Wanderkarten sind zwar (noch) Wege markiert/nummeriert, aber in der Landschaft findet man sie immer weniger. Kein Vergleich mit der Wegmarkierung im Schwarzwald, wo eher das Gegenteil der Fall ist.  Dort findet man an Wegkreuzungen oft Dutzende von Hinweisschildern mit Wegnummer, Endziel, Zwischenzielen, Angaben über Längen von Teilstrecken, Wegsymbol, und, und, und. Manchmal zu viel des Guten.

Nicht so in Frankreich oder Italien. Aber das macht auch den Reiz aus: Sich im Gelände orientieren, die Karte mit der Beschilderung vergleichen, manchmal auch erkennen, dass man falsch lief. Kleine Abenteuer im Urlaub. Bei Tagesausflügen kein riskantes Problem.

Anspruchslos  


Auch hier: Biketouren hervorgehoben, wenig Wandertrails!

Die weiteren Touren waren weit anspruchsloser. Nicht unbedingt kürzer, aber nicht so belastend und überhaupt - wir waren ja jetzt geübt. :-)
An einem Regentag haben wir den Ledrosee umrundet und sind anschließend ins Café gegangen.


An einem anderen Tag sind wir nach Tiarno di  Sotto gewandert, haben das alte Ferienhaus besucht, in dem vor vielen Jahren Sabine mit ihrer Familie zweimal war und über die Römerbrücke (die gar nicht römisch ist, sondern aus dem 11.Jahrhundert stammt). die Kapelle Chiesetta San Giorgio und den Wasserfall Gorg d’Abiss ging es wieder zurück. 
Strecke bei outdooractive.com


Ein leichter, aber abwechslungsreicher Tag.
Siehe auch den Bericht eines italienischen Wanderers mit vielen Fotos : Klick

An einem anderen regenreichen Tag sind wir mit dem Auto zum Lago d'Ampola ins Naturschutzgebiet gefahren, haben einen kurzen Spaziergang absolviert und den Rest des Tages lesend verbracht.

Interessanter waren die Rundwanderungen 

Zuerst Ville del Monte -> Canale -> Rifugio San Pietro -> Tenno -> Ville del Monte ->  Canale  -> Lago di Tenno -> Canale -> Ville del Monte.


Ein schöner Rundweg, anfangs ansteigend, dann bequem zur Rifugio, die an diesem Tag gut besucht war, und hinunter nach Tenno. Wir hätten auch gerne den idyllisch gelegenen Lago di Tenno umrundet, auf allen Webseiten war das angeblich möglich, aber nach den Regenfällen der vorhergehenden Tage war der Bach unüberwindbar und eine Brücke gibt es nicht.

Tour bei Arco


Mit Hilfe von Komoot haben wir an einem sonnigen Tag die Bosco Caproni Runde gemacht. Sie führte uns von Moletta aus durch lichte Steineichenwälder auf die Nordwestseite des Berges mit einer wunderschönen Aussicht auf das Tal der Sarca. Vorbei an alten Steinbrüchen und in den Berg hineingehauenen Stellungen aus dem 1. Weltkrieg wanderten wir auf die Südostseite, wo wir Dutzende von Kletterern an den steilen Felswänden beobachten konnten. Den Nachmittag verbrachten wir dann in Arco.

Weitere Fotos bei komoot

Letzte Tour zur Madonnina die Vesta


Madonnina Di Besta (Im Bild links).

Eigentlich wollten wir am Tag vor unserer Abreise nur eine kleine Tour machen: Von Pieve nach Locca, dann auf halber Höhe nach Molina und an der Westseite des Sees wieder zurück nach Pieve. Haben wir auch gemacht, mit einer spontanen Unterbrechung. Auf der Strecke Richtung Molina fanden wir immer wieder Hinweise auf einen Rundweg zur Madonnina di Besta.  In Molina entschieden wir spontan: Machen wir, kann ja nicht so weit sein. Werch ein Illtum. Weit war es nicht, aber steil und auf dem letzten Teilstück war der Weg etwas kniffelig.
Egal, die Aussicht war wirklich prächtig. 

Am nächsten Tag ging es nach Hause, nach zehn erholsamen Tagen im Trentino. 

Literatur

Heinrich Bauregger: Gardaseeberge: Die schönsten Tal- und Höhenwanderungen. 57 Touren. Mit GPS-Tracks. Bergverlag Rother, 2019.

