Wandern im Burgund ist wie wandern auf einer einsamen Insel: Immer viel Landschaft und wenig Begegnungen, und vor allem - keine Biber! Wir sind nahezu jeden Tag unterwegs. Nur am ersten und vorletzten Tag nicht. Einige Touren will ich hier vorstellen.
La France Profonde
Mont-Saint Vincent
Unsere erste, sehr kurze Tour führt uns nach Mont Saint Vincent . Ein kleiner Ort, der von unserer Terrasse in Rains aus zu sehen ist, ca. 5 km Luftlinie entfernt.
Hoch oben auf dem Berg gleichen Namens gelegen treffen wir auf ein Dorf wie aus einem Film von
Jaques Tati. An den Häusern hängen Fotografien, die den Ort vor 100 Jahren zeigen und wir stellen fest: Es hat sich fast nichts verändert.
Vom Aussichtsturm haben wir einen Rundum-Blick auf das Land, der bis zu den Alpen reichen soll (ohne dass wir das beweisen konnten).
Das alte Dorf ist wie ausgestorben und die noch ältere Kirche aus dem 11. Jahrhundert thront schweigend über den Häusern. Da läutet eine Glocke, aber: kein Kirchturm ist zu sehen.
Eine Tour mit Überraschungen
Tour Rains - St Clément sur Guye - Joncy - Rains
Eine leichte Rundtour, eigentlich nur ein längerer Spaziergang, um die nähere Umgebung kennen zu lernen, soll uns über St Clément-sur-Guye und Joncy wieder zurück nach Rains führen.
Auf halber Strecke macht uns ein Hinweis neugierig:
Tatsächlich: Wir finden zwei recht beachtliche Menhire am Rande eines Feldes.
Zu Hause
gibt eine Website nähere Auskunft (Auszug):
Wie die anderen Megalithen, die in der Jungsteinzeit (um 3500 v. Chr.) errichtet wurden, befinden sich die beiden Menhire an einem Abbruch des Hangs, in der Nähe einer alten Straße, deren Verlauf von einer gallo-römischen Straße übernommen wurde (250 m südlich). Der erste Menhir, 4,90 m hoch, mit einem Volumen von 2 bis 2,5 m3 und einem Gewicht, das auf 5 oder 6 Tonnen geschätzt werden kann, steht in der Nähe einer Quelle. Es hat keine Gravuren.Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)
(Man findet auch auf Google Maps die Menhire: Klick)
Am Château des Croisettes vorbei ging es dann nach Joncy und zurück nach Rains. Zum ersten und letzten Mal überraschte uns ein kleiner Regenguss, aber ohne weitere Folgen für uns.
Burgund- Zentrum der Christenheit
Tour von Taizé
Taize ist mit seiner
Communauté de Taizé auch in Deutschland sehr bekannt als ökumenischer Treffpunkt junger Christen. Für uns ist der Ort Startpunkt für eine Rundwanderung, die uns auch zum
Schloss von Comartin führen soll.
Eigentlich ist Taizé ein winziger Ort, der ganz durch die Einrichtungen der
Communauté mit seinen Mensen, Schlaf-, Gebets und Veranstaltungshäusern geprägt ist. Und vor allem von den vielen Jugendlichen, die unseren Weg kreuzen. (Die wir aber nicht fotografiert haben.)
Auf dem Weg nach Norden Richtung Comartin genießen wir zum ersten Mal die Früchte des Landes. Nein, nicht die Reben, sondern die Brombeeren, die links und rechts des Weges wachsen und unseren Fußmarsch immer wieder angenehm unterbrechen.
In Comartin angekommen müssen wir leider feststellen, dass sich vor dem Eingang zum Schloss eine lange Schlange Wartender eingefunden hat und dass die Schlange sich nicht wesentlich verkürzt. Wir wandern also weiter, auf einem anderen, östlich gelegenen Weg zurück nach Taizé.
Unterwegs machen wir Bekanntschaft mit der Tierwelt Burgunds. Seltsame Umarmung
Schön war’s!
Auf dem Weg der Mönche
Brancion MA2 Runde von La Chapelle-sous-Brancion
Eine einfache Wanderung soll es sein: 8 km von
Brancion in Richtung Nordost und über Mancey zurück auf historischem Pilgerpfad.
Der Trail, ein auf dem Bergkamm durch das Unterholz sich schlängelnder Pfad, ist manchmal kaum erkennbar, wären nicht im Abstand von ca. 30 m auffallende Steine gesetzt, die den alten Pilgerweg markieren.
Urwaldartig verschlungen ist der Wald.

Am Startpunkt, einem Parkplatz bei Brancion wieder angekommen, machen wir einen Abstecher in den kleinen Ort und sind überrascht über die verzauberte Atmosphäre, die die alte Kirche und die hoch den Ort überragende Burg verströmen. Wie in einem Märchen der Brüder Grimm.
