Frankreich 2015

Frankreich 2015
Pyrenäen Canigou-Massiv

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Urlaub 2019: Über Burgund in die Pyrenäen

Wir sind wieder in Frankreich! 

Sie lesen diesen Blog auf dem Smart Phone oder einem Tablet? Dann wählen Sie als Startseite: https://reinerundsabine2014.blogspot.com/?m=1
Urlaubslektüre zur Einstimmung und zur Unterhaltung

Unser Urlaub 2019 soll uns wieder zum Wandern in die Ost-Pyrenäen führen. Diesmal nach Vernet-Les-Bains, wo Sabine vor vier Jahren eine schöne Pension entdeckt hat. Wir gehen auf Nummer sicher und buchen schon im Winter 2019 ein Zimmer für zwei Wochen. Auf dem Weg in die Pyrenäen und zurück wollen wir jeweils im südlichen Burgund einen Stopp einlegen.

Von unseren Unternehmungen, Erlebnissen und Eindrücken werde ich hier berichten.

Zur Einstimmung einige Links:

Viele Tipps zu sehenswerten Orten und Plätzen in Frankreich verdanken wir der Journalistin Hilke Maunder und ihrer tollen Website Mein Frankreich.
Zum Beispiel:  Vernet-les-Bains: Wo Cali seine Hits komponiert…

Wir sind ja schon zwei Mal in den Pyrenäen gewesen und haben jeweils darüber berichtet:

Erste Etappe Burgund: Klick

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Urlaub 2019 Etappe 1: Das südliche Burgund

Wer nicht weiß, dass er gerade durch das südliche Burgund fährt könnte meinen, er (oder sie) sei im Odenwald oder in einem anderen deutschen Mittelgebirge. Aber nichts wäre falscher als das. Die Landschaft mag ähnlich sein, die Dörfer sind es nicht. Noch der kleinste Weiler hat eine Kirche aus dem 10. oder 11. Jahrhundert. Immer wieder trifft man auf Kirchen und Kapellen ohne Ort drumherum. Alles Romanik, allenfalls im Inneren Barock.

Hier ist tiefstes Westeuropa, mit Kultur- und Geschichte gesättigt, ‘La France profonde’, wie es heißt. Als ob es nie Kriege gegeben habe. Dabei ging von Vézelay, einem bedeutenden religiösen Zentrum im 12.Jahrhundert, der zweite und der dritte Kreuzzug aus, die Kirche der Benediktinerabtei von Cluny war im 11.Jahrhundert zeitweise die größte der Christenheit, und nicht zuletzt findet man hier die Communauté de Taizé, ein Männerorden mit evangelischen und katholischen Christen, zu dessen Jugendtreffen jährlich mehr als 100 000 Jugendliche anreisen.

Dies ist eine Region mit Dörfern ohne Metallgitterzäune, Steingärten und Gabionen, und vor den Garagen stehen keine SUV’s. Das landwirtschaftlich geprägte Land ist arm an Industrie, aber reich an Bauernhöfen, die einen soliden Wohlstand ausstrahlen. Das Essen ist hervorragend, die Weine im Macon sind es auch - und die ungezählten weißen Rinder auf den Wiesen machen einen glücklichen Eindruck.
Ein wenig ähnelt die Landschaft mit ihrem Auf und Ab von Weiden und Wäldern dem südlichen England, wie wir es aus den Filmen mit Inspector Barnaby kennen. Haben sich vielleicht deshalb so viele Briten hier angesiedelt? Es ist schon auffallend, dass man sie nicht nur als Touristen antrifft, sondern auch als Inhaber von Chambres d'hôtes & gîtes en France. (Dazu später mehr)

Man kann hier wunderbar wandern. Die Strecken sind in der Regel gut ausgeschildert, die Berge nur mäßig hoch, die Wege leicht begehbar. Und, wie gesagt, man durchstreift eine Kulturlandschaft, die viele Anlässe zur Rast und zur Umschau bietet. 

Wir sind von Mazille bis nach Cluny gewandert und auch wieder zurück. Gewohnt haben wir wenige Kilometer südlich von Cluny in der Domaine de Vernay


“Freundliche Gastgeber, sehr schönes Ambiente. Ein Ruhepunkt in der Nähe von Cluny. Man ist willkommen und bemüht, einen angenehmen Aufenthalt zu gewährleisten“, 
habe ich bei booking.com geschrieben.

Mehr zu Burgund und Cluny bei  Hilke Maunder: Cluny - die maßlose Maior Ecclesia. 


Die Toiletten von Cluny

Wie schon erwähnt, spielte die Abtei von Cluny eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Christenheit. Die Abtei zählte zu ihrer Blütezeit mehr als 400 Mönche. 
Vielleicht ist es das der Grund dafür, dass man in der Abtei auch heute noch weiß, dass Männer gleiche Bedürfnisse haben, aber dennoch darin nicht gleich sind.
In der Abtei von Cluny hat man dafür eine verblüffende, aber einleuchtende Lösung:

(Unsere Freundin Elisabeth meinte dazu: "Das niedrigste Pissoir könnte vielleicht für Mönche in knieender Andachtsstellung montiert worden sein." Wer weiß?)