Johanna Stöckl: Erlebnisurlaub mit Kindern Gardasee. 40 Wanderungen und Ausflüge. Mit GPS-Daten. Bergverlag Rother, 2018.

Nana Claudia Nenzel: DuMont Reise-Taschenbuch Gardasee: Reiseführer plus Reisekarte. Mit individuellen Autorentipps und vielen Touren. Dumont Reiseverlag, 2020.

Karte 

KOMPASS Wanderkarte Alto Garda, Ledro, Valle del Sarca: 3in1 Wanderkarte 1:25000 mit Aktiv Guide inklusive Karte zur offline Verwendung in der ... (KOMPASS-Wanderkarten, Band 96) 


Mittwoch, 16. September 2020

2020 - Urlaubsimpressionen vom Ledrosee #1


Ledro-See

Wir hatten im Winter geplant, den Sommerurlaub wieder in der Nähe der Pyrenäen zu verbringen. In letzter Minute konnten wird die Buchung canceln, kurz bevor es zum Lockdown in Deutschland und Frankreich kam. Deshalb sind wir im Mai auf Oberitalien als Ziel ausgewichen, weil es näher lag. Am Ledro-See im Trentino waren wir schon 2012 und Sabine noch früher. Wir lernten die Region als entspanntes Wandergebiet kennen und ohne Massenandrang, wie am nahe gelegenen Gardasee. 


Der Ledro-See ist ein kleines Paradies, vorwiegend für italienische Familien, aber auch für Deutsche und Österreicher. Die Region gehörte bis 1918 zur KuK-Monarchie. Die Preise sind (noch) günstig, die Atmosphäre eher ländlich-provinziell, mondän ist hier nichts. 


Corona-Schutzmaßnahmen

Die erste Frage gegenwärtig lautet: Wie hältst du es mit der Pandemie?
In der italienischen Gastronomie wurden Regelungen eingeführt, die einen gewissen Schutz garantieren: Maskenpflicht in den Gebäuden, Abstandspflicht, Desinfektionsmittel für die Hände, Verzicht auf Buffets in Restaurants und Hotels, trennen von Service und Kasse. In manchen Restaurants und Cafés werden Menükarten zum Download angeboten. Erstaunlich fand ich, dass in den Lokalitäten die Bestellungen mittels Handy-App aufgenommen und an die Bar/die Küche weitergegeben werden. Der Kunde bekommt bei der Lieferung von Getränken einen Bon mit der Tischnummer und damit geht er zum Bezahlen zur abgeschirmten Kasse, wo die Rechnung ausgedruckt wird.


An vielen Stellen in der Öffentlichkeit, in Parks, an Wegen, finden wir Hinweise auf die geltenden Verhaltensregeln.

Im Grunde sind die Regelungen ähnlich wie in Deutschland, mit einer bezeichnenden Ausnahme: Es gibt keine Registrierungspflicht in Restaurants und Cafés. Es dürfte nahezu unmöglich sein, im Falle eines erneuten Ausbruchs der Pandemie Infektionswege nachzuvollziehen, und das ist  überraschend, grenzt das Trentino doch unmittelbar an den Norden der Lombardei, dem Hotspot der Pandemie in Italien.

Die Italiener sind im übrigen sehr vorsichtig. Auf den Wegen, beim abendlichen „corso“  tragen viele Flanierer die Maske, selbst Radfahrer sieht man damit.
Kurz: Wir fühlten uns sicher.  

Die Biker sind los!

Eine der beliebtesten Touren in der Region ist die “Strada del Ponale”, das ist die alte Verbindungsstraße vom Ledrotal hinunter nach Riva am nördlichen Ende des Gardasees. 



Sie führt auf einer Strecke von ca. 5 km kurvenreich und durch viele Tunnels, entlang den Hängen des Gebirges, hineingehauen in den Fels, hinunter nach Riva und gewährt überall einen fantastischen und unvergesslichen Blick auf den nördlichen Gardasee.

Kein Wunder, das sie bei Wanderern und Bikern äußerst beliebt ist und zu einem unbedingten „must“ gehört. 



Mittlerweile  gibt es Probleme: 

Früher war Riva (und das benachbarte Arco) ein Zentrum für Wanderer, Kletterer und Mountainbiker. Heute ist es die Hauptstadt der E-Biker bzw. Pedelecs. Überall in Riva kann man Pedelecs ausleihen und die beliebteste Tour ist aufwärts auf der Strada del Ponale bis zum Cafe Ponale Alto Belvedere und wieder zurück. 