Aber so schön der pittoreske Ort auch ist. Bewohnt ist er vermutlich nur von Zweitwohnungsbesitzern und Feriengästen.
Im dunklen Burgund
Wanderung im Morvan
Wer im Burgund wandert sucht meistens das
Morvan auf, ein Waldgebiet im Nordwesten der Region. Es ist abgelegen, über kurvenreiche Landstraßen erreichbar und dennoch stark besucht aus den Städten der weiteren Umgebung. Aber leider, leider. Die Anfahrt auf den schmalen (“schmalsten”) Landstraßen Frankreichs ist oft eine Qual.
Wir sind trotzdem dorthin gefahren und haben es nicht bereut. Wir wandern durch einen lichten Wald, passieren kleinere Seen und schließen den Trip mit einem Cafébesuch ab. Es ist 15 Uhr und das Café ist leer, denn jetzt sind die französischen Ausflügler unterwegs. Sie haben eine lange Mittagspause hier eingelegt und sind gestartet, kurz bevor wir wieder eintreffen.
Wir genießen die Ruhe im Garten des Cafés, sind gestärkt für die Rückfahrt über die verschlungenen Landstraßen nach Rains.
Mysteriöses
Rund um Cluny
Über Cluny habe ich bereits vor zwei Jahren berichtet:
Klick. Diesmal machen wir eine Wanderung rund um Cluny, die uns auf die westlich gelegen Höhne vor der Stadt führt. Dort angekommen sehen wir auf einem gegenüberliegenden Hang eine merkwürdige Anlage .
Zu Hause recherchiere ich und finde eine reichlich mysteriöse Geschichte zur Zerstörung und Rekonstruktion eines alten Schlosses aus dem 12. Jahrhundert -
Château de Lourdon
Etwas anderes ist mir noch aufgefallen. In Cluny hat die sonst allmächtige katholische Kirche schon früher mal gegen das geschäftstüchtige Bürgertum verloren, wie das Foto belegt:

Und noch etwas: In einem alternativen Bäckerladen gibt es Brot aus Mehl von heimischen Bauern. Wir haben einen Laib gekauft und zuhause mit sehr viel Ehrfurcht und noch mehr Genuss davon gegessen. Der Preis für das Brot: 12€ das Kilo. Es war schon immer etwas teurer, ...
Städtetoren
Eine erste Städtetour führt uns nach
Chalon-sur-Saône: Eine mittelgroße Stadt mit großer regionaler Bedeutung, interessanter Geschichte, die bis in die Römerzeit zurückreicht und einer historischen, aber lebendigen Innenstadt. Am Ufer der Saône haben wir gesessen und gegessen und im Stadtzentrum haben wir eine kleine Demo von Corona-Gegnern beobachtet. Dabei fiel uns auf, dass sich die französischen Covidioten nicht groß von den deutschen unterscheiden. Warum auch.
Natürlich besuchen wir auch Beaune. Wir machen einen Rundgang durch die alten Gassen und Straßen, sind auf den Festungsmauern und besuchen selbstverständlich das Hospiz.
Auf dem Rückweg sind wir an
Meursault vorbeigefahren. Wein kaufen wir nicht. Für uns
Laientrinker ist er unbezahlbar.
Corona?
Wie auch an allen anderen Orten in Frankreich, in Cafés, Restaurants, Museen, drinnen und draußen, muss man seine Corona-App vorzeigen. Sie wird mit einem Handy gecheckt und nach dem Pieps wird man eingelassen. Alles selbstverständlich und unkompliziert. Selbst die deutsche App mit dem QR-Code wird akzeptiert. Nie haben wir beobachten können, dass sich jemand geweigert hätte oder es einen Konflikt gab. Normalität halt.
Souvenirs
In Frankreich kaufe ich mir immer ein Messer von Opinel, quasi als Souvenir. Natürlich aus Carbon-Stahl, kein Edelstahl.
Man sieht, die Messer sind sehr scharf und damit eine bleibende Erinnerung an die schöne Zeit im Burgund.
Feierabend
Abends sitzen wir auf der Terrasse. Wir trinken Wein, lesen, schauen über das wunderbar grüne Land in die untergehende Sonne. Die Rinder grüßen uns mit wedelndem Schwanz, die Mücken wünschen uns eine unruhige Nacht. Na, dann.
So wird es jeden Abend sein bis ans Ende der Tage in Burgund. Gerne wieder.
In My Life
There are places I'll remember
All my life though some have changed
Some forever, not for better
Some have gone and some remain
All these places have their moments
With lovers and friends I still can recall
Some are dead and some are living
In my life I've loved them all
John Lennon / Paul McCartney
Weiterführende Links / Tourismus
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