Dienstag, 1. Oktober 2019

Etappe 2: Vernet-les-Bains





Vernet-les-Bains ist ein Ort, der schon sehr viel bessere Zeiten gesehen hat. 
Zu Beginn des 19.Jahrhunderts hatte er sich wegen seiner Quellen zu einem bekannten Badeort entwickelt, mit einem, wie es schien, stetigen Aufstieg zu internationaler Klasse. Am 6. Mai 1906 ernannte die englische Wochenzeitung The World Vernet zum <<Paradies der Pyrenäen>>. Die Engländer, z.B. Rudyard Kipling, Nobelpreisträger 1907 für Literatur, liebten damals Vernet und viele tun es heute noch, wie man in den Gassen und Cafés von Vernet hören kann.



Ein fürchterliches Hochwasser im Oktober 1940 machte dem Glanz ein Ende. Am 21. Oktober 1940 lautet die Schlagzeile einer lokalen Zeitung: <<Vernet-les-Bains, gestern das Paradies der Pyrenäen, heute Dantes Inferno>>.

Es war wohl nicht nur das Hochwasser von 1940, das sämtliche Bädereinrichtungen am Ufer des Cady vernichteten und die halbe Stadt gleich mit, das den touristischen Abstieg Vernets einläutete. Vernet liegt abseits der großen Touristenströme und mit dem großbürgerlichen Habitus ist heute nicht mehr viel Staat zu machen.

Der alte Glanz ist also hin. Es gibt noch das Kasino und die Therme, auch wenige größere Hotels. Aber das war es auch schon: vier akzeptable Restaurants, davon zwei von Engländern betrieben, zwei Cafes am Marktplatz, ein Lebensmittelgeschäft, ein Bäcker und ein Supermarkt am Ortsausgang Richtung Villefranche-de-Conflent. Dennoch hat das Örtchen einen diskreten Charme bewahrt, mit engen, blumengeschmückten  Gässchen, die sich den Hügel hinauf ziehen zur Burg mit Kirche. 
Hier herrscht keine städtische Aufgeregtheit, sondern ländliche Gelassenheit. 





Über allem thront in majestätischer Größe der Canigou, der die Skyline des Ortes beherrscht und ruft: Komm herauf! Ein Ruf, den viele Touristen hören und Vernet zu einem beliebten Ausgangsort für Tagesausflüge auf den heiligen Berg der Katalanen machen.

In Vernet gibt es einen Park Charles Trenet, benannt nach einem sehr populären französischen Sänger († 2001), dessen Chanson “La Mer” mich seit meiner Kindheit berührt.
Was verbindet Charles Trenet mit Vernet? Er soll nach einer Nacht im Casino mit anderen Berühmtheiten nu comme un vers (nackt wie ein Wurm) durch den Park gelaufen sein! 

Da höre ich mir lieber das Chanson an:





Vernet ist vermutlich die einzige Stadt Frankreichs, die es auf eine spanische Banknote schaffte.

Einen Bericht zu Vernet findet man in diesem Post von Madame Maunder: Vernet-les-Bains: Wo Cali seine Hits komponiert…

Rudyard Kiplings Legende von Vernet: WARUM SCHNEE FÄLLT IN VERNET

Montag, 30. September 2019

Villa Delphina

Villa Delphina, in dem wir untergebracht sind, ist ein Belle Époque-Haus 
mit einem reizenden Ehepaar als Gastgeber. Nur drei Zimmer werden vermietet und während der gesamten Saison sind höchstens zwei Paare gleichzeitig anwesend.

Auf dem Foto kann man links von der Bildmitte die Villa sehen! Während unseres Aufenthalts, im August, waren die Bäume natürlich alle grün. Im Hintergrund der dominante Canigou.


Die Villa gehörte einst einem der vielen Industriellen, die sich in dem mondänen Badeort eine Villa für die Sommerfrische bauen ließen. Heute gibt es in diesem Haus nichts mehr, was jünger als 50 Jahre ist, mit Ausnahme von Elektrizität, Wifi und Haushunden.





(Alle Bilder stammen von der booking.com-Präsentation der Villa)

Wir finden hier ein klassisches Entree aus der Zeit um 1900. Der Fußboden ist im Erdgeschoss mit teils aufwendig bemalten und gemusterten Kacheln gefliest. Links und rechts stehen dunkle Regale, Garderobe, Anrichten mit Bildern, Broschüren, Büchern, Zeitschriften. 





Im gleichen Stil sind Bureau, großer Salon und die Küche gehalten. Selbstverständlich hat die Küche einen Nebeneingang für das Personal.





Im Salon  stehen ein Fernsehgerät und gemütliche Fauteuils.  Wandhohe, gegliederte Fenster im Wintergarten, der als Speise- und Frühstücksraum dient, lassen das Tageslicht in ganzer Fülle herein.