Mit Unterstützung des Elektromotors ist das für unsportliche Menschen kein Problem - es sei denn man ist ungeübt im Radfahren, und das sind offensichtlich viele. Die Strecke ist nicht nur steil, der Weg ist auch wenig befestigt. Überall liegen Sand und Schotter, der Untergrund ist fürs Fahrrad denkbar unsicher. Wanderer müssen immer wieder mit Gruppen (!) von Radfahrern rechnen und bereit sein auszuweichen, wenn Fahrer in den Kurven ins Rutschen kommen oder den Kurvenradius unterschätzen. Radfahrer weichen auch gerne auf Fußgängern vorbehaltene Abschnitte aus, weil sie sicherer sind. In der Saison herrscht zu jeder Tageszeit dichter Verkehr auf- und abwärts. Die E-Biker sind nicht nur sich im Wege, dazwischen rauscht immer mal wieder ein todesmutiger Mountain-Biker den Weg hinunter, der bei der rasanten Abfahrt hoffentlich nicht von den alten Zeiten träumt, als er noch weitgehend alleine auf der Strecke war.

Was bergauf noch einigermaßen funktioniert, weil man nur langsam fährt, kann für Pedelecs bei der Bergabfahrt ein Problem werden, wenn man kein geübter Radfahrer ist. Es kommt immer wieder zu Beinahe-Crashs und riskanten Ausweichmanövern. Der Ärger ist bei allen Beteiligten groß, weil jeweils der andere im Wege ist. Für viele Biker ist die Abfahrt ein Abenteuer, für die Wanderer eine extreme Belästigung.
Wann kommt der Führerschein für Pedelecs?



Das Foto ist von 2015(!) und von hier: Klick

Es geht aber noch schlimmer!

Wir haben unglaubliche Auswüchse beobachten können: Ein Vater mit einem Kind vorne auf dem Lenkersitz, das Kind ohne Helm und ohne Sonnenschutz. Familien, die mit Kindern im Anhänger den Berg herab fahren, ohne augenscheinliche Beachtung des schwierigen Untergrunds. Viele fahren ohne Helm, er ist für Pedelecs ja auch nicht vorgeschrieben.
Sabine war entsetzt. Ich auch.

In Molina am Ledrosee wurden wir unmittelbar Zeugen eines Fahrradunfalls, direkt vor unserem Auto. Ein sportlich gekleidetes, junges Paar fuhr nebeneinander auf der Straße vor uns, sich gegenseitig stützend, nur mit einer Hand am Lenker, als eine unbedachte Bewegung die Fahrräder ins Schleudern brachte und beide in hohem Bogen auf die Straße stürzten. Es war in der 30er-Zone und ich konnte ohne Probleme halten. Die Fahrer rappelten sich auf und verließen hinkend und sichtlich angegriffen die Straße. Gut sahen sie nicht aus. Sollen wir Mitleid haben mit Menschen, die so leichtfertig ihre Gesundheit aufs Spiel setzen?

Nachtrag: Am nächsten Tag kam uns auf der Strandpromenade von Molina eine junge Frau entgegen, mit zwei Krücken, mühsam humpelnd!!!


Es gab auch Kultur

Bei Regen ist Kultur angesagt. Eine alte Weisheit aus allen Urlaubsgebieten, wenn es denn Kultur gibt.

Am Gardasee locken einen politisch interessierten Menschen (mindestens) zwei Ziele an: Das Städtchen Salò, letzte Hauptstadt des faschistischen Regimes in Italien, die heute noch zu der verliehenen Ehrenbürgerschaft für Mussolini steht, und der Park  Il Vittoriale degli italiani, angelegt vom einstigen Journalisten und späteren Bankrotteur, “Dichter”, Kriegsheld und Abenteurer Gabriele D’Annunzio (1863 - 1938) in Gardone Riviera.

Der Park schwelgt im Schwulst des Fin de Siècle. Er liegt beeindruckend schön am Hang zum Gardasee, mit einem phantastischen Amphitheater, das dem Zuschauer einen so atemberaubenden Blick auf den See bietet, dass kein Theaterstück dagegen ankommen dürfte. 





Es geht im Park bergauf und bergab, an jeder Ecke gibt es Kunst unterschiedlicher Qualität zu sehen und die Anlage überrascht nicht zuletzt mit einigen Kuriositäten. Unter anderem mit einem Ehrenmal für die verstorbenen Hunde des Dichters, einem Torpedoboot, dem Bug des Panzerkreuzers Puglia und mit dem Flugzeug, mit dem D’Annunzio gegen Ende des 1. Weltkrieges in einem halsbrecherischen Kommandounternehmen  einen Flug nach Wien unternahm, um über der Stadt Flugblätter abzuwerfen:
„Das Drohen der Schwinge des jungen italienischen Adlers gleicht nicht der finsteren Bronze im morgendlichen Licht. Die unbekümmerte Kühnheit wirft über Sankt Stephan und den Graben das unwiderstehliche Wort, Wiener! Viva l’Italia.“ (zitiert nach Wikipedia).
Was für Deutschland und die Musik Richard Wagner ist, das ist für Italien und die Literatur D’Annunzio. Man möchte immer fragen: “Hätten Sie es nicht eine Nummer kleiner?”

In Gardone Riviera gibt es als weiteren hotspot, den Botanischen Garten, in dem André Heller wohnt. Leider reichte die Zeit nicht für einen Besuch.

Die Bären sind los  oder Alp(en)-Träume: Sabines Bären

Uns fällt eine merkwürdige Hinweistafel auf:


Sucht man bei Google (11.9.2020) nach “Bär im Trentino 2020” erhält man auf Anhieb über 200 000 Treffer, darunter ungefähr 2.750 Videos und die Information: Im Trentino leben rund 90 Bären in freier Wildbahn, sie wurden vor 20 Jahren in der Region angesiedelt. Ah, ja.

Sabine schaut sich einige Videos an und ist beunruhigt: Bären gibt es ganz in der Nähe, und das sind keine Teddybären.

Die letzte Begegnung zwischen Bär und Mensch war in der Zeit unseres Aufenthalts am 3. September und etwas kurios, (in Andlo, Trentiono, ca. 50km von Ledro entfernt). Den erstaunlichste Kontakt hatte kurz zuvor ein 12jähriger Junge, der von seinem Vater dabei gefilmt wurde!

"Bären haben normalerweise Angst vor Menschen", heißt es in einer Meldung zu einem unerfreulichen Kontakt zwischen Bär und Mensch. Sabine fragt: “Halten sich alle Bären an diese Regel?”
Ob wir hier noch mal Urlaub machen sollen? Hm.

(Auch die SZ hat am 10.9.2020 darüber berichtet: "Wildes Revier. Im Trentino leben inzwischen etwa 100 Bären." Leider ist der Bericht hinter einer Bezahlschranke)

Fortsetzung/Teil 2 hier: Klick

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Urlaub 2019: Über Burgund in die Pyrenäen

Wir sind wieder in Frankreich! 

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Urlaubslektüre zur Einstimmung und zur Unterhaltung

Unser Urlaub 2019 soll uns wieder zum Wandern in die Ost-Pyrenäen führen. Diesmal nach Vernet-Les-Bains, wo Sabine vor vier Jahren eine schöne Pension entdeckt hat. Wir gehen auf Nummer sicher und buchen schon im Winter 2019 ein Zimmer für zwei Wochen. Auf dem Weg in die Pyrenäen und zurück wollen wir jeweils im südlichen Burgund einen Stopp einlegen.

Von unseren Unternehmungen, Erlebnissen und Eindrücken werde ich hier berichten.

Zur Einstimmung einige Links:

Viele Tipps zu sehenswerten Orten und Plätzen in Frankreich verdanken wir der Journalistin Hilke Maunder und ihrer tollen Website Mein Frankreich.
Zum Beispiel:  Vernet-les-Bains: Wo Cali seine Hits komponiert…

Wir sind ja schon zwei Mal in den Pyrenäen gewesen und haben jeweils darüber berichtet:

Erste Etappe Burgund: Klick

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Urlaub 2019 Etappe 1: Das südliche Burgund

Wer nicht weiß, dass er gerade durch das südliche Burgund fährt könnte meinen, er (oder sie) sei im Odenwald oder in einem anderen deutschen Mittelgebirge. Aber nichts wäre falscher als das. Die Landschaft mag ähnlich sein, die Dörfer sind es nicht. Noch der kleinste Weiler hat eine Kirche aus dem 10. oder 11. Jahrhundert. Immer wieder trifft man auf Kirchen und Kapellen ohne Ort drumherum. Alles Romanik, allenfalls im Inneren Barock.