Im 1. Stock befinden sich die Schlafzimmer. Jeweils mit bodentiefen Fenstern und kleinem Austritt und gesichert mit schmiedeeisernem Geländer. 




An den Wänden der Zimmer hängen auf weißen oder dezent getönten Tapeten Bilder, Grafiken, Drucke, immer gerahmt: Akte, Landschaften, Stilleben. Das Mobiliar entspricht den zeittypischen Vorgaben und reicht im Stil ins 18. Jahrhundert zurück. In den Ecken laden bequeme Sessel zum Ruhen oder zur Ablage der Kleidung ein. 



Auf den vielen Tischchen und Kommoden stehen Bronzen oder bunte Schalen aus Porzellan. An der Decke hängen geschwungene Kronleuchter. Die Betten sind breit und sehr, sehr weich.


In diesem Haus kennt man weder Ikea noch Schöner Wohnen. Hier lebt man in der Vergangenheit, als sie noch viel versprach.




Und bei booking.com: https://www.booking.com/hotel/fr/villa-delphina.de.html


Samstag, 28. September 2019

Die Moderne schlägt zu


Dennoch: Der Fortschritt macht auch vor der Villa nicht halt. Auf dem Frühstückstisch fällt ein Gerät auf, dass uns Madame erläutert. Unter dem Deckel befindet sich ein großes Stück Butter, dreht man am unteren Rand der Dose quirlen unzählige kleine Fädchen Butter aus dem Deckel, die sich mit einem Messer streichzart auf das Brot übertragen lassen. Selbstverständlich gibt es zwei Dosen: eine für gesalzene und eine für ungesalzene Butter. Wir sind platt.

(Wieder zu Hause recherchiere ich und finde: Das Gerät heißt Buttermühle und man kann es bei Amazon (wo sonst?) kaufen; z.B. hier:  Klick    Vorsicht. Hohe Versandkosten!)


Donnerstag, 26. September 2019

Madame sitzt im Salon und liest

Madame sitzt im Salon und liest. Es könnte ein Klischee sein, aber... 
In jeder Ecke, in jedem Winkel des Hauses ist ein Wandschrank eingebaut, mal kleiner mal größer. Selbst auf der Toilette und im Flur. Ich vermute, das war um 1900 der letzte Schrei und sicher sehr praktisch. Man konnte so Dinge verstecken und den Blicken der Besucher oder dem zerstörerischen Licht entziehen.

Heute haben diese Schränke nur noch eine Funktion: Sie dienen als Bücherregale und erlauben der Hausherrin, ihre Bücher thematisch zu ordnen. In einem findet man Bücher über französische Politiker, in anderen über große Gestalten der Weltgeschichte wie z.B. den Pharaonen und Alexander dem Großen. Madame liebt es, vornehmlich Biographien und Autobiographien zu lesen. Den Grund dafür konnte ich aber mangels Sprachkenntnissen nicht ermitteln.

So bin ich auch auf diese beiden Bücher gestoßen, die ich ebenfalls besitze, natürlich in deutscher Übersetzung. 






Madame ist sehr erstaunt und erfreut, als ich ihr, französisch stammelnd, davon berichte.

Nachtrag: 

Wieder zu Hause, im Oktober 2019, werde ich ebenfalls überrascht. Jean-Paul Dubois bekommt den diesjährigen Prix Concours für sein neuestes Werk "Tous les hommes n’habitent pas le monde de la même façon".

Im Vorjahr war der Preisträger Nicolas Mathieu für "Leurs enfants après eux". Das Buch wurde sehr schnell ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel "Wie später ihre Kinder" durchaus auch bei uns ein Erfolg. Mal sehen, wann der neue Dubios bei uns auf den Markt kommt.


Zu den beiden o.a. Bücher habe ich etwas geschrieben: Hier und hier.

Dienstag, 24. September 2019

... und Monsieur jagt Wildschweine

Monsieur Gatte ist nicht nur geachtetes Mitglied des Gemeinderats von Vernet-les-Bains, sondern sogar stellvertretender Bürgermeister und hat große Ideen. Er möchte Vernet mit einer deutschen Bäderstadt verschwistern. Er hatte schon mit Deutschen Geschäfte gemacht, war auf Messen, kann sich gut auf Deutsch verständigen und ist offen und sympathisch. Er könnte Erfolg haben mit seinen Plänen.

Monsieur hat auch ein offensives Hobby. Er geht mit Freunden gerne auf Wildschweinjagd, und dafür hat er vier Hunde: zwei Dackel, einen Terrier und Jean (englisch ausgesprochen!), einen großen Britisch Setter.
Am letzten Wochenende unseres Aufenthalts  geht er mit Freunden  wieder los. Die Hunde sind dabei - außer: Jean. Sie hat Angst vor Wildschweinen und muss zu Hause bleiben. Jean gefällt das überhaupt nicht. Sie vermisst ihre Gefährten, ist unruhig und offensichtlich schlecht gelaunt. Selbst mich, ihren besten Freund, blickt sie ratlos an.



Es geht dem Hunde wie dem Mensch, wenn er allein ist.