Hier ist tiefstes Westeuropa, mit Kultur- und Geschichte gesättigt, ‘La France profonde’, wie es heißt. Als ob es nie Kriege gegeben habe. Dabei ging von Vézelay, einem bedeutenden religiösen Zentrum im 12.Jahrhundert, der zweite und der dritte Kreuzzug aus, die Kirche der Benediktinerabtei von Cluny war im 11.Jahrhundert zeitweise die größte der Christenheit, und nicht zuletzt findet man hier die Communauté de Taizé, ein Männerorden mit evangelischen und katholischen Christen, zu dessen Jugendtreffen jährlich mehr als 100 000 Jugendliche anreisen.

Dies ist eine Region mit Dörfern ohne Metallgitterzäune, Steingärten und Gabionen, und vor den Garagen stehen keine SUV’s. Das landwirtschaftlich geprägte Land ist arm an Industrie, aber reich an Bauernhöfen, die einen soliden Wohlstand ausstrahlen. Das Essen ist hervorragend, die Weine im Macon sind es auch - und die ungezählten weißen Rinder auf den Wiesen machen einen glücklichen Eindruck.
Ein wenig ähnelt die Landschaft mit ihrem Auf und Ab von Weiden und Wäldern dem südlichen England, wie wir es aus den Filmen mit Inspector Barnaby kennen. Haben sich vielleicht deshalb so viele Briten hier angesiedelt? Es ist schon auffallend, dass man sie nicht nur als Touristen antrifft, sondern auch als Inhaber von Chambres d'hôtes & gîtes en France. (Dazu später mehr)

Man kann hier wunderbar wandern. Die Strecken sind in der Regel gut ausgeschildert, die Berge nur mäßig hoch, die Wege leicht begehbar. Und, wie gesagt, man durchstreift eine Kulturlandschaft, die viele Anlässe zur Rast und zur Umschau bietet. 

Wir sind von Mazille bis nach Cluny gewandert und auch wieder zurück. Gewohnt haben wir wenige Kilometer südlich von Cluny in der Domaine de Vernay


“Freundliche Gastgeber, sehr schönes Ambiente. Ein Ruhepunkt in der Nähe von Cluny. Man ist willkommen und bemüht, einen angenehmen Aufenthalt zu gewährleisten“, 
habe ich bei booking.com geschrieben.

Mehr zu Burgund und Cluny bei  Hilke Maunder: Cluny - die maßlose Maior Ecclesia. 


Die Toiletten von Cluny

Wie schon erwähnt, spielte die Abtei von Cluny eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Christenheit. Die Abtei zählte zu ihrer Blütezeit mehr als 400 Mönche. 
Vielleicht ist es das der Grund dafür, dass man in der Abtei auch heute noch weiß, dass Männer gleiche Bedürfnisse haben, aber dennoch darin nicht gleich sind.
In der Abtei von Cluny hat man dafür eine verblüffende, aber einleuchtende Lösung:

(Unsere Freundin Elisabeth meinte dazu: "Das niedrigste Pissoir könnte vielleicht für Mönche in knieender Andachtsstellung montiert worden sein." Wer weiß?)

Dienstag, 1. Oktober 2019

Etappe 2: Vernet-les-Bains





Vernet-les-Bains ist ein Ort, der schon sehr viel bessere Zeiten gesehen hat. 
Zu Beginn des 19.Jahrhunderts hatte er sich wegen seiner Quellen zu einem bekannten Badeort entwickelt, mit einem, wie es schien, stetigen Aufstieg zu internationaler Klasse. Am 6. Mai 1906 ernannte die englische Wochenzeitung The World Vernet zum <<Paradies der Pyrenäen>>. Die Engländer, z.B. Rudyard Kipling, Nobelpreisträger 1907 für Literatur, liebten damals Vernet und viele tun es heute noch, wie man in den Gassen und Cafés von Vernet hören kann.



Ein fürchterliches Hochwasser im Oktober 1940 machte dem Glanz ein Ende. Am 21. Oktober 1940 lautet die Schlagzeile einer lokalen Zeitung: <<Vernet-les-Bains, gestern das Paradies der Pyrenäen, heute Dantes Inferno>>.

Es war wohl nicht nur das Hochwasser von 1940, das sämtliche Bädereinrichtungen am Ufer des Cady vernichteten und die halbe Stadt gleich mit, das den touristischen Abstieg Vernets einläutete. Vernet liegt abseits der großen Touristenströme und mit dem großbürgerlichen Habitus ist heute nicht mehr viel Staat zu machen.

Der alte Glanz ist also hin. Es gibt noch das Kasino und die Therme, auch wenige größere Hotels. Aber das war es auch schon: vier akzeptable Restaurants, davon zwei von Engländern betrieben, zwei Cafes am Marktplatz, ein Lebensmittelgeschäft, ein Bäcker und ein Supermarkt am Ortsausgang Richtung Villefranche-de-Conflent. Dennoch hat das Örtchen einen diskreten Charme bewahrt, mit engen, blumengeschmückten  Gässchen, die sich den Hügel hinauf ziehen zur Burg mit Kirche. 
Hier herrscht keine städtische Aufgeregtheit, sondern ländliche Gelassenheit. 





Über allem thront in majestätischer Größe der Canigou, der die Skyline des Ortes beherrscht und ruft: Komm herauf! Ein Ruf, den viele Touristen hören und Vernet zu einem beliebten Ausgangsort für Tagesausflüge auf den heiligen Berg der Katalanen machen.

In Vernet gibt es einen Park Charles Trenet, benannt nach einem sehr populären französischen Sänger († 2001), dessen Chanson “La Mer” mich seit meiner Kindheit berührt.
Was verbindet Charles Trenet mit Vernet? Er soll nach einer Nacht im Casino mit anderen Berühmtheiten nu comme un vers (nackt wie ein Wurm) durch den Park gelaufen sein! 

Da höre ich mir lieber das Chanson an:





Vernet ist vermutlich die einzige Stadt Frankreichs, die es auf eine spanische Banknote schaffte.

Einen Bericht zu Vernet findet man in diesem Post von Madame Maunder: Vernet-les-Bains: Wo Cali seine Hits komponiert…

Rudyard Kiplings Legende von Vernet: WARUM SCHNEE FÄLLT IN VERNET

Montag, 30. September 2019

Villa Delphina

Villa Delphina, in dem wir untergebracht sind, ist ein Belle Époque-Haus 
mit einem reizenden Ehepaar als Gastgeber. Nur drei Zimmer werden vermietet und während der gesamten Saison sind höchstens zwei Paare gleichzeitig anwesend.

Auf dem Foto kann man links von der Bildmitte die Villa sehen! Während unseres Aufenthalts, im August, waren die Bäume natürlich alle grün. Im Hintergrund der dominante Canigou.


Die Villa gehörte einst einem der vielen Industriellen, die sich in dem mondänen Badeort eine Villa für die Sommerfrische bauen ließen. Heute gibt es in diesem Haus nichts mehr, was jünger als 50 Jahre ist, mit Ausnahme von Elektrizität, Wifi und Haushunden.





(Alle Bilder stammen von der booking.com-Präsentation der Villa)

Wir finden hier ein klassisches Entree aus der Zeit um 1900. Der Fußboden ist im Erdgeschoss mit teils aufwendig bemalten und gemusterten Kacheln gefliest. Links und rechts stehen dunkle Regale, Garderobe, Anrichten mit Bildern, Broschüren, Büchern, Zeitschriften. 





Im gleichen Stil sind Bureau, großer Salon und die Küche gehalten. Selbstverständlich hat die Küche einen Nebeneingang für das Personal.





Im Salon  stehen ein Fernsehgerät und gemütliche Fauteuils.  Wandhohe, gegliederte Fenster im Wintergarten, der als Speise- und Frühstücksraum dient, lassen das Tageslicht in ganzer Fülle herein.




Im 1. Stock befinden sich die Schlafzimmer. Jeweils mit bodentiefen Fenstern und kleinem Austritt und gesichert mit schmiedeeisernem Geländer. 




An den Wänden der Zimmer hängen auf weißen oder dezent getönten Tapeten Bilder, Grafiken, Drucke, immer gerahmt: Akte, Landschaften, Stilleben. Das Mobiliar entspricht den zeittypischen Vorgaben und reicht im Stil ins 18. Jahrhundert zurück. In den Ecken laden bequeme Sessel zum Ruhen oder zur Ablage der Kleidung ein. 



Auf den vielen Tischchen und Kommoden stehen Bronzen oder bunte Schalen aus Porzellan. An der Decke hängen geschwungene Kronleuchter. Die Betten sind breit und sehr, sehr weich.


In diesem Haus kennt man weder Ikea noch Schöner Wohnen. Hier lebt man in der Vergangenheit, als sie noch viel versprach.




Und bei booking.com: https://www.booking.com/hotel/fr/villa-delphina.de